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Zarathustra

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 9. Juni 2022
  • 3 Min. Lesezeit


... copyright by martin wilhelm döhring ...
... copyright by martin wilhelm döhring ...

Was ist Also sprach Zarathustra?

Also sprach Zarathustra ist das zentrale philosophisch-poetische Werk von Friedrich Nietzsche. Es erschien zwischen 1883 und 1885 und ist weder Roman noch wissenschaftliche Abhandlung, sondern eine Mischung aus Dichtung, Prophetie, Mythos und Philosophie.

Die Hauptfigur Zarathustra ist an den historischen Religionsstifter Zarathustra angelehnt, spricht aber Nietzsches eigene Gedanken aus.

Nietzsche lässt Zarathustra zehn Jahre allein in den Bergen leben. Danach steigt er zu den Menschen hinab, um ihnen eine neue Botschaft zu verkünden.

Die zentrale Botschaft: „Gott ist tot“

Der berühmteste Gedanke Nietzsches lautet:

Gott ist tot.

Damit meint Nietzsche nicht, dass ein göttliches Wesen biologisch gestorben sei.

Vielmehr meint er:

  • Die moderne Wissenschaft,

  • die Aufklärung,

  • die historische Bibelkritik,

  • die Säkularisierung

haben den traditionellen christlichen Glauben erschüttert.

Die alte religiöse Ordnung verliert ihre bindende Kraft.

Das Problem lautet nun:

Wenn Gott nicht mehr der Maßstab aller Werte ist – woran orientiert sich der Mensch?

Für Nietzsche beginnt damit eine gewaltige Krise.

Der Übermensch

Die Antwort Zarathustras lautet:

Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll.

Der Mensch ist für Nietzsche kein Endpunkt der Entwicklung.

Er beschreibt ihn als Brücke zwischen Tier und Übermensch.

Der Übermensch ist kein biologisch überlegener Mensch und keine Herrenrasse.

Er ist vielmehr ein Mensch, der:

  • seine Werte selbst schafft,

  • Verantwortung für sein Leben übernimmt,

  • keine metaphysischen Tröstungen benötigt,

  • das Leben vollständig bejaht.

Der Übermensch sagt Ja zum Leben, selbst zu dessen Leiden.

Die drei Verwandlungen des Geistes

Dies ist einer der bekanntesten Abschnitte des Buches.

Also sprach Zarathustra beschreibt drei Entwicklungsstufen:

1. Das Kamel

Das Kamel trägt Lasten.

Es sagt:

Du sollst.

Es steht für den gehorsamen Menschen:

  • Religion

  • Tradition

  • Pflicht

  • Moral

werden übernommen und getragen.

2. Der Löwe

Der Löwe rebelliert.

Er sagt:

Ich will.

Er bekämpft den großen Drachen.

Auf jeder Schuppe des Drachen steht:

Du sollst.

Der Löwe zerstört alte Autoritäten.

Doch er kann noch nichts Neues erschaffen.

3. Das Kind

Das Kind sagt:

Ja.

Es symbolisiert:

  • Kreativität

  • Neubeginn

  • Schöpfung

Das Kind schafft neue Werte.

Für Nietzsche ist dies die höchste Stufe.

Die ewige Wiederkunft

Der vielleicht tiefste Gedanke des Werkes ist die ewige Wiederkunft.

Zarathustra stellt die Frage:

Was wäre, wenn du dein Leben unendlich oft genauso wieder leben müsstest?

Jeden Schmerz.

Jede Freude.

Jeden Fehler.

Immer wieder.

Nietzsche benutzt dies als Prüfstein.

Wer sein Leben vollständig bejahen kann, würde antworten:

Ja, ich will, dass alles wiederkehrt.

Die ewige Wiederkunft ist daher weniger Kosmologie als Existenzprüfung.

Der letzte Mensch

Zarathustra warnt vor dem „letzten Menschen“.

Der letzte Mensch sucht:

  • Sicherheit,

  • Komfort,

  • Bequemlichkeit,

  • Unterhaltung.

Er vermeidet:

  • Risiko,

  • Leidenschaft,

  • Größe,

  • Selbstüberwindung.

Nietzsche beschreibt ihn als Endstadium einer dekadenten Kultur.

Der letzte Mensch sagt:

Wir haben das Glück erfunden.

Doch sein Leben ist leer geworden.

Psychoanalytische Deutung

Aus psychoanalytischer Sicht lässt sich Zarathustra als Drama der Individuation lesen.

Die drei Verwandlungen erinnern an Entwicklungsstufen:

  • Das Kamel entspricht dem Über-Ich und den verinnerlichten Geboten.

  • Der Löwe entspricht der Ablösung von Autoritäten.

  • Das Kind entspricht einer integrierten Persönlichkeit, die schöpferisch handeln kann.

In dieser Lesart ist der Drache „Du sollst“ die verinnerlichte Autorität von Eltern, Gesellschaft und Religion.

Warum das Werk bis heute fasziniert

Nietzsche beantwortet nicht die Frage:

Was ist der Sinn des Lebens?

Sondern er stellt die radikalere Frage:

Kannst du selbst Sinn erschaffen?

Deshalb ist Zarathustra kein Lehrbuch, sondern ein Initiationsdrama.

Der Weg führt:

vom Gehorsam (Kamel)über die Befreiung (Löwe)zur schöpferischen Selbstgestaltung (Kind).

Viele Leser sehen darin den Kern der modernen Existenzphilosophie: Der Mensch findet seinen Sinn nicht vor, sondern muss ihn selbst hervorbringen. Gerade deshalb wirkt Zarathustra bis heute zugleich wie eine Philosophie, eine Dichtung und ein Mythos der Selbstwerdung.


4 Kommentare


Martin Döhring
Martin Döhring
12. Aug. 2025

Naja, vielleicht verdiene ich irgendwann mal doch Geld oder bekomme Rente - wer weiß?

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Martin Döhring
Martin Döhring
07. Juni 2025

Ich verkaufe nichts mehr und habe jede Erwerbstätigkeit eingestellt. Ich bin nicht korrupt und zahle kein Schmiergeld. Keine Einnahmen und arbeite tue ich nicht. Keinen Handschlag.

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Martin Döhring
Martin Döhring
22. Juni 2022

Übrigens verkaufe ich meine Ölgemälde auch sehr gerne …

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Martin Döhring
Martin Döhring
09. Juni 2022

Bildgröße von dem Gemälde ist 1,5 m x 2,5 m

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