US Supreme Court urteilt möglicherweise heute über die Zollpolitik von US Präsident Donald Trump
- Martin Döhring

- vor 9 Stunden
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Der US Supreme Court wird voraussichtlich heute über die Zollpolitik von US Präsident Donald Trump urteilen. Vom Wesen her sind Zölle Steuern und daher vom US Kongress zu beschließen.
Die verhängten Zölle haben als Rechtsgrundlage eine Notverordnung , die Trump mit seinen präsidialen Edikten in Anspruch genommen hat. Der Supreme Court könnte nun zum Beispiel diese Maßnahmen limitieren, zeitlich einschränken oder eine Frist setzen, bis der Kongress diese Maßnahmen billigt oder modifiziert.
Juristisch lässt sich die Problemlage wie folgt einordnen:
1. Verfassungsrechtlicher Ausgangspunkt Nach Art. I § 8 der US-Verfassung liegt die Kompetenz zur Erhebung von Zöllen und Steuern eindeutig beim Kongress („The Congress shall have Power To lay and collect Taxes, Duties, Imposts and Excises“). Zölle sind ihrem Wesen nach fiskalische Abgaben und damit primär eine legislative Angelegenheit.
2. Delegation und Notstandsrecht In der Praxis hat der Kongress dem Präsidenten jedoch weitreichende Befugnisse delegiert, insbesondere über Gesetze wie:
den International Emergency Economic Powers Act (IEEPA),
den Trade Expansion Act (Section 232),
den Trade Act of 1974 (Section 301).
Diese Normen erlauben dem Präsidenten, bei nationalen Notlagen oder sicherheitspolitischen Risiken zeitlich begrenzte handelspolitische Maßnahmen anzuordnen. Trumps Zölle stützen sich genau auf diese delegierten Notstandsbefugnisse und präsidiale Executive Orders.
3. Kernfrage vor dem Supreme Court Der Supreme Court wird nicht abstrakt über „Zölle ja oder nein“ entscheiden, sondern über:
die Grenzen der Delegation (Non-Delegation Doctrine),
die Reichweite des Notstandsbegriffs,
und die Dauer und Intensität präsidialer Alleingänge ohne explizite Kongressbilligung.
Im Kern geht es um die Frage, ob der Präsident faktisch eine dauerhafte Steuerpolitik betreiben darf, obwohl die Verfassung diese Kompetenz dem Kongress zuweist.
4. Mögliche Entscheidungsvarianten (realistisch) Der Court dürfte – falls er eingreift – eher institutionell vorsichtig vorgehen. Denkbar sind insbesondere:
zeitliche Begrenzung der Zölle bei Berufung auf Notstandsbefugnisse,
Auflagen an den Präsidenten, den Kongress aktiv einzubinden,
eine Fristsetzung, nach deren Ablauf der Kongress die Maßnahmen explizit genehmigen oder modifizieren muss,
oder eine restriktive Auslegung der herangezogenen Notstandsgesetze, ohne sie insgesamt für verfassungswidrig zu erklären.
Eine vollständige Kassation aller Zölle wäre rechtlich möglich, politisch jedoch eher unwahrscheinlich.
5. Politisch-institutionelle Bedeutung Unabhängig vom konkreten Ausgang berührt das Verfahren einen Grundkonflikt der US-Verfassung:
Exekutive Handlungsfähigkeit in Krisenversus
fiskalische und handelspolitische Hoheit des Kongresses.
Der Supreme Court würde mit jeder Begrenzung ein Signal setzen, dass Notstandsrecht kein Dauerersatz für parlamentarische Steuer- und Handelspolitik sein darf.







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