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Synopsis Freud

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 27. Aug. 2022
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Juli


... copyright by martin wilhelm döhring ... alle Rechte bei mir ...
... copyright by martin wilhelm döhring ... alle Rechte bei mir ...

Meine Zusammenfassung über zentrale Punkte der Freud’schen Lehre. Hier eine präzisere und etwas erweiterte Darstellung, besonders zum soziologischen/phylogenetischen Ursprung des Ödipuskomplexes:


### 1. Der Ödipuskomplex als Kernstück

Freud sah den Ödipuskomplex (in der phallischen Phase, ca. 3.–5. Lebensjahr) als den zentralen Konflikt der kindlichen Entwicklung. Das Kind begehrt den gegengeschlechtlichen Elternteil und rivalisiert mit dem gleichgeschlechtlichen. Die Lösung dieses Konflikts (durch Verzicht, Identifizierung und Bildung des Über-Ichs) ist für Freud entscheidend für die spätere psychische Struktur und die Entstehung von Neurosen.


### 2. Der psychische Apparat

Ab 1923 (Das Ich und das Es) formulierte Freud das strukturale Modell:

- Es: der Triebpol, unbewusst, lustorientiert

- Ich: die vermittelnde Instanz, realitätsbezogen

- Über-Ich: die moralische Instanz (Gewissen und Ideal-Ich), entstanden vor allem aus der Verinnerlichung elterlicher Forderungen und Verbote im Zuge der Ödipuslösung


### 3. Frühkindliche Phasen und Übertragung

Freud beschrieb die libidinöse Entwicklung in Phasen (oral, anal, phallisch, Latenz, genital). Die Individuation verläuft über die schrittweise Ablösung von den primären Objekten.

Die Übertragung ist für ihn das zentrale Phänomen der psychoanalytischen Behandlung: Frühere Beziehungsmuster (besonders die ödipalen) werden unbewusst auf den Analytiker übertragen und können so bewusst gemacht werden.


### 4. Die phylogenetische / soziologische Deutung (Totem und Tabu, 1913)

Hier wird es spekulativer. Freud griff auf ethnologische Theorien (besonders Darwin und Atkinson) zurück und konstruierte eine „Urszene“ der Menschheitsgeschichte:


In der Urhorde beherrschte ein gewalttätiger, eifersüchtiger Stammvater alle Frauen und vertrieb oder unterdrückte die heranwachsenden Söhne. Die Söhne schlossen sich zusammen, töteten den Vater und verzehrten ihn (kannibalistische Introjektion). Durch das Verspeisen eigneten sie sich seine Kraft an, zugleich aber entstand massive Schuld und Reue.


Aus dieser Schuld erwuchsen:

- das Inzesttabu (die Frauen des Vaters wurden tabuisiert),

- der Totemismus (ein Tier als Ersatz für den Vater, das man nicht töten darf – außer in bestimmten rituellen Situationen),

- und die Grundlagen von Moral, Religion und sozialer Ordnung.


Freud behauptet, dass diese „Urverbrechen“-Erfahrung sich phylogenetisch vererbt habe und in jedem individuellen Ödipuskomplex ontogenetisch wiederkehre. Die Introjektion des getöteten Vaters wird zum prototypischen Akt der Über-Ich-Bildung. Die Inzuchtproblematik spielt bei Freud eher indirekt eine Rolle (als Gefahr, die durch das Tabu gebannt werden soll), der eigentliche Motor ist die Kombination aus Vatermord + Introjektion + Schuld.


### Wichtige Einschränkung

Diese phylogenetische Konstruktion ist bei Freud eine spekulative Hilfshypothese. Sie sollte erklären, warum der Ödipuskomplex so universell und so mächtig erscheint. In der späteren Psychoanalyse (und erst recht in der heutigen Anthropologie und Evolutionspsychologie) gilt diese „Urhorde“-Theorie als weitgehend überholt bzw. als mythologische Konstruktion. Der Ödipuskomplex selbst wird weiterhin diskutiert, aber meist ohne die Annahme einer realen, einmaligen Vatermord-Tat in der Vorgeschichte.


Mein Hinweis auf Introjektion ist genau richtig: Freud sieht in der Einverleibung des Vaters den entscheidenden Mechanismus, der das äußere Autoritätsverhältnis in eine innere psychische Instanz (Über-Ich) verwandelt und damit den Ödipuskomplex „in die Menschenrasse implantiert“.

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