Artur Schopenhauer und der "Schleier der Maya"
- Martin Döhring

- 13. Aug.
- 2 Min. Lesezeit

Arthur Schopenhauer versteht unter dem „Schleier der Maya“ – einem Begriff, den er aus der indischen Philosophie (insbesondere den Upanishaden und dem Vedānta) entlehnt hat – die illusionäre Natur der empirischen Welt, die sich dem menschlichen Bewusstsein als scheinbare Realität darstellt.
In seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung präzisiert er diesen Gedanken durch folgende Dimensionen:
Die Welt als Vorstellung (Die Illusion): Was der Mensch im Alltag als geordnete Welt aus Objekten, Individuen, Raum, Zeit und Kausalität wahrnimmt, ist nach Schopenhauer nicht das Ding an sich, sondern lediglich eine subjektive Konstruktion unseres Intellekts. Der Schleier der Maya verdeckt die wahre Beschaffenheit der Existenz und lässt uns die Dinge in starrer Trennung und Vereinzelung (principium individuationis) erscheinen.
Der Wille als die wahre Realität: Hinter diesem Schleier verbirgt sich die eigentliche, metaphysische Wirklichkeit: der Wille. Dieser wird von Schopenhauer nicht als vernünftige Absicht, sondern als eine blinde, rastlose, fundamentale Drang- und Triebkraft beschrieben, die allem Leben zugrunde liegt.
Das Durchschauen des Schleiers: Solange der Mensch im Schleier der Maya befangen ist, verstrickt er sich in egoistisches Begehren und Leiden. Das Durchschauen oder Zerreißen dieses Schleiers geschieht in Momenten der ästhetischen Kontemplation (etwa beim Betrachten von Kunst oder Musik) oder vor allem durch ethische Einsicht (das Mitleid), in denen die Illusion der Trennung schwindet und die metaphysische Einheit allen Seins aufcheint (Tat tvam asi – „Dies bist du“).
Schopenhauer will die Welt durch die Verneinung des Willens überwinden, indem er den blinden, rastlosen Lebenswillen – die Wurzel allen Leidens – durch bewusste Selbsterkenntnis und Askese zum Erlöschen bringt.
Erkenntnis des Leidens: Durch tiefes Mitleid mit den Mitmenschen erkennt das Individuum, dass alles Leben leiden ist und dass alle Individuen im metaphysischen Willen eins sind.
Aufhebung des Begehrens: Da jedes Wollen aus Mangel entsteht und neues Leiden erzeugt, bricht die absichtslose Hingabe an die Kunst (ästhetische Kontemplation) oder die radikale Askese (Entsagung) den Drang des Begehrens.
Das Eingehen ins Nichts: Wenn der Wille vollständig zum Schweigen gebracht ist, verschwindet für dieses Subjekt auch die Welt als Objekt des Willens; es verbleibt ein Zustand der vollkommenen Willenlosigkeit und des Friedens, den Schopenhauer philosophisch als ein „Nichts“ beschreibt.




**Schopenhauer meinte mit dem „Schleier der Maya“ (auch Maja geschrieben) die große Illusion, die uns die wirkliche Natur der Welt verdeckt.**
Er übernahm den Begriff aus der indischen Philosophie (vor allem den Upanishaden und dem Vedanta), die er über frühe Übersetzungen kannte und sehr schätzte. In seinem Hauptwerk *Die Welt als Wille und Vorstellung* verwendet er ihn als zentrales Bild.
### Was der Schleier bedeutet
Der Schleier der Maya ist die Täuschung, durch die wir die Welt als Vielheit einzelner, voneinander getrennter Dinge und Wesen wahrnehmen – als Raum, Zeit und Kausalität. Schopenhauer nennt dieses Prinzip auch das **principium individuationis** (Prinzip der Individuation).
Was wir normalerweise für die Realität halten (die sichtbare Welt mit ihren vielen Individuen, Lust und Leid,…