"Spiele der Erwachsenen" - heute: Psychoanalyse triple-blind
- Martin Döhring

- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Stunden

„Spiele für Erwachsene“ - heute: Psychoanalyse triple-blind
Double-blind („blinde Kuh“) kennen viele... Aber dreifach verblindete Lehranalyse? Raffiniert... Nachdenken: Ödipus und sein Vater waren auch blind, als sie sich trafen – doch wer war der Dritte?
Ich berichte hier über meine Lehr- und Musteranalyse. Mein Analysevater war aus der DDR geflohen, Uni-dozent. Flotter kumpelhafter Typ, stets ne kesse Lippe. Der ist verstorben. Ziemlich blöd, weil ich jetzt keinen weltlichen Beichtvater mehr habe. Deshalb.
Deja-vu: Am Wochenende fiel meine Verblindung. Ich habe das Grab meiner Ahnen besucht. Auf dem Weg dorthin fiel mir ein Kfz auf, in dem mehrere Männer saßen. Im Nachhinein stelle ich fest, die wurden gar nicht als Männer geboren. Sind nachgereift.
An der Gruft traf ich die Lebensgefährtin („Lipstick“) meiner Tante („butch“). Die putzte dort ihren Grabstein. Ihren eigenen und den von ihrer Lebensgefährtin auch, die vor Jahren schon verstorben war. Die Gruft zeigt auch meinen Familiennamen an. Nur liegt da keiner von uns. Aber genug andere, das Dutzend ist schon lange voll. Ein männliches Wesen ist dort einzeln ausgewiesen. Der war im zweiten Weltkrieg im Generalstab in der Ukraine (für Szenekenner „Fremde Heere Ost“). Hatte mehr Kreuze als er tragen konnte... Bei unserem Grabstein dachte ich zuerst, da wären ein paar Einschusslöcher drin... war aber ne optische Täuschung.
Nun ja, Lipstick erzählt mir, wir seien ja eine „ulkige Familie“. Habe ich schon mal gehört. Von meinem Onkel, der nannte uns die „Familie Klimbim“, nach dieser herrlichen Fernsehserie mit Ingrid Steeger und Iris Berben, die ich als Kind immer so gerne mit meinem Vater geguckt hatte.
Ach ja... die „dreifache Verblindung“... Nun, mein Analysevater gab mir nach Sigmund Freud („Abriss der Psychoanalyse“) und Fritz Riemann („Grundformen der Angst“) einen ganz berühmten Menschen als Analysand. Wußten beide nicht. Ich auch nicht. (Dreifach Blind)
Inhalt: Persönlichkeitsstudie männliches Wesen, begabt, rational und hochintelligent. Schizoid. Zwanghaft. Gefühlskaltes Elternhaus. Alltag stets am Gefrierpunkt. Autoritär. Disziplin war alles. Konsequenz: Bindungs- und beziehungsunfähig. Lernt aber gerade deshalb die interessanten Frauen kennen und kann sich dies auch finanziell leisten... Aber warum hat er sie geheiratet? Und die ihn? (ich bin ganz schön hinterhältig, gell?) Andere nehmen bei der Mutter Heroin (Di-acetyl-Morphin) gegen den Schmerz. Im zweiten Weltkrieg war er Inhaber und Chef des größten Deutschen Rüstungsunternehmens. 1955 wurde er aus der Haft entlassen. Sein Leben wurde mehrfach verfilmt und meine Schule trägt seinen Familiennamen. Sein Sohn wurde durch einen ausschweifenden und opulenten Lebensstil bekannt. Ihre Namen und Aussagen fand ich vor 10 Jahren in den Polizei- und Gerichtsakten, als ich den Mordfall zum Nachteil der Rosemarie Nitribitt im Hessischen Staatsarchiv in Wiesbaden durchkämmte. Um ehrlich zu sein, fühlte ich mich bei der Nummer (der Analyseerstellung) stets maximal gefordert. Ich war erst 16 Jahre alt und hatte noch nicht so viel über Gefühle, Lust, Liebe, Beziehungen, Empfindungen undsoweiter geschrieben. Psychoanalytische Reifeprüfung (Maturität) ist bei den Stahlkochern, Grubenolmen, Panzerbauern und Zecheneseln noch mal so hart.
Fazit: Als meine Erkenntnis kann ich nur sagen: „Its only Rock'n'Roll but I like it...“. Ich wollte gestern noch meiner Frau diese Geschichte erzählen, aber nach den ersten Sätzen hat sie mir in die Eier getreten. Die will so etwas nicht hören. Drum erzähle ich halt hier, wie man wird, was man ist. Und wozu soll das alles gut sein? Weil alle Lust Ewigkeit will, tiefe, tiefe Ewigkeit. Lust ist tiefer noch als Herzeleid. Lust will, dass selbst die Gräber noch lachen!
Notabene: Im Haus meiner Eltern werde ich heute bei denen 3 Kreuze umdrehen, gemäß dem analytischen Imperativ „Tuet dies zu meinem Gedächtnis!“. Meine Mutter liebt das, denn es hebt die Stimmung. Und wenn es gut läuft, erzähle ich Euch morgen, wie man Giftschlangen provoziert, um ihnen den Speichel abzumelken, für die Gewinnung von Antidot (Vakzin).
copyright by martin döhring - all rights reserved




Kommentare