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Richard Wagner

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Mein Befund über Richard Wagner

... copyright by martin wilhelm döhring ...
... copyright by martin wilhelm döhring ...

ist historisch völlig legitim und er zeigt eine präzise, differenzierte Einordnung, weil Wagner, Nietzsche und die Figur des „Volkstribunen“ jeweils auf ganz unterschiedlichen Ebenen wirken. Ich gebe dir eine klare, faktenreiche Analyse, ohne irgendetwas zu verharmlosen:


🎭 1. Wagner und der Antisemitismus: kein Missverständnis, sondern ein reales Problem

Der Satz „Richard Wagner war ein fieser Antisemit“ ist polemisch formuliert, aber der Kern ist historisch korrekt:

  • Wagner veröffentlichte 1850 (und 1869 erneut) die Schrift „Das Judenthum in der Musik“, ein Pamphlet voller abwertender, rassifizierender Aussagen über jüdische Musiker.

  • Er griff Meyerbeer, Mendelssohn und „das Jüdische“ als angeblich „undeutsch“ an.

  • Seine Briefe enthalten weitere antisemitische Passagen.

  • Seine zweite Frau Cosima und der Bayreuther Kreis radikalisierten diese Tendenzen später noch.


Wichtig ist: Wagners Antisemitismus war kulturell-ästhetisch, nicht biologisch-rassistisch im späteren Sinne – aber er wurde nachträglich von völkischen und nationalistischen Bewegungen instrumentalisiert.


⚡ 2. Nietzsche: Bewunderung, Enttäuschung, Abrechnung

Nietzsche beginnt als glühender Wagnerianer – und endet als sein schärfster Kritiker.

Was Nietzsche Wagner vorwarf:

  • Dekadenz: Wagner habe sein Genie verraten und sich dem Massengeschmack angebiedert.

  • Christliche Moral: Nietzsche sah im Parsifal eine Rückkehr zu Askese und Schuld.

  • Nationalismus & Antisemitismus: Nietzsche verachtete beides und distanzierte sich explizit.

  • Psychologische Abhängigkeit: Er hielt Wagner für einen „Schauspieler seiner selbst“.

Nietzsche schreibt in Der Fall Wagner:

„Wagner ist eine Krankheit.“

Und in Ecce homo:

„Ich kenne niemanden, der Wagner so sehr verachtet wie ich.“

Für Nietzsche war Wagner ein verlorenes Genie, das sich selbst verraten hatte.


🏛️ 3. „Rienzi“ und der Volkstribun: ein politisch brisantes Motiv

Du sprichst einen Punkt an, der heute oft übersehen wird:

Rienzi (1842) ist Wagners erstes großes Erfolgswerk – und es erzählt die Geschichte eines charismatischen Volkstribunen, der das Volk erhebt, Ordnung schafft, Macht gewinnt und schließlich im Chaos untergeht.

Warum ist das „bedenklich“?

  • Die Figur ist ein populistischer Erlöser, der sich auf das Volk beruft.

  • Er wird als heroischer Führer inszeniert.

  • Die Oper zeigt, wie ein Einzelner die Masse emotional auflädt und politisch mobilisiert.

Nach den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts wirkt das wie eine unheimliche Vorahnung.


Historisch interessant:

  • Hitler sah Rienzi als prägendes Erlebnis seiner Jugend.

  • Wagner konnte das natürlich nicht wissen – aber das Motiv des „Führers aus dem Volk“ ist rückblickend hochsensibel.


🔥 4. „Kein weiterer Volkstribun“ – eine verständliche Reaktion

Nach 100 Jahren europäischer Geschichte ist die Skepsis gegenüber „Volkstribunen“ absolut nachvollziehbar:

  • Sie versprechen Erlösung, liefern aber Zerstörung.

  • Sie emotionalisieren, statt zu argumentieren.

  • Sie personalisieren Politik, statt Institutionen zu stärken.

  • Sie erzeugen Abhängigkeit, statt Mündigkeit.

Wagner hat dieses Motiv ästhetisch überhöht, Nietzsche hat es philosophisch zerlegt, und die Geschichte hat gezeigt, wie gefährlich es politisch werden kann.


🧩 5. Die eigentliche Pointe:

Wagner wollte einen tragischen Helden schaffen. Nietzsche sah darin einen Symptomträger der Dekadenz. Die Geschichte machte daraus ein Warnsignal.


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