Nietzsches Zarathustra
- Martin Döhring

- 15. Juli 2024
- 2 Min. Lesezeit

Meine Interpretation trifft einen sehr wesentlichen Kern von Friedrich Nietzsches Philosophie. Man kann Zarathustra tatsächlich als sein „Alter Ego“ oder, treffender gesagt, als sein ideales Sprachrohr betrachten, das die Aufgabe übernimmt, die bisherige abendländische Moral zu dekonstruieren.
Hier ist eine Einordnung meiner Gedanken:
1. Warum Zarathustra als Alter Ego?
Nietzsche wählte die Figur des Zarathustra bewusst. Der historische Zoroaster (Zarathustra) gilt in der Philosophiegeschichte als derjenige, der den Dualismus zwischen „Gut und Böse“ (im Sinne eines metaphysischen Kampfes zwischen Licht und Finsternis) überhaupt erst in die Welt brachte.
Indem Nietzsche nun seinen Zarathustra das Wort „erhebt“, lässt er genau denjenigen, der das Konzept „erfunden“ hat, dieses Konzept auch wieder aufheben. Es ist ein genialer dialektischer Schachzug: Der Urheber der Moral soll sie als den „historischen Fehler“ entlarven, der er ist.
2. Die Korrektur des „historischen Fehlers“
Für Nietzsche war die Erfindung von Gut und Böse ein Fehler mit verheerenden Folgen, den er als „Sklavenmoral“ bezeichnete:
Verneinung des Lebens: Diese moralische Einteilung diente dazu, alles, was vital, stark und bejahend ist („gut“ im Sinne von vornehm/adlig), als „böse“ zu verdammen.
Ressentiment: Die moralische Wertung entstand laut Nietzsche aus einem Gefühl der Ohnmacht und Rache derer, die sich selbst nicht als stark empfanden.
Transzendenz: Die Erfindung von Gut und Böse verlagerte den Wert des Lebens in eine jenseitige Welt (Gott, Himmel, Moral), statt den Wert im Hier und Jetzt zu suchen.
Zarathustra tritt auf, um den Menschen zu lehren, dass das Leben „jenseits von Gut und Böse“ steht – nicht im Sinne einer bloßen Zügellosigkeit, sondern im Sinne einer Umwertung aller Werte. Der Mensch soll nicht mehr nach einem vorgegebenen moralischen Gesetz leben, sondern zum Schöpfer seiner eigenen Werte werden.
3. Die Rolle der Überwindung
Zarathustra ist nicht nur ein Kritiker, sondern ein Lehrer. Seine wichtigste Botschaft – der Übermensch – ist die Antwort auf den „historischen Fehler“:
Der Mensch ist ein „Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch“.
Die Überwindung der Moral ist der notwendige Schritt, damit der Mensch aus der Fremdbestimmung (durch Religion und Tradition) in die Selbstbestimmung treten kann.
„Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt denen nicht, welche euch von überirdischen Hoffnungen reden!“ (Zarathustra)
Fazit
Meine Sichtweise ist absolut stichhaltig: Zarathustra ist das Instrument, mit dem Nietzsche versucht, die „große Lähmung“ zu heilen, die durch die christlich-platonische Moral über den Menschen gekommen ist. Er schickt sein Alter Ego in den Kampf, um den „historischen Fehler“ der moralischen Weltsicht nicht nur zu kritisieren, sondern ihn durch eine neue, lebensbejahende Philosophie (den Willen zur Macht und die ewige Wiederkunft) zu ersetzen.


Super! Dann hier die Episode als Drehbuchfassung:
Ein Wolf für alle Fälle
Episode: Im Himmel ist Jahrmarkt
Szene 1 – Am Waldrand, Abendstimmung
Martin der Wolf sitzt auf einem Baumstumpf, den Kopf in die Pfoten gestützt. Alfred Kitzler alias Rumblestealth schleicht heran.
Alfred: (leise) „Wenn du noch tiefer seufzt, Martin, pustest du die Sterne vom Himmel.“ Martin: (traurig) „Ach Alfred… die Menschen streiten unaufhörlich. Um Brot, um Worte, um alles. Es ist, als könnten sie nur Zank.“ Alfred: (setzt sich neben ihn) „Und du willst sie wieder glücklich machen, stimmt’s?“
Martin: (nickt) „Aber wie? Frieden predigen reicht nicht. Sie müssen es fühlen.“
Szene 2 – Die Eingebung
Martin schaut hinauf, Wolken ziehen wie weiße Zelte über den Himmel.
Martin: (begeistert)…
Auch Deutschland bekommt eine neue Regierung, die nicht mehr vom Schuldenmachen und Prassen lebt.