Jesus Christus: die vorgetäuschte Kreuzigung
- Martin Döhring

- 16. Juli 2019
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Apr.

TITEL: DAS EVANGELIUM NACH KLAUS
PERSONEN:
KLAUS (50er) – Ein hagerer Mann mit brennenden Augen und einem wilden Vollbart. Er trägt einen gestreiften Pyjama, darüber einen Bademantel, den er wie eine Toga drapiert hat.
SCHWESTER ELFRAUDE (40er) – Eine resolute, aber geduldige psychiatrische Pflegerin.
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INT. PSYCHIATRISCHE KLINIK - KLAUS' ZIMMER - TAG
Das Zimmer ist spartanisch, aber chaotisch. Überall liegen beschriebene Papierfetzen, Servietten und abgerissene Buchseiten. An der Wand hängt ein selbstgebasteltes Kreuz aus Plastiklöffeln.
KLAUS sitzt am kleinen Tisch. Er schreibt fieberhaft mit einem abgekauten Bleistiftstummel auf die Rückseite eines Therapie-Wochenplans. Seine Bewegungen sind fahrig, ekstatisch.
Er hält inne, starrt ins Leere. Ein Licht geht in seinen Augen auf. Ein Heureka-Moment.
KLAUS
(flüsternd, ehrfürchtig)
Nein... Das ist es nicht. Es war ganz anders. Die Wahrheit! Sie ist mir offenbart worden!
Er beginnt, noch schneller zu schreiben, bricht dabei fast den Bleistift.
TITEL-EINBLENDUNG: OSTERWOCHE. DIE WAHRHEIT KOMMT ANS LICHT.
Die Tür öffnet sich. SCHWESTER ELFRAUDE tritt ein, ein Tablett mit Medikamenten in der Hand.
ELFRAUDE
Morgen, Klaus. Zeit für die bunten Pillen. Und was macht das neue Opus? Schon bei der Offenbarung angekommen?
Klaus schaut nicht auf. Er winkt sie hastig weg.
KLAUS
Stör nicht, Weib! Der Geist spricht! Klaus, der letzte Apostel, empfängt die wahre Chronik!
Elfraude stellt das Tablett ab und verschränkt die Arme.
ELFRAUDE
Apostel Klaus, ja? Na dann, schieß los. Was hat der Geist heute zu vermelden? Hat Matthäus wieder abgeschrieben?
Klaus legt den Bleistift weg und faltet die Hände. Er sieht sie todernst an.
KLAUS
Es ist alles eine Lüge, Elfraude. Die ganze Ostergeschichte. Ein gigantischer PR-Schachzug der Zwölf. Eine Inszenierung!
ELFRAUDE
(zieht eine Augenbraue hoch)
Eine Inszenierung? Die Kreuzigung?
KLAUS
Genau das! Pass auf: Die Situation in Jerusalem war brenzlich. Total eskaliert. Warum? Weil Jesus die Geldverleiher aus dem Tempel geworfen hat! Tische umgestoßen, Tauben fliegen lassen – du kennst die Szene.
ELFRAUDE
Ja, die Tempelreinigung. Ein Klassiker.
KLAUS
(wird lauter, gestikuliert wild)
Exakt! Aber die Bankenlobby, Elfraude! Die jüdischen Hohepriester, die Römer – die waren stinksauer. Die wollten seinen Kopf. Sofort. Die Häscher waren überall. Die Jünger hatten Panik. Judas war nicht der Verräter, er war der Sündenbock!
ELFRAUDE
Aha. Und wie ging es weiter, Apostel Klaus?
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KLAUS
Sie brauchten einen Plan. Einen genialen Plan B. Und den hatten sie: Fake News. Totale Desinformation!
Klaus steht auf und beginnt, im Zimmer auf und ab zu gehen, wie ein Professor, der eine bahnbrechende Theorie erklärt.
KLAUS (FORTG.)
Überall in der Stadt, auf den Märkten, in den Gassen, verbreiteten die Jünger das Gerücht: „Jesus wird hingerichtet! Er wird anstelle von Barabbas gekreuzigt! Es ist vorbei!“ Sie weinten Krokodilstränen, zerrissen ihre Kleider. Eine Oscar-reife Performance!
ELFRAUDE
(schmunzelt leicht)
Und die Leute haben das geglaubt?
KLAUS
Natürlich! Die Römer waren froh, dass Ruhe war, die Priester dachten, er sei weg. Niemand hat genau hingeschaut am Hügel. Ein paar bezahlte Statisten, ein bisschen Theaterblut, eine dunkle Wolke zur rechten Zeit – zack, Auferstehung!
ELFRAUDE
Und wo war der echte Jesus währenddessen?
Klaus bleibt stehen und lächelt, ein sanftes, fast glückliches Lächeln. Er tritt ganz nah an Elfraude heran und flüstert.
KLAUS
Er hat sich abgesetzt. Mit ihr. Maria Magdalena. Seine große, wahre Liebe.
ELFRAUDE
(überrascht)
Maria Magdalena?
KLAUS
Ja! Endlich konnten sie heiraten. Ohne den ganzen Messias-Stress. Sie sind nach Süden gezogen, haben eine kleine Olivenfarm aufgemacht. Drei Kinder: Joseph, Sarah und den kleinen Thomas. Jesus war ein wunderbarer Vater, sagen die Quellen. Er hat Schränke gebaut und abends Geschichten erzählt. Ein langes, friedliches Leben.
Klaus seufzt tief, sichtlich erleichtert über diese Wendung der Geschichte.
KLAUS (FORTG.)
Ist das nicht viel schöner, Elfraude? Kein Kreuz, keine Dornenkrone. Nur Familie und Oliven. Die wahre frohe Botschaft!
ELFRAUDE
(schaut ihn einen Moment lang an, ihre Miene wird weich)
Ja, Klaus. Wenn man es so hört... das ist eine wirklich schöne Geschichte. Eine sehr friedliche Geschichte.
Sie nimmt ein Glas Wasser und reicht ihm die Tabletten.
ELFRAUDE (FORTG.)
Und jetzt, Apostel Klaus, damit du genug Kraft hast, das alles für die Nachwelt aufzuschreiben... nimm bitte deine Medizin. Jesus hätte das auch gewollt. Wegen der Vitamine.
Klaus zögert, schaut auf seine Zettel, dann auf die Pillen. Er nickt langsam.
KLAUS
Für die Chronik.
Er nimmt die Tabletten und schluckt sie mit einem großen Schluck Wasser hinunter.
Elfraude lächelt, nimmt das leere Glas und das Tablett.
ELFRAUDE
Guter Mann. Schreib schön weiter, Klaus. Ich bin gespannt auf das Kapitel über die Olivenente.
Sie verlässt das Zimmer. Die Tür fällt ins Schloss.
Klaus setzt sich wieder an den Tisch. Er nimmt den Bleistiftstubben auf. Sein Blick wird etwas glasiger, aber er beginnt wieder zu schreiben.
KLAUS
(murmelt, während er schreibt)
„...und sie lebten glücklich und zufrieden, bis an ihr seliges Ende. Amen.“
Die Kamera entfernt sich langsam von Klaus, während er weiterschreibt. Sein Schatten an der Wand, neben dem Plastiklöffel-Kreuz, sieht einen Moment lang aus wie der eines Mannes, der eine Familie segnet.
FADE OUT.



Warum die Bibel lügt
Es gibt keinen Gott, oder hat ihn schon mal jemand gesehen? Beweise für seine Wirkung oder Existenz? Fehlanzeige!
Die Bibel, also speziell das „Alte Testament“ und das „Neue Testament“ sind natürlich erfunden.
Mythendichtung, Märchen. Genau wie Homers Odyssee oder der Ilias.
Menschen haben sich das ausgedacht. Wie einen Roman.
Die Wissenschaft hat festgestellt, dass die Geschichte von Adam und Eva erfunden ist (1. Buch Mose Kapitel 2 bis 5).
Gleichzeitig wird damit die „Sünde“ erfunden. Richtet sich gegen Aufklärung und Mündigkeit. Um Sklaven zu züchten, die diese miese Lüge glauben.
Gottlosigkeit ist das Paradies und aus diesem kann man nicht vertrieben werden.