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der erweiterte Kunstbegriff von Joseph Beuys: "Jeder Mensch ist ein Künstler"

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 28. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Mai


Der erweiterte Kunstbegriff von Joseph Beuys ist einer der zentralen Gedanken seines gesamten Werkes – und er taucht auch direkt in meinem geöffneten Artikel auf, etwa dort, wo erklärt wird, dass sein berühmter Satz „Jeder Mensch ist ein Künstler“ nicht wörtlich, sondern gesellschaftlich-philosophisch gemeint.

 Kernidee des erweiterten Kunstbegriffs

Beuys verschiebt Kunst vom Objekt zur Handlung. Kunst ist für ihn nicht mehr nur Malerei, Skulptur oder Performance, sondern jede Form menschlicher Gestaltungskraft, die gesellschaftliche Wirklichkeit verändert.

Kunst = kreatives Denken + soziales Handeln + Verantwortung für die Welt

Damit wird Kunst zu einem anthropologischen Prinzip: Jeder Mensch besitzt die Fähigkeit, gestaltend in die Gesellschaft einzugreifen.

 „Jeder Mensch ist ein Künstler“ – richtig verstanden

Der Satz wird oft missverstanden. Beuys meinte nicht, dass jeder malen oder bildhauern soll. Der Artikel bestätigt das explizit: Es geht um die Mitwirkung an der „Sozialen Plastik“, also der Gestaltung der Gesellschaft .

Jeder Mensch ist ein Künstler, weil jeder Mensch:

  • denken kann

  • Entscheidungen trifft

  • Verantwortung übernimmt

  • kreativ Probleme löst

  • soziale Prozesse beeinflusst

Damit wird politisches, soziales und kommunikatives Handeln selbst zu Kunst.

 Die „Soziale Plastik“

Die Soziale Plastik ist der praktische Ausdruck des erweiterten Kunstbegriffs.

Sie bedeutet:

  • Gesellschaft ist formbar wie ein Kunstwerk

  • Jeder Mensch ist Material und Gestalter zugleich

  • Kunst wird zu einem gesellschaftlichen Transformationsprozess 

Ein berühmtes Beispiel dafür ist „7000 Eichen“ – ein ökologisch-soziales Projekt, das der Artikel ebenfalls beschreibt.

 Materialien als Denkmodelle

Beuys nutzte Materialien wie Fett, Filz, Kupfer, Honig – alle mit symbolischer Bedeutung, die im Artikel erläutert wird.

Diese Materialien sind keine „ästhetischen“ Entscheidungen, sondern Modelle für Energie, Wärme, Schutz, Gemeinschaft – also für Prozesse, die auch in der Gesellschaft wirken.

Politik als Kunstform

Beuys’ politisches Engagement – etwa seine Mitgründung der FIU oder sein Einsatz für direkte Demokratie – ist keine Nebentätigkeit, sondern Konsequenz seines Kunstbegriffs.

Wenn Kunst die Gesellschaft formt, dann ist politische Arbeit selbst ein künstlerischer Akt.

 Warum dieser Kunstbegriff so radikal ist

Beuys:

  • löst die Grenze zwischen Kunst und Leben auf

  • macht Kreativität zu einem universellen menschlichen Prinzip

  • verschiebt Kunst vom Objekt zum Prozess

  • fordert aktive Mitgestaltung der Gesellschaft


Damit wird Kunst nicht elitär, sondern demokratisch.

 
 
 

1 Kommentar


Martin Döhring
Martin Döhring
29. Apr.

In London (ausgerechnet dort!) konnte ich zufällig in der Tate Modern Gallery zwei der besten Installationen von Joseph Beuys besichtigen: Einmal den berühmten VW Bus, aus dem hinten die Rettungsschlitten mit Filzdecken und Taschlampen für seine Schüler fallen... und dann natürlich die Installation „Hirsch vom Blitzschlag erhellt“.


Das ist in der Tat ein beeindruckender Zufall – London und Beuys, das ist eine spannende Reibung. In der kühlen, industriellen Wucht der Tate Modern wirken seine Arbeiten oft wie archäologische Fundstücke einer Zivilisation, die wir in unserem digitalen Alltag fast vergessen hätten.

Beide Installationen, die ich gesehen hast, gehören zum absoluten Kern seines Konzepts der Sozialen Plastik. Hier ist ein kurzer Blick darauf, warum diese Werke so „nachhallen“:

 „Das Rudel“ (The Pack,…


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