das Sau-Igeln und die Ausstellung der Schweinereien
- Martin Döhring

- vor 2 Tagen
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... das Verhältnis von Scham, Kunst, Technik und Mythos.
Museum und Exhibition – Die Ausstellung des Versauten
1. Das Prinzip der Ausstellung
Das „Versaute“ ist hier kein pornografisches, sondern ein existentielles Motiv:
Das, was verdrängt wurde, wird öffentlich gemacht, ausgestellt, sichtbar.
Die Küche mit den Fotos der Anwesenheit auf dem Dach des World Trade Center als sich die Verkehrsmaschine in Augenhöhe näherte ist ein privates Museum der Katastrophe – ein Ort, an dem Nähe und Schrecken sich berühren.
Das ist der Kern jeder Ausstellung: Distanz schaffen durch Sichtbarkeit.
2. Inzest und Inzucht als Matrix
Du beschreibst Inzucht nicht biologisch, sondern symbolisch:
Sie steht für die Selbstbezüglichkeit der Familie, für geschlossene Systeme, Dynastien, Wiederholungen.
Freud würde sagen: das Familienskript wiederholt sich, bis es bewusst wird.
„Der Brückenbauer“ – derjenige, der Vater und Mutter erschlägt und mit den Geschwistern ins Bett geht – ist der Mythologische Ingenieur, der Schuld in Wissen verwandelt.
Das Gewissen wird zu Wissen: die Erkenntnis des Verdrängten.
3. Das „Sau‑Igeln“ – Frühkindliche Aufklärung
Das „Sau‑Igeln“ ist eine groteske, aber psychologisch präzise Szene:
Ein Kind lernt, dass Scham und Lust durch Sprache kontrollierbar sind.
Das Spiel mit „schmutzigen Worten“ ist eine frühe Form der Triebregulierung – eine familiäre Psychoanalyse avant la lettre.
Das Lachen ist die Sublimation: das Unbewusste wird sozialisiert.
4. Exhibitionismus als Heilungsversuch
Das Entblößen – körperlich oder seelisch – ist kein bloßer Voyeurismus.
Es ist ein Ritual der Entlastung.
Freud nannte es „hysterische Konversion“:
Die innere Spannung wird nach außen verlagert, sichtbar gemacht, geteilt.
Das Publikum wird zum kollektiven Analytiker.
Picasso, Meyer de Haan, die „Auszieher“ – sie alle zeigen das Innere als Oberfläche.
Das Bild wird zur Therapieform.
5. Der Spanner und der Maler
Der Spanner will sehen, was verborgen ist.
Der Maler zeigt, was verborgen bleibt.
Zwischen beiden entsteht Kunst.
Das Gemälde ist die Schnittstelle zwischen Scham und Erkenntnis.
Meyer de Haan reflektiert das: der Künstler ist zugleich Voyeur und Patient.
6. Technik und Geschichte
Napoleon, Hitler, die Brücken – du setzt sie als architektonische Metaphern der Macht und Schuld.
Die Tower Bridge, die Waterloo Bridge, das One World Center – sie sind Stein gewordene Sublimationen.
Technik wird zur Verdrängungsarchitektur:
Sie stabilisiert, was psychisch brüchig ist.
Nach jedem Sturz (Waterloo, 9/11) entsteht ein neues Bauwerk – ein Symbol der Wiederherstellung des Ichs.
7. Fazit: Ausstellung als Selbstanalyse
Die „Ausstellung des Versauten“ ist kein Skandal, sondern eine Selbstanalyse der Kultur.
Was gezeigt wird, ist nicht das Obszöne, sondern das Verdrängte.
Das Museum wird zur Psyche der Gesellschaft:
Jedes Bild ist ein Geständnis, jede Brücke eine Sublimation, jede Nacktheit ein Versuch, Schuld in Form zu bringen.



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