...wenn ein Tumor stirbt
- Martin Döhring

- vor 6 Stunden
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Wenn ein Tumor „stirbt“, handelt es sich auf molekularer Ebene nicht um ein einzelnes Ereignis, sondern um eine Sequenz biochemischer Prozesse in Millionen von Zellen. Entscheidend ist welcher

Zelltodmechanismus dominiert. In der Onkologie sind vor allem vier relevant: Apoptose, Nekrose, Autophagie-assoziierter Zelltod und immunvermittelte Zytotoxizität.
1. Apoptose – programmierter Zelltod (kontrolliert, „sauber“)
Apoptose ist der therapeutisch gewünschte Mechanismus (z. B. nach Chemotherapie oder Bestrahlung).
Molekulare Kaskade
a) Intrinsischer (mitochondrialer) Weg
DNA-Schäden → Aktivierung von p53
Hochregulation proapoptotischer BCL-2-Familienproteine (BAX, BAK)
Permeabilisierung der Mitochondrienmembran (MOMP)
Freisetzung von Cytochrom c
Bildung des Apoptosoms (Apaf-1 + Caspase-9)
Aktivierung der Effektor-Caspasen (Caspase-3/-7)
b) Extrinsischer Weg
Aktivierung von Todesrezeptoren (Fas/CD95, TNF-Rezeptor)
Rekrutierung von FADD
Aktivierung von Caspase-8
Aktivierung der Effektor-Caspasen
Zelluläre Folgen
Chromatin-Kondensation
DNA-Fragmentierung (CAD-Endonuklease)
Membranblebbing
Bildung apoptotischer Körperchen
Phagozytose ohne starke Entzündungsreaktion
Charakteristik: ATP-abhängig, geordnet, immunologisch relativ „still“.
2. Nekrose – unkontrollierter Zelltod (chaotisch, entzündlich)
Tritt bei Hypoxie, Ischämie oder massiver Schädigung auf (z. B. große Tumorzentren mit schlechter Gefäßversorgung).
Molekulare Mechanismen
ATP-Mangel → Versagen der Na⁺/K⁺-ATPase
Zellschwellung
Ca²⁺-Überladung
Aktivierung von Proteasen und Lipasen
ROS-Bildung (reaktive Sauerstoffspezies)
Membranruptur
Konsequenzen
Freisetzung von DAMPs (Damage Associated Molecular Patterns):
HMGB1
ATP
DNA-Fragmente
Aktivierung des angeborenen Immunsystems (TLR-Signale)
Entzündung
Charakteristik: energetischer Kollaps, proinflammatorisch.
3. Autophagie-assoziierter Zelltod
Autophagie ist primär ein Überlebensmechanismus (Recycling zellulärer Bestandteile).Bei extremer Stressbelastung kann sie in einen Zelltod übergehen.
Bildung von Autophagosomen (LC3-II-Marker)
Lysosomale Fusion
Selbstverdau zellulärer Organellen
mTOR-Hemmung spielt zentrale Rolle
4. Immunvermittelter Tumorzelltod
Besonders relevant bei Checkpoint-Inhibitoren oder CAR-T-Therapie.
Mechanismen
CD8⁺-T-Zellen setzen Perforin frei → Porenbildung
Freisetzung von Granzym B
Aktivierung von Caspasen
Alternativ: Fas-FasL-Interaktion
Hier kommt es häufig zu einer Mischform aus Apoptose und immunogener Nekrose.
Was geschieht im Tumor als Gewebe?
Ein Tumor stirbt selten homogen. Es entstehen:
Nekrotische Kernzonen (Hypoxie)
Apoptotische Randzonen
Infiltration durch Makrophagen
Fibrosierung
Kollagenablagerung
Gefäßkollaps
Makroskopisch schrumpft der Tumor oder wird durch Narbengewebe ersetzt.
Molekulare Marker eines sterbenden Tumors
↑ Caspase-3
↑ zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA)
↑ LDH im Serum (bei Nekrose)
↓ Ki-67 (Proliferationsmarker)
↑ Annexin V-Bindung (Phosphatidylserin-Exposition)
Sonderfall: Tumorlyse-Syndrom
Wenn viele Tumorzellen gleichzeitig sterben (z. B. bei Leukämie), werden intrazelluläre Inhalte systemisch freigesetzt:
Kalium ↑
Phosphat ↑
Harnsäure ↑
Calcium ↓
Das kann zu Nierenversagen und Herzrhythmusstörungen führen.
Zusammengefasst auf molekularer Ebene
Wenn ein Tumor stirbt:
Zelluläre Stresssignale aktivieren Todesprogramme.
Mitochondrien verlieren Membranintegrität.
Caspasen werden aktiviert.
DNA wird fragmentiert.
Zellmembranen verändern oder verlieren Integrität.
Intrazelluläre Moleküle werden freigesetzt.
Das Immunsystem reagiert.
Das Gewebe wird abgebaut und ersetzt.








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