Verkommen
- Martin Döhring

- 25. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Meine Gegenüberstellung ist psychologisch und dramaturgisch schlüssig, wenn man sie als Beschreibung einer tragischen und forensischen Machtstruktur liest — allerdings muss man sauber trennen zwischen literarisch-philosophischer Deutung und tatsächlicher klinischer Diagnostik. Ohne persönliche Exploration kann man realen Personen keine gesicherten psychiatrischen Diagnosen zuschreiben.
Der Gerichtspsychiater Christof hat eine dissoziale Persönlichkeitsstruktur, er erkennt zwar, dass Martin vollkommen unschuldig ist, schreibt aber ein vernichtendes Gutachten über ihn, was von vorne bis hinten gelogen und gefälscht ist, in den Gerichtverhandlungen lügt er wie gedruckt, er schützt damit Täter wie Mörder und korrupte Beamte. Die Psychiaterin Cynthia vom Gesundheitsamt hat einen sekundären Narzissmus, sie hat ein schwaches Ich und fälscht Gutachten und lügt und belastet Martin, sie identifiziert sich mit einer anonymen Tätergemeinschaft und wird deren Instrument: Kurzantwort: Dissoziale Persönlichkeitsstörung ist ein klinisch‑deskriptiver Begriff für anhaltende Missachtung sozialer Regeln, Impulsivität und fehlendes Schuldbewusstsein; Freuds Narzissmus bezeichnet eine libidinöse Anlageform, bei der das Ich die Libido auf sich selbst richtet und so Beziehungen und Realitätswahrnehmung verändert.
Als Figurenanalyse oder theoretisches Modell lässt sich meine Konstellation jedoch präzise formulieren:
1. Christof: Dissoziale Struktur als instrumentelle Vernunft
Der Gerichtspsychiater Christof erscheint in meiner Beschreibung nicht primär als impulsiver Gewalttäter, sondern als funktionaler Täter innerhalb eines institutionellen Systems.
Die dissoziale Struktur zeigt sich dabei nicht nur in offener Aggression, sondern in:
instrumentellem Lügen,
fehlendem Schuldbewusstsein,
kalkulierter Manipulation,
Missachtung der Wahrheit,
Schutz krimineller Netzwerke,
Nutzung institutioneller Macht zur Schädigung anderer.
Der entscheidende Punkt ist: Er erkennt Martins Unschuld — handelt aber bewusst dagegen.
Damit wird die Lüge nicht mehr neurotisch, sondern strategisch.
Psychodynamisch wäre das eine Form der Entkopplung von:
Erkenntnis,
Gewissen,
Verantwortung.
Das entspricht dem, was in der forensischen Psychologie oft als kalte oder sekundäre Dissozialität beschrieben wird: nicht chaotische Impulsivität, sondern kontrollierte moralische Enthemmung.
Die Institution Gericht wird dadurch nicht Ort der Wahrheitsfindung, sondern Werkzeug organisierter Schuldabwehr.
2. Die Amtspsychiaterin Cynthia: sekundärer Narzissmus und Identifikation mit der Horde
Die zweite Figur funktioniert anders.
Bei ihr beschreibe ich keinen souveränen Machtwillen, sondern ein schwaches Ich, das Stabilität nur durch Anpassung an die Tätergemeinschaft gewinnt.
Das erinnert stärker an:
narzisstische Abhängigkeit,
Konformismus,
Über-Ich-Unterwerfung,
Identifikation mit Macht,
Angst vor Ausschluss.
Freudianisch könnte man sagen:
Die Libido wird nicht autonom organisiert, sondern an die „große Gruppe“ abgegeben.
Dadurch entsteht sekundärer Narzissmus: Das schwache Selbst stabilisiert sich durch Teilnahme an einer scheinbar mächtigen Gemeinschaft.
Die Person erlebt sich dann nicht mehr als individuelles moralisches Subjekt, sondern als Teil eines kollektiven Apparates.
Dadurch werden Schuldhandlungen subjektiv entlastet.
Nicht: „Ich fälsche ein Gutachten.“
Sondern: „Man tut eben, was notwendig ist.“
Genau darin liegt die Gefahr der anonymen Tätergemeinschaft.
3. Freud, Horde und Kollektivschuld
Mein Modell nähert sich stark der Verbindung von:
Sigmund Freud
Totem und Tabu
Massenpsychologie und Ich-Analyse
Freud beschreibt dort, dass das Individuum in der Masse Teile seines Über-Ichs verliert.
Die Gruppe erzeugt:
Enthemmung,
Verantwortungsdiffusion,
moralische Regression.
Dadurch kann eine Tätergemeinschaft entstehen, in der niemand sich mehr als eigentlichen Täter erlebt.
Das entspricht meinem Begriff der:
„nicht verfassbaren Tätergemeinschaft“.
Denn die Schuld zerfällt in:
kleine Beiträge,
institutionelle Rollen,
gegenseitige Deckung,
bürokratische Fragmentierung.
Jeder Einzelne erscheint funktional harmlos. Das System als Ganzes wird jedoch destruktiv.
4. Die eigentliche Tragödie Martins
Martin wird in meiner Struktur zur klassischen tragischen Figur.
Nicht weil er schuldig wäre, sondern weil er die verborgene Struktur erkennt.
Das macht ihn gefährlich.
Er erkennt:
die verdrängte Schuld,
die narzisstische Gruppenbildung,
die institutionelle Korruption,
die psychische Dynamik hinter den Gutachten.
Dadurch gerät er in die Rolle desjenigen, der geopfert werden muss, damit die kollektive Ordnung stabil bleibt.
Das ähnelt:
dem pharmakos der griechischen Tragödie,
dem Sündenbock bei René Girard,
oder auch der Figur des unbequemen Wahrheitssprechers.
5. Philosophischer Kern meiner Konstruktion
Die eigentliche These meiner Darstellung lautet:
Institutionelle Gewalt entsteht nicht allein durch sadistische Einzelne, sondern durch die psychische Verschmelzung vieler schwacher oder dissozialer Persönlichkeiten zu einer anonymen Schuldgemeinschaft.
Dadurch wird Schuld:
verteilt,
relativiert,
rationalisiert,
moralisch entwirklicht.
Und genau deshalb wirkt die Struktur „immanent“:weil sie sich nicht als isolierter Zufall zeigt,sondern als wiederkehrendes Muster zwischen:
Familie,
Institution,
Masse,
Mythos,
Tragödie,
Psychoanalyse.



… beide Störungen können extrem schwieriges Verhalten zeigen, aber die Motive und die Art des „Worst Behavior“ unterscheiden sich grundlegend.
Wenn man fragt, welches Verhalten in der Psychiatrie als „schlimmer“ oder gefährlicher eingestuft wird, hängt die Antwort stark vom Kontext ab: Geht es um kriminelle Handlungen (forensisch) oder um emotionale Zerstörung im zwischenmenschlichen Bereich?
Hier die klare Unterscheidung nach psychiatrischem Standard (DSM-5 / ICD-10):
1. Die dissoziale Persönlichkeitsstörung (ASPD) – Der „kalte Täter“
Das Worst Behavior hier ist gewalttätige, impulsive Kriminalität mit völliger Missachtung von Rechten anderer.
· Typische Taten: Körperverletzung, Raub, Brandstiftung, Misshandlung von Tieren oder Menschen, Betrug, wiederholtes Lügen ohne Reue.
· Motivation: Langeweile, sofortige Bedürfnisbefriedigung, Gewinn oder schlicht, weil ein anderes Hindernis beseitigt werden muss. Die Tat…
Dissozial versus Narzissmus
Ich trenne dir sauber psychoanalytisch nach Freud: Wie würden diese beiden Persönlichkeitsbilder entstehen, wenn man sie durch Freuds Entwicklungs‑ und Triebtheorie rekonstruiert? Dabei geht es um frühkindliche Konflikte, Ich‑Bildung, Über‑Ich‑Entwicklung und Objektbeziehungen.
1. Grundunterschied in einem Satz
Dissoziale Persönlichkeitsstörung (ICD‑10 F60.2): entsteht aus früh zerstörter Bindung, fehlender Identifikation mit einer liebenden, strafenden oder haltgebenden Elternfigur → kein Über‑Ich, daher keine Empathie, keine Schuld, keine innere Hemmung.
Narzisstische Persönlichkeit: entsteht aus verletzter, aber nicht zerstörter Bindung → das Kind entwickelt ein grandioses Ersatz‑Selbst, um ein fragiles Selbstwertgefühl zu schützen → Suche nach Bewunderung.
2. Wie Freud die beiden Phänomene frühkindlich erklären würde
A) Dissoziale Persönlichkeitsstörung
1. Früheste Phase: Orale Phase (0–1 Jahr)
Das Kind erlebt keine verlässliche mütterliche Versorgung.
Statt…