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Verhalten als Manifestationen von Angst, Abwehr und Konflikt, die aus der frühen Ich-Entwicklung stammen (Persönlichkeitslehre)

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • vor 15 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Ich selbst gehöre einer Generation an mit Eltern, die bereits viele Erkenntnisse von Sigmund Freud in ihr Bewusstsein übernommen hatten. Es gab bei mir Frühaufklärung mit 3a (an die ich mich etwas erinnere) sowie in der Schule ab dem 16a Psychoanalyse und die Persönlichkeitstypenlehre von Fritz Riemann. Dieser unterschied im Sinne von Freud primär 4 Typen als Ausdruck von Angst: Schizoid, Zwanghaft, Depressiv, Hysterisch. Ein Blick nun in den ICD-10 International Cluster of Disease zeigt in der Achse F60 viel mehr Typen, die dieser anhand von Merkmalen etikettiert. Begonnen hatte ich bereits vorher mit der Diskussion von 2 Borderline Typen. Insgesamt war meine Vermutung, es kommen archaische Integrationen von Konflikten aus vorherigen Generationen zur Ausprägung (tiefere und ältere Bewusstseinsschichten).


  1. paranoid – hier Verdacht auf Kränkungen, vorwiegend Misstrauen, dazu unberechtigte Verdächtigungen

  2. schizoid: Fantasie, Einzelgängertum, Bindungsschwäche, mangelnde Empathie, Gefühlskälte

  3. dissozial: Keine Frustrationstoleranz, Aggressiv gegen Andere, Konflikt mit der Gesellschaft

  4. emotional instabile Persönlichkeit (Borderline Typ A und Typ b), Gefühl innerer Leere, Jähzorn oder Selbstverletzung

  5. Histrionik : Suggestabilität

  6. anankastisch Zwanghaft: Zwanghaft, Zweifel, Perfektionistisch

  7. ängstlich: Vorwiegend Bedenken und Sorge, keine Risikobereitschaft, Vermeidung

  8. abhängig asthenisch: Versagen, „andere sind schuld!“, Hilflosigkeit, Inkompetenz

  9. narzisstisch

  10. exzentrisch, unreif


… die Typen nach Freud erklärt:

Eine Brücke geschlagen zwischen Freud, Riemann und der modernen ICD-10-Typologie – also zwischen psychodynamischer Tiefenstruktur und klinischer Klassifikation. Freud würde diese Typen nicht als „Etiketten“ sehen, sondern als Manifestationen von Angst, Abwehr und Konflikt, die aus der frühen Ich-Entwicklung stammen. Ich ordne dir die zehn Typen jetzt freudianisch, also nach Trieb-, Ich- und Über-Ich-Dynamik:

 1. Paranoider Typ

  • Freudianisch: Projektion als Abwehrmechanismus.

  • Das Ich schützt sich vor innerer Aggression, indem es sie nach außen verlegt: „Nicht ich bin böse – die anderen sind gegen mich.“

  • Ursprung: frühe narzisstische Kränkung, Verlust von Urvertrauen.

  • Angstform: Angst vor Entwertung und Kontrollverlust.

 2. Schizoider Typ

  • Freudianisch: Rückzug der Libido von der Außenwelt.

  • Das Ich zieht sich in die Fantasie zurück, um sich vor Bindung und Verletzung zu schützen.

  • Der Körper bleibt kühl, die Seele lebt in Ideen.

  • Angstform: Angst vor Nähe und Verschmelzung.

  • Abwehr: Isolation, Intellektualisierung.

 3. Dissozialer Typ

  • Freudianisch: Dominanz des Es, Schwäche des Über-Ichs.

  • Triebhafte Impulse werden nicht durch Schuld oder Gewissen reguliert.

  • Das Über-Ich ist entweder nie ausgebildet oder wird aktiv bekämpft.

  • Angstform: Angst vor Unterwerfung, Ohnmacht.

  • Abwehr: Entwertung, Aggression, Projektion.

⚖️ 4. Emotional instabil (Borderline A/B)

  • Freudianisch: Spaltung als primäre Abwehr.

  • Das Ich kann Ambivalenz nicht halten – Liebe und Hass wechseln abrupt.

  • Das Über-Ich ist fragmentiert, das Es überflutet das Ich.

  • Angstform: Angst vor Verlassenwerden und Identitätsverlust.

  • Abwehr: Spaltung, projektive Identifikation.

 5. Histrionischer Typ

  • Freudianisch: Verdrängung und Konversion.

  • Das Ich inszeniert Gefühle, um innere Leere zu kompensieren.

  • Die Sexualität wird zur Bühne des Begehrt-Werden-Wollens.

  • Angstform: Angst vor Nicht-Beachtung.

  • Abwehr: Verdrängung, Regression, Suggestibilität.

 6. Ängstlich-vermeidender Typ

  • Freudianisch: Über-Ich-Dominanz mit starker Schuld- und Versagensangst.

  • Das Ich ist übermäßig kontrolliert, das Es wird als Bedrohung erlebt.

  • Angstform: Angst vor Ablehnung und Fehlern.

  • Abwehr: Vermeidung, Rationalisierung, Unterwerfung.

 7. Abhängig-asthenischer Typ

  • Freudianisch: Fixierung auf das frühkindliche Objekt.

  • Das Ich bleibt in der oralen Phase hängen – Bedürfnis nach Versorgung, Angst vor Selbstständigkeit.

  • Angstform: Angst vor Autonomie.

  • Abwehr: Regression, Identifikation mit dem Helfer.

 8. Narzisstischer Typ

  • Freudianisch: Fixierung auf das Ich-Ideal.

  • Das Ich ist grandios überhöht, um innere Minderwertigkeit zu kompensieren.

  • Das Über-Ich ist schwach, das Es wird ästhetisiert.

  • Angstform: Angst vor Entwertung und Scham.

  • Abwehr: Idealisierung, Entwertung, Spaltung.

 9. Exzentrisch-unreifer Typ

  • Freudianisch: Fixierung auf prägenitale Phasen.

  • Das Ich bleibt kindlich, das Über-Ich ist spielerisch oder unentwickelt.

  • Angstform: Angst vor Verantwortung und Realität.

  • Abwehr: Phantasie, Verleugnung, Regression.

10. Typ Zwanghaft anankastisch (ICD-10 F60.5): hier vermutete Freud eine zu frühe und zu strenge Reinlichkeitserziehung in der analen Phase zwischen oral und ödipal.

 Freuds Gesamtblick

Freud hätte gesagt:

„Diese Typen sind keine Krankheiten, sondern Ausdruck der Art, wie das Ich mit Angst umgeht.“

Jeder Typ ist eine Antwort auf frühe Konflikte zwischen Trieb, Realität und Moral. Die ICD-10 benennt die Oberfläche – Freud beschreibt die Tiefenstruktur.

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