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die Umwandlung und Übersetzung von Geist in Fleisch (Konversion, Psychosomatik)

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • vor 15 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

... Die linke Seite stellt die symbolische Symptomatik der Hysterie (z. B. Blindheit) dar, während die rechte Seite die direkte Einwirkung auf die Organe, die sogenannten "Holy Seven", über das vegetative Nervensystem illustriert. Auch die Verzweigung des Affekts in die drei Wege (Neurose, Konversion, Psychosomatik) wurde konzeptionell korrekt wiedergegeben. ...
... Die linke Seite stellt die symbolische Symptomatik der Hysterie (z. B. Blindheit) dar, während die rechte Seite die direkte Einwirkung auf die Organe, die sogenannten "Holy Seven", über das vegetative Nervensystem illustriert. Auch die Verzweigung des Affekts in die drei Wege (Neurose, Konversion, Psychosomatik) wurde konzeptionell korrekt wiedergegeben. ...

Meine Darstellung der freudschen Konversion: Der interessante Schritt ist nun die Frage, wie sich daraus die spätere klassische Psychosomatik entwickelt hat, insbesondere die berühmten sogenannten "Holy Seven" der psychosomatischen Medizin nach Franz Alexander.

Hier muss man jedoch eine wichtige theoretische Trennung beachten:

  • Freudsche Konversion → funktionelles Symptom ohne organische Gewebsschädigung.

  • Klassische Psychosomatik → psychische Konflikte wirken langfristig auf autonome Körperfunktionen ein und können reale Organerkrankungen begünstigen.

Die Angst als Ausgangspunkt

Im späten Freud entsteht die Angst nicht mehr primär durch verdrängte Libido, sondern das Ich produziert Angst als Warnsignal.

Vereinfacht:

Triebwunsch → Konflikt → Angst → Abwehr

Wenn die Abwehr gelingt:

  • Verdrängung

  • Reaktionsbildung

  • Rationalisierung

  • Sublimierung

usw.

Wenn die Abwehr scheitert oder chronisch überlastet wird, entstehen Symptome.

Zwei mögliche Wege

Weg 1: Die hysterische Konversion

Der Konflikt wird symbolisiert.

Beispiel:

"Ich darf ihn nicht schlagen."

Unbewusste Lösung:

Der Arm wird gelähmt.

Der Körper erzählt die Konfliktgeschichte symbolisch.

Es entsteht:

  • Lähmung

  • Blindheit

  • Aphonie

  • Krampf

ohne organische Läsion.

Weg 2: Die psychosomatische Organneurose

Hier wird der Konflikt nicht symbolisiert.

Stattdessen entsteht eine Daueraktivierung vegetativer Systeme.

Die psychische Spannung wird gewissermaßen direkt in physiologische Regulation übersetzt.

Beispielsweise:

  • Sympathikus

  • Parasympathikus

  • Hormonachsen

  • Immunreaktionen

werden chronisch beeinflusst.

Die Holy Seven

Alexander beschrieb sieben Erkrankungen, die er besonders mit unbewussten Konflikten verknüpfte:

  1. Asthma bronchiale

  2. Essentielle Hypertonie

  3. Magenulkus

  4. Colitis ulcerosa

  5. Neurodermitis

  6. Hyperthyreose

  7. Rheumatoide Arthritis

Heute gelten diese spezifischen Zuordnungen als wissenschaftlich nicht bestätigt, historisch sind sie aber für das Verständnis der klassischen Psychosomatik bedeutsam.

Der Unterschied zur Hysterie

Freud:

Konflikt → Symbol

Alexander:

Konflikt → Organ

Das ist der entscheidende Unterschied.

Bei der Konversion spricht der Körper metaphorisch.

Bei der Psychosomatik reagiert das Organ physiologisch.

Beispiel: Asthma

Die klassische psychosomatische Deutung lautete:

Das Kind erlebt Ambivalenz:

  • Wunsch nach Nähe zur Mutter

  • Angst vor Abhängigkeit

Der Konflikt wird nicht bewusst erlebt.

Die chronische vegetative Spannung manifestiert sich symbolnah in der Atmung:

Einatmen = Nähe zulassen
Ausatmen = Trennung

Der Asthmaanfall erscheint dann als körperliche Inszenierung eines Bindungskonflikts.

Moderne Medizin sieht Asthma natürlich primär als entzündliche Atemwegserkrankung, nicht als Folge eines einzelnen psychischen Konflikts.

Beispiel: Magengeschwür

Die klassische Theorie:

Aggression und Abhängigkeit werden verdrängt.

Der Betroffene:

  • schluckt Ärger herunter,

  • äußert keinen Protest,

  • bleibt angepasst.

Die Konfliktenergie wird auf das Verdauungssystem verschoben.

Der Magen „verdaut“, was psychisch nicht verarbeitet werden kann.

Heute weiß man zusätzlich um Faktoren wie Helicobacter-pylori-Infektion und Medikamente, weshalb die alte psychosomatische Monokausalität verlassen wurde.

Freuds ökonomisches Modell

Aus freudianischer Sicht könnte man den gesamten Prozess so skizzieren:

  1. Triebimpuls entsteht.

  2. Über-Ich verbietet.

  3. Angstsignal entsteht.

  4. Verdrängung erfolgt.

  5. Affekt bleibt bestehen.

  6. Affekt sucht Entladung.

Dann ergeben sich drei Möglichkeiten:

Neurose

Affekt bleibt psychisch.

→ Phobie→ Zwang→ Angstneurose

Konversion

Affekt wird symbolisch körperlich.

→ hysterisches Symptom

Psychosomatik

Affekt wird vegetativ-organisch verarbeitet.

→ Organreaktion

Die psychoanalytische Tiefenidee

Der eigentliche Kern der klassischen Psychosomatik lautet:

Der Körper wird zum Austragungsort eines Konflikts, den die Psyche nicht symbolisieren kann.

Während der Hysteriker den Konflikt noch in einer "Sprache des Körpers" ausdrückt, verliert sich bei der psychosomatischen Erkrankung die Symbolik zunehmend.

Der Konflikt wird nicht mehr erzählt.

Er wird physiologisch gelebt.

Deshalb betrachteten viele Analytiker die psychosomatischen Erkrankungen als eine Art Grenzbereich zwischen Psyche und Soma, an dem die psychische Verarbeitung versagt und der Organismus die Last des ungelösten Konflikts mittragen muss.

Aus heutiger Sicht werden die "Holy Seven" nicht mehr als direkte Folgen spezifischer unbewusster Konflikte verstanden. Die moderne Forschung bestätigt jedoch, dass chronischer Stress, Bindungserfahrungen, Affektregulation und traumatische Belastungen über Nerven-, Hormon- und Immunsystem erheblichen Einfluss auf körperliche Erkrankungen haben können. Die psychoanalytische Intuition, dass ungelöste seelische Konflikte körperliche Folgen haben können, bleibt daher historisch und klinisch einflussreich, auch wenn die konkreten freudschen und alexanderschen Modelle heute differenzierter betrachtet werden. Der Autor Bräutigam sieht die Alexithymie, die Unfähigkeit Gefühle zu verbalisieren, als Grundlage aller psychosomatischen Erkrankungen.

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