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Der Wald macht das Klima

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 10. Juni 2020
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Juli


1. Wälder beeinflussen das Klima auf mehreren Ebenen.

Das ist unstrittig. Sie wirken durch:

  • Verdunstung (Evapotranspiration), die Luftfeuchtigkeit erhöht und zur Wolken- und Niederschlagsbildung beitragen kann.

  • Beschattung und Verdunstungskühlung, wodurch Wälder lokal und regional oft mehrere Grad kühler sind als offene Flächen.

  • Speicherung von Kohlenstoff in Holz, Wurzeln und Waldböden.

  • Veränderung von Wind, Luftfeuchtigkeit und Energiebilanz der Landschaft.

Zur "biotischen Pumpe"

Hier ist Vorsicht angebracht.

Die sogenannte Biotic Pump Theory, die besagt, dass große Wälder Niederschläge über weite Entfernungen aktiv "ansaugen", ist wissenschaftlich umstritten. Es gibt Hinweise, dass ausgedehnte Wälder den Wasserkreislauf stark beeinflussen, insbesondere in Regionen wie dem Amazonas. Der genaue Mechanismus und seine Stärke sind jedoch Gegenstand aktueller Forschung.

Die vorsichtigere Formulierung lautet deshalb:

Große Wälder fördern durch starke Verdunstung und Rückkopplungen im Wasserkreislauf die Bildung von Wolken und können regionale Niederschlagsmuster beeinflussen.

Diese Aussage ist breit akzeptiert.

Alte Wälder und CO₂

Auch hier lohnt eine Differenzierung.

Alte Naturwälder

  • speichern sehr große Kohlenstoffvorräte,

  • sind häufig weiterhin Kohlenstoffsenken,

  • sind klimatisch stabiler,

  • beherbergen deutlich mehr Biodiversität.

Junge Wälder

  • nehmen pro Jahr oft schneller CO₂ auf,

  • besitzen aber insgesamt wesentlich kleinere Kohlenstoffspeicher.

Deshalb gilt:

Für den Klimaschutz sind sowohl der Erhalt alter Wälder als auch die Entwicklung neuer klimaresilienter Wälder wichtig.

"Es wird zu viel Holz geschlagen"

Diese Aussage ist nicht pauschal für ganz Deutschland belegbar.

Die Situation unterscheidet sich regional stark:

  • In den Dürrejahren seit 2018 fiel außergewöhnlich viel sogenanntes Schadholz durch Sturm, Trockenheit und Borkenkäfer an.

  • Dadurch stiegen die Holzeinschläge zeitweise erheblich.

  • Ein großer Teil dieses Holzes wurde jedoch nicht aus wirtschaftlichen Gründen gefällt, sondern weil abgestorbene oder befallene Bestände geräumt werden mussten.

Gleichzeitig gibt es eine intensive Debatte darüber,

  • wie viel Holz nachhaltig genutzt werden sollte,

  • wie viel Wald sich natürlich entwickeln sollte,

  • welcher Anteil dauerhaft aus der Nutzung genommen werden sollte.

Monokulturen

Hier besteht weitgehender Konsens.

Große Reinbestände aus

  • Fichte,

  • Kiefer

sind vielerorts gegenüber

  • Hitze,

  • Trockenheit,

  • Borkenkäfern,

  • Stürmen

deutlich anfälliger als strukturreiche Mischwälder.

Dauerwald

Viele Forstwissenschaftler sehen Vorteile in naturnahen Dauerwäldern:

  • verschiedene Altersstufen,

  • kontinuierliche Walddeckung,

  • natürliche Verjüngung,

  • bessere Bodenfeuchte,

  • höhere Stabilität gegenüber Extremereignissen.

Allerdings eignen sich nicht alle Standorte gleichermaßen für jede Bewirtschaftungsform.

Synthese

Eine ausgewogene Zusammenfassung könnte lauten:

Wälder sind nicht nur vom Klimawandel betroffen, sondern beeinflussen das Klima selbst. Sie kühlen ihre Umgebung, regulieren den Wasserhaushalt und speichern große Mengen Kohlenstoff. Für Deutschland gilt als forstwissenschaftlicher Konsens, dass artenreiche, strukturreiche und standortgerechte Mischwälder gegenüber den erwarteten Klimaänderungen widerstandsfähiger sind als großflächige Monokulturen. Gleichzeitig ist der Erhalt alter Wälder wichtig, weil sie große Kohlenstoffspeicher, Biodiversitäts-Hotspots und stabile Ökosysteme darstellen. Die optimale Balance zwischen Holznutzung, Waldschutz und natürlicher Waldentwicklung bleibt jedoch Gegenstand wissenschaftlicher und politischer Diskussionen. Dem deutschen Wald geht es nicht besonders gut. Die letzten Jahre waren vor allem durch Trockenheit gekennzeichnet. Bereits vorher waren schon erhebliche Schäden durch Windbruch und Borkenkäfer zu verzeichnen.

Neuartige Waldschäden werden durch Immissionen verursacht.

Schwefelwasserstoffe SO2 und Stickstoffoxide NOx , entstehen beim Verbrennen fossiler Brennstoffe. Diese oxidieren in der Atmosphäre zu Schwefel(H2SO4)- und Salpetersäure (HNO3), diese lösen sich in Regenteilchen in H+ Ionen (Brönstedt-Säuren).

Nadel- und Blätter werden geschädigt und ihre Wachsschicht zerstört (Harz).

Die Bodenversauerung zieht Schäden im Feinwurzelbereich und so eine Störung der Nahrungsaufnahme nach sich.

Zurecht gilt der Wald als ein einzigartiges Ökosystem. Man geht davon aus, dass Wälder die wichtigste klimastabilisierende Funktion auf diesem Planeten ausüben.

Bäume nehmen tagsüber Kohlendioxid auf und geben nachts Sauerstoff ab.

Bäume werden bekanntlich in Nadel- und Laubbäume unterschieden. Nachts geben sie Sauerstoff ab, deshalb wird der Wald auch als grüne Lunge bezeichnet.

Schälschäden durch Wild können Insektenbefall und Pilzbefall bei Bäumen verursachen. Das Holz wird dadurch entwertet. Außerdem begünstigen Schälschäden das Eindringen von Fäule.

Vor 100 Jahren gab es weniger Schälschäden durch Rotwild, weil dieses früher eher in offenen, prärie-ähnlichen Landschaften lebte und dort ungestört Gräser abweiden konnte. Rotwild ist ein Rauhfutterfresser. Nun wurde dieses Wild zurück gedrängt in den Wald und ist gezwungen Rauhfutter in Form von Rinde aufzunehmen.

RLP hat eine Waldquote von 42,3%, dazu Grünflächen 41% und Siedlungsgebiete 17%.

Bundesweit liegt die Waldquote über 30%.

Eine Aufforstung, am besten global, ist zu begrüßen. Der Wald, Bäume, gelten als wichtigster Klima stabilisierender Faktor. Das Klima selbst wird maßgeblich durch die Oberflächenaktivität der Sonne bestimmt, und kann somit kaum vom Menschen beeinflusst werden.

1 Kommentar


Martin Döhring
Martin Döhring
11. Juli

🌲 Was der Förster Wohlleben meint: „Wald macht das Klima“

Das ist wissenschaftlich korrekt, aber oft missverstanden. Wälder wirken auf das Klima über drei Hauptmechanismen:

1. Wasserhaushalt & Wolkenbildung

Wälder verdunsten Wasser → dieses steigt auf → bildet Wolken → erzeugt Niederschlag. Das nennt man biotische Pumpe. Ohne Wald trocknen ganze Regionen aus.

2. Temperaturregulation

Waldflächen sind kühler, weil sie Wasser verdunsten und Sonnenlicht absorbieren. Sie erzeugen lokale und regionale Kühlzonen.

3. Kohlenstoffspeicherung

Wälder binden CO₂ – aber nur alte, intakte Wälder tun das stabil. Junge Aufforstungen speichern weniger und sind anfälliger.

🇩🇪 „Der deutsche Wald ist gut – aber es wird zu viel frisches Holz geschlagen“

Das deckt sich mit den Problemen, die du im geöffneten Tab siehst: Trockenheit, Borkenkäfer,…


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