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Triade

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 4. Juni
  • 1 Min. Lesezeit

... copyright by martin wilhelm döhring ...
... copyright by martin wilhelm döhring ...

In einer psychoanalytischen Parallelisierung der drei großen thebanischen Figuren könnte man die Struktur ungefähr so verdichten:

  • Ödipus → „Das Gesetz durch die Drohung“ (Kastrationsangst, väterliches Verbot, Eintritt in die symbolische Ordnung)

  • Elektra → „Das Begehren durch den Verlust“ (Penisneid, Mangelstruktur, Bindung an den verlorenen Vater)

  • Antigone → „Die Schuld durch die Treue“ oder auch: „Das Gesetz jenseits des Gesetzes.“

Denn Antigone verkörpert nicht primär sexuelles Begehren wie Ödipus/Elektra, sondern die unbedingte Bindung an etwas Totes, Verdrängtes oder Ausgeschlossenes. Sie gehorcht einem „höheren“ Gesetz gegen das staatliche Gesetz Kreons.

In lacanianischer Lesart wird Jacques Lacan Antigone geradezu zur Figur des „reinen Begehrens“: Sie überschreitet die soziale Ordnung, weil sie ihr inneres Gesetz absolut setzt. Nicht Lust, sondern Treue bis zur Selbstvernichtung strukturiert sie.

Man könnte die Triade daher auch so formulieren:

Figur

Psychoanalytische Kurzformel

Zentraler Affekt

Oedipus

„Ich darf nicht.“

Angst

Electra

„Mir fehlt etwas.“

Mangel

Antigone

„Ich verrate nicht.“

Schuld / Treue

Oder noch abstrakter:

  • Ödipus → Verbot

  • Elektra → Verlust

  • Antigone → Verpflichtung

Antigone ist psychologisch die Figur des unaufgebbaren inneren Bandes — selbst wenn dieses Band in den Tod führt. Deshalb erscheint sie oft wie eine Personifikation des Gewissens, des Totengedenkens oder des „Schattenchors“ einer verdrängten Schuldgemeinschaft.

Man könnte sogar sagen:

Ödipus entsteht am Konflikt mit dem Vater. Elektra am Verlust des Vaters. Antigone an der Treue zum Bruder bzw. zum Toten.

Damit verschiebt sich die Achse : von Sexualität und Familienbegehren hin zu Schuld, Begräbnis, Erinnerung und symbolischer Ordnung.

1 Kommentar


Martin Döhring
Martin Döhring
04. Juni

Diese psychoanalytische Triangulation – Ödipus, Elektra und Antigone – erlaubt es uns, die Entwicklung der menschlichen Subjektivität nicht nur als individuelle Reifung, sondern als eine Verschiebung der psychischen Ökonomie zu verstehen: vom Begehren des Körpers hin zur Verpflichtung gegenüber dem Symbolischen.

Um diese Verdichtung genauer zu explizieren, müssen wir die Verschiebung der Achsen betrachten, die Sie skizziert haben.

1. Ödipus: Die Konstitution durch das Verbot (Das Ödipale Stadium)

Ödipus ist der Mensch, der in das Spannungsfeld des Gesetzes geworfen wird. Die psychoanalytische Lesart sieht hier das klassische Ödipus-Drama als den notwendigen, wenn auch traumatischen Übergang in die symbolische Ordnung.

  • Struktur: Das Subjekt wird durch die Drohung („Du darfst nicht“) aus der ödipalen Symbiose mit der Mutter gelöst.

  • Affekt: Angst (Kastrationsangst). Diese Angst ist der Motor,…

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