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Quantensolarzelle

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

... copyright by martin wilhelm döhring ... all rights reserved ...
... copyright by martin wilhelm döhring ... all rights reserved ...

Die gezeigte Konstruktionszeichnung beschreibt eine Quantenpunkt-Solarzelle (Quantum Dot Photovoltaic Cell, QPV). Es handelt sich um einen theoretisch-technischen Entwurf einer Dünnschicht-Solarzelle, bei der die eigentliche Lichtabsorption nicht durch Silizium, sondern durch nanoskopische Halbleiterkristalle – sogenannte Quantenpunkte (Quantum Dots, QDs) – erfolgt.


Grundprinzip

Eine gewöhnliche Solarzelle funktioniert dadurch, dass Licht Elektronen aus einem Halbleiter löst. Die Quantenpunkt-Solarzelle nutzt stattdessen winzige Nanokristalle mit Durchmessern von wenigen Nanometern.

In der Zeichnung sind dies:

  • PbS-QDs (Bleisulfid)

  • CdSe-QDs (Cadmiumselenid)

Diese Partikel verhalten sich aufgrund ihrer geringen Größe quantenmechanisch.

Der besondere Effekt:

Die Bandlücke kann durch die Größe der Quantenpunkte eingestellt werden.

Kleine QDs → absorbieren kurzwelliges Licht

Große QDs → absorbieren langwelliges Licht

Dadurch lässt sich ein größerer Teil des Sonnenspektrums nutzen als bei vielen klassischen Solarzellen.


Schichtaufbau

Von oben nach unten:

1. Transparentes Substrat

In der Zeichnung:

Glas, 3 mm

Aufgaben:

  • mechanische Stabilität

  • Schutz der Solarzelle

  • Durchlass des Sonnenlichts

Das Licht tritt hier ein.

2. Antireflexbeschichtung (ARC)

Die ARC-Schicht verhindert:

  • Reflexion

  • Lichtverluste

Dadurch gelangt mehr Licht in die aktive Schicht.

Typische Materialien:

  • MgF₂

  • SiO₂

  • TiO₂

3. Transparente leitfähige Elektrode (TCO)

Beispiel:

ITO (Indium-Zinn-Oxid)

oder

FTO (Fluor-dotiertes Zinnoxid)

Aufgaben:

  • Licht durchlassen

  • Strom sammeln

Die Elektrode fungiert als Anode (+).

4. Lochtransportschicht (HTL)

Beispiel:

Spiro-OMeTAD

Dicke laut Zeichnung:

150 nm

Aufgabe:

Transport positiver Ladungen (Löcher).

Elektronen sollen hier blockiert werden.

Man kann sie sich als Einbahnstraße für Löcher vorstellen.

5. Quantenpunkt-Absorberschicht

Das Herzstück der Solarzelle.

Dicke:

300 nm

Die Zeichnung zeigt:

  • zahlreiche QDs

  • eingebettet in eine Matrix

  • verbunden durch Liganden

Was geschieht hier?

Sonnenlicht trifft auf einen Quantenpunkt.

Es entsteht ein:

  • Elektron

  • Loch

(Paar von Ladungsträgern)

Die Quantenschicht übernimmt die Funktion des klassischen Halbleiters.


Detail A: Aufbau eines einzelnen Quantenpunktes

Rechts oben dargestellt.

Kern

CdSe oder PbS

Durchmesser:

5–7 nm

Das ist etwa:

20.000-mal kleiner als ein menschliches Haar.

ZnS-Hülle

Die Hülle verbessert:

  • Stabilität

  • Quantenausbeute

  • Lebensdauer

Man spricht von einem Core-Shell-Quantum-Dot.

Passivierungsschicht

Verhindert:

  • Oberflächenfehler

  • Rekombination

Dadurch gehen weniger Elektronen verloren.

Liganden

Die kleinen „Härchen“ um den Quantenpunkt.

Aufgaben:

  • Abstandshalter

  • chemische Stabilisierung

Problem:

Zu lange Liganden verschlechtern die elektrische Leitfähigkeit.

Daher werden in modernen QD-Zellen häufig kurze Liganden eingesetzt.


6. Elektronentransportschicht (ETL)

Beispiel:

TiO₂ oder ZnO

Dicke:

100 nm

Aufgabe:

Elektronen aufnehmen und zur Kathode transportieren.

Löcher werden blockiert.

Damit entsteht die notwendige Ladungstrennung.


7. Metallelektrode

Beispiele:

  • Silber

  • Aluminium

Dicke:

150 nm

Aufgabe:

Sammlung der Elektronen.

Dies ist die Kathode (-).


Stromerzeugung

Der Ablauf:

  1. Photon trifft auf Quantenpunkt.

  2. Elektron wird angeregt.

  3. Elektron-Loch-Paar entsteht.

  4. Elektron wandert zur ETL.

  5. Loch wandert zur HTL.

  6. Beide werden an den Elektroden gesammelt.

  7. Über den äußeren Stromkreis fließt elektrischer Strom.


Zellverbinder (Busbars)

In der Zeichnung:

Zellverbinder

Diese metallischen Leiter verbinden einzelne Zellen zu einem Modul.

Dadurch addieren sich:

  • Spannungen

  • Leistungen

ähnlich wie bei Siliziummodulen.


Modulintegration

Rechts unten sieht man die Draufsicht.

Abmessungen:

156 × 156 mm

Mehrere Zellen sind verschaltet.

Zusätzlich vorhanden:

  • Stromleitpfade

  • Modulrahmen

  • Anschlussleitungen


Technische Daten der Zeichnung

Angegeben sind:

Parameter

Wert

Spannung pro Zelle

0,65 V

Nennstrom

3,2 A

EQE

>15 %

Material

PbS-QDs

ETL

TiO₂

Einkapselung

EVA/Tedlar


Das eigentlich Interessante: Warum „Quanten“-Solarzelle?

Der große Vorteil liegt in den quantenmechanischen Eigenschaften.

1. Abstimmbare Bandlücke

Die Absorption kann über die Partikelgröße eingestellt werden.

2. Multiple Exciton Generation (MEG)

Theoretisch kann ein energiereiches Photon:

nicht nur ein,

sondern zwei oder mehr Elektron-Loch-Paare erzeugen.

Das könnte den Wirkungsgrad oberhalb der klassischen Shockley-Queisser-Grenze (~33 %) anheben.

3. Nutzung des Infrarotbereichs

PbS-Quantenpunkte absorbieren besonders gut:

  • Nahinfrarot

  • Infrarot

Bereiche, die viele Siliziumzellen schlechter verwerten.


Realistische Einordnung

Die Zeichnung zeigt eine technisch plausible Quantenpunkt-Solarzelle, aber kein derzeit marktbeherrschendes Produkt.

Aktuell werden Quantenpunkte vor allem genutzt in:

  • QLED-Displays

  • Sensoren

  • Forschungssolarzellen

Reine Quantenpunkt-Solarzellen erreichen im Labor bereits Wirkungsgrade von deutlich über 15 %, kämpfen jedoch noch mit:

  • Langzeitstabilität

  • Feuchtigkeitsempfindlichkeit

  • Oxidation

  • Verwendung toxischer Materialien (Cd, Pb)

Langfristig gelten sie dennoch als eine der interessantesten Alternativen zu Silizium, insbesondere für:

  • flexible Solarfolien

  • transparente Fenster-Solarzellen

  • Raumfahrtanwendungen

  • Tandem-Solarzellen der nächsten Generation

Die dargestellte Konstruktion entspricht daher im Wesentlichen einer modernen Dünnschicht-Quantenpunkt-Solarzelle, bei der quantenmechanische Nanokristalle die Rolle des lichtabsorbierenden Halbleiters übernehmen.

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