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Doppeldiagnose ADHS und Autismus

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 31. März 2020
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

...

hier ist ein klarer, praxisnaher und neurobiologisch fundierter **Vergleich** zwischen **ADHS** (primär catecholaminerg gesteuert) und **Autismus-Spektrum-Störung (ASS / ASD)** (stark mit Glutamat/GABA-Balance assoziiert). Die moderne Forschung zeigt: Beide sind neuroentwicklungsbedingt, haben deutliche **Überlappungen** (Komorbidität bis zu 50–70 % bei Kindern), aber unterschiedliche **Kernmechanismen**, Symptome und Therapieansätze.


### Direkter Vergleich


| Merkmal | ADHS (Dopamin / Noradrenalin) | Autismus (Glutamat / GABA) | Überlappung / Hinweis |

|--------------------------|-----------------------------------------------------------------------------------------------|--------------------------------------------------------------------------------------------|-----------------------|

| **Haupt-Neurotransmitter** | **Dopamin** (Motivation, Belohnung, Aufmerksamkeitssteuerung) + **Noradrenalin** (Wachheit, Impulskontrolle, Arbeitsgedächtnis) | **Glutamat** (exzitatorisch, Haupt-„Gaspedal“ des Gehirns) und **GABA** (inhibitorisch, „Bremse“) – oft **E/I-Imbalance** (Exzitation/Inhibition) | Beide können Dopamin beteiligt haben, aber unterschiedlich (ADHD: Mangel; ASS: regional variabel) |

| **Kernproblem** | **Unterfunktion** der catecholaminergen Systeme (bes. präfrontaler Cortex und Striatum) → Signale kommen nicht richtig an oder werden nicht gehalten | **Ungleichgewicht** zwischen Erregung und Hemmung (häufig zu viel Glutamat oder zu wenig GABA bzw. gestörte Rezeptoren, z. B. weniger mGluR5) → Über- oder Untererregbarkeit von Netzwerken | Komorbidität verstärkt beide Probleme |

| **Typische Symptome** | - Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität<br>- Schwierigkeiten mit Belohnungsaufschub<br>- „Langweile“ bei Routine → Reizsuche | - Soziale Kommunikationsstörungen<br>- Repetitive Verhaltensmuster, spezielle Interessen<br>- Sensorische Über-/Unterempfindlichkeit<br>- Starre Routinen | Hyperaktivität oder Aufmerksamkeitsprobleme können bei beiden vorkommen, aber Motive unterschiedlich |

| **Neurobiologie (vereinfacht)** | - Niedrigere Dopamin- und Noradrenalin-Spiegel oder gestörter Transport im PFC und Belohnungssystem<br>- Stimulanzien (Methylphenidat, Amphetamin) wirken gut, weil sie Dopamin/Noradrenalin erhöhen | - Häufig reduzierte GABA-Spiegel oder gestörte Glutamat-Rezeptoren (z. B. mGluR5)<br>- Lokale Übererregbarkeit (z. B. sensorisch) bei gleichzeitiger globaler Unterkonnektivität<br>- Keine klassische „Dopamin-Mangel-Störung“ | Beide zeigen Veränderungen in frontostriatalen und Default-Mode-Netzwerken |

| **Reaktion auf Medikation** | Sehr gut auf Stimulanzien (erhöhen DA/NA) und teilweise Atomoxetin (Noradrenalin) | Stimulanzien helfen oft wenig oder verschlechtern sensorische Überlastung; Fokus eher auf Verhaltenstherapie, manchmal atypische Antipsychotika oder experimentelle Glutamat-Modulatoren | Bei Komorbidität: Stimulanzien können ADHS-Symptome lindern, ASS-Symptome aber verstärken (z. B. Reizbarkeit) |

| **Soziales/Erleben** | „Ich will, aber ich kann nicht fokussieren/mich bremsen“ – oft Frust durch fehlende innere Bremse | „Die Welt ist zu laut/chaotisch oder zu uninteressant außerhalb meiner Interessen“ – Schutz durch Routinen und sensorische Vermeidung | Beide können soziale Schwierigkeiten haben, aber ADHS eher durch Impulsivität, ASS eher durch fehlende intuitive Verständigung |

| **Hirnstruktur (typisch)** | Oft kleinere Volumina im präfrontalen Cortex, Striatum; verzögerte Reifung | Häufig vergrößerte kortikale Dicke in temporalen Regionen, veränderte Konnektivität (lokale Über-, globale Unterkonnektivität) | Unterschiedliche Muster in neueren Studien (z. B. kortikale Dicke vs. Volumen) |


### Warum die Unterscheidung (trotz Überlappung) wichtig ist


- **Therapie**: Bei reinem oder dominantem **ADHS** sind Stimulanzien oft „Gamechanger“ – sie normalisieren die Dopamin/Noradrenalin-Signalübertragung. Bei dominantem **Autismus** können dieselben Medikamente die sensorische Überempfindlichkeit oder Reizbarkeit verstärken. Hier helfen eher verhaltenstherapeutische Ansätze (z. B. ABA, TEACCH), Sensorik-Integration oder in manchen Fällen Medikamente, die auf GABA/Glutamat wirken (experimentell).

- **Diagnostik**: Viele Erwachsene bekommen erst spät die korrekte Doppel-Diagnose „AuDHD“. Die primäre **Motivation** hilft zu differenzieren:

- ADHS: „Ich brauche mehr Stimulation, um nicht unterzugehen.“

- Autismus: „Ich brauche weniger Stimulation, um nicht zu überfluten.“

- **Alltag**: Ein ADHS-Patient mit „Histrionik-ähnlicher“ Reizsuche braucht Struktur + Belohnungssystem-Training. Ein Autist mit Glutamat/GABA-Ungleichgewicht braucht oft klare Routinen, sensorische Anpassungen und Unterstützung bei sozialer „Übersetzung“.


### Praktische Differenzierung im Gespräch / in der Praxis (ähnlich wie bei Hysterie/Hypochondrie/Histrionik)


Frage nach dem **inneren Erleben** eines typischen Problems (z. B. „Warum fällt es dir schwer, stillzusitzen oder einem Gespräch zu folgen?“):


- **ADHS-typisch**: „Mein Kopf rast, ich muss mich bewegen, sonst explodiere ich innerlich. Es ist langweilig, ich brauche Action.“ (Dopamin-Hunger)

- **Autismus-typisch**: „Die Geräusche / Lichter / der Blickkontakt überfordern mich, oder das Thema interessiert mich nicht genug, um die sozialen Regeln mitzumachen.“ (sensorische oder soziale Über-/Untererregung)

- **Bei Komorbidität**: Beides – „Ich brauche Stimulation, aber sie überfordert mich gleichzeitig.“


Weitere schnelle Marker:

- Reaktion auf **Routine vs. Neuheit**: ADHS langweilt sich schnell bei Routine → sucht Wechsel. Autismus klammert sich an Routine → Wechsel löst Stress aus.

- Sensorik: Starke Überempfindlichkeit (z. B. Etiketten, Geräusche) spricht eher für ASS.

- Impulsivität: „Ich sage/ tue es, bevor ich nachdenke“ (ADHS) vs. „Ich plane alles minutiös und gerate in Panik bei Abweichung“ (ASS).


Die Neurotransmitter sind nicht absolut getrennt – es gibt immer **Wechselwirkungen** (z. B. Dopamin moduliert auch Glutamat-Signale). Aber die **primäre chemische Achse** erklärt, warum die Symptome und Behandlungen so unterschiedlich ausfallen.


Möchtest du:

- Ein detaillierteres Skript für die Anamnese (z. B. 5–6 Fragen zur schnellen Differenzierung)?

- Tipps zur Medikation bei AuDHD (Doppel-Diagnose)?

- Oder den Vergleich erweitern auf Serotonin, Oxytocin oder Hirnnetzwerke (Default Mode vs. Task Positive)?

4 Kommentare


Martin Döhring
Martin Döhring
vor 3 Tagen

Die Kombination aus ADHS und Autismus-Spektrum-Störung ist neurobiologisch kein „Addieren zweier Störungen“, sondern eher ein komplex überlagertes Netzwerkproblem. Die Neurotransmitter greifen ineinander – mit teilweise gegensätzlichen Effekten.

Ich skizziere dir das präzise entlang der wichtigsten Systeme:

1. Dopamin – das zentrale Steuerungsproblem

Bei ADHS ist Dopamin der Hauptakteur, bei Autismus sekundär verändert.

ADHS-Komponente:

  • Dopamin ↓ (präfrontaler Cortex)→ schlechte Exekutivfunktionen (Planung, Fokus)→ „Unterstimulation“ → Suche nach Reizen

Autismus-Komponente:

  • Dopamin dysreguliert (Belohnungssystem)→ soziale Reize = schwache Dopaminantwort→ Spezialinteressen = starke Dopaminantwort

Kombination:

  • Global: instabil + kontextabhängig

    • Alltag → Dopaminmangel (Unruhe, Ablenkbarkeit)

    • Spezialinteresse → Dopaminüberschuss (Hyperfokus)

👉 Ergebnis:extreme Schwankungen zwischen Chaos und Tunnelzustand

2. Noradrenalin – das Aufmerksamkeits- und Stresssystem

Eng gekoppelt an ADHS, verstärkt durch Autismus.

  • ADHS: Noradrenalin ↓→ geringe Vigilanz, schnelle Ablenkbarkeit


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Martin Döhring
Martin Döhring
12. Apr. 2020

Antikörper lassen sich auch künstlich herstellen. Bakterien werden z.B. umfunktioniert auf Antikörperproduktion durch Einschleusung entsprechender Information durch Phagen.!

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Martin Döhring
Martin Döhring
08. Apr. 2020

Im Rahmen einer Erkrankung durch das Coronavirus bildet der menschliche Körper bereits nach 3 Tagen IgM, nach 8 Tagen IgG als Immunantwort.

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Martin Döhring
Martin Döhring
31. März 2020

Es gibt auch einen weiteren Ansatz, die Gabe von speziellen Zellen, T-Antikörper (weiße Blutkörperchen), zu testen.

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