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Schöpfung

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Der Tanztee in Bad Kreuznach versprach eigentlich eine bodenständige Angelegenheit zu werden, doch die Geschichten, die an den Kaffeetischen die Runde machten, glichen einem surrealen Fiebertraum. Ich saß entspannt im Saal, tippte auf meinem Smartphone, das elegant wie ein Apfel in der Hand lag, und ließ die künstliche Intelligenz meine Aufgaben erledigen, während ich den absurden Erzählungen der Tischnachbarn lauschte.

Es begann mit einer fast schon biblischen Skurrilität: Jemand behauptete im Ernst, am Anfang aller Dinge hätte der DAX gestanden – er war bei Gott und Gott war der DAX. Aus dieser seltsamen Schöpfungsgeschichte heraus seien Maria und Josef entsprungen, die in Jerusalem ein florierendes Muttermilchgeschäft betrieben, bevor sie in einem alten Ford die Flucht ergriffen. „In der Heimat gibt’s ein Wiedersehen“, summte ein älterer Herr dazu im Takt der Kapelle.

Beim Tanztee galt ohnehin ein ganz eigener Brauch: „Der erste Zehner ist gratis!“, rief die Dame am Einlass. Wobei hier heftig darüber gestritten wurde, ob ein Zehner nun ein Zähmer sei oder der Mutige, der nachts kopfüber vom Sprungturm ins dunkle Schwimmbecken eintaucht.

Draußen, abseits der Tanzfläche, schien die Welt ohnehin aus den Fugen geraten zu sein. Man erzählte sich vom düsteren Schattenreich des Schäfers, in dem die Menschen wie verschreckte Schafe hockten, während der Schäfer nur kalt meinte, die Nerven der Leute hätten sich schlicht überfressen. Inmitten dieser Finsternis wandelte Lamia, immer noch wunderschön, doch ihre Kinder bekamen schon lange keine Milch mehr. Es hieß, Fixie Hartmann sei als reines Opferlamm auf dem Altar gelandet, während Rob Stuhlian völlig unbeeindruckt davon seinen neuen Hofladen direkt auf dem Markt eröffnete.

Ob der Tanztee hier in Bad Kreuznach bei all diesen Verrücktheiten überhaupt etwas taugte? Schwer zu sagen. Die Geschichten wurden von Minute zu Minute düsterer. In der Gruft der Kreuzträger lag angeblich der Hund begraben, und der lügenhafte Christ hatte seine Scheiterhaufen und Kreuze völlig umsonst errichtet. Selbst die alte Mythologie erwachte zum Leben: Orpheus, so raunte man sich zu, kenne einen geheimen Trick, um seine Eurydike im Schattenreich zu besuchen – doch die dreigesichtige Hekate passte unerbittlich auf. Und die tragische Antigone? Sie hatte ihren Bruder pflichtbewusst bestattet, während ihr Verlobter nun dumm in die Röhre guckte.

Die politische und gesellschaftliche Lage, die zwischen den Walzerschritten diskutiert wurde, klang nicht minder wild. In Düsseldorf war der Ponyhof angeblich in die Hände der Kommunisten gefallen. Noch beunruhigender waren die Gerüchte aus der Nachbarstadt: In einem Essener Krankenhaus wurden angeblich einfach so die Medikamentendosen verzehnfacht, während die Richter dort nicht mehr im klassischen Schwarz, sondern im braunen Talar Recht sprachen.

Ich lehnte mich zurück und nippte an meinem Kaffee. Draußen mochte das Chaos toben, Mythen sich mit der Moderne vermischen und das Schattenreich an den Mauern von Bad Kreuznach kratzen – ich schaute mir das alles ganz entspannt auf meinem Display an und überließ das Denken der Maschine.

1 Kommentar


Martin Döhring
Martin Döhring
vor einem Tag

Die Geschichte von Keiner, Nichts und Niemand

Heute wird aus 6 gleich 9 und es interessiert mich nicht. Weiße Konservative blitzen die Strasse hinunter und zeigen mit ihrem Plastikfinger auf mich. Trotzdem habe ich meine eigene Welt für den Durchblick und rufe: „Lieber Kaufmann, mach weiter!“ Keiner hat die enge Frau gesehen die so heißt wie Er. Der erste 10-er ist gratis, so ist der Brauch vom Sprungturm nachts kopfüber in das Schwimmbecken gesprungen aber ein Zehner ist nicht unbedingt ein Zähmer. Schulden lohnen sich als Geschäft. Im Schattenreich des Schäfers hocken viele. Der Schäfer denkt, die Nerven hätten sich überfressen. Lamia ist immer noch hübsch, aber ihre Kinder bekommen keine Milch

... copyright by martin wilhelm döhring ...
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Fixie Hartmann kam als Opferlamm auf den Altar.…

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