Neurotransmitter bei Schizophrenie
- Martin Döhring

- 4. Apr. 2020
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 6 Tagen

Die "Ungleichheit" bzw. das Ungleichgewicht der Neurotransmitter bei Schizophrenie ist ein komplexes Zusammenspiel, das man am besten anhand der wichtigsten Botenstoffe versteht. Es handelt sich nicht um eine einzelne Veränderung, sondern um eine Störung des gesamten Systems.
Hier ist die erneute Schilderung der zentralen Ungleichgewichte:
1. Dopamin (Die klassische Hypothese)
Lange Zeit galt die Dopamin-Hypothese als das zentrale Erklärungsmodell. Heute weiß man, dass es nicht nur um einen einfachen Überschuss oder Mangel geht, sondern um eine regionale Ungleichverteilung:
· Mesolimbischer Pfad (Überschuss): In diesem Bereich, der von der ventralen Tegmentalen Area (VTA) zum limbischen System (z. B. Nucleus accumbens) führt, besteht eine übermäßige Dopaminaktivität. Dies wird hauptsächlich für die Positivsymptome verantwortlich gemacht: Halluzinationen (z. B. Stimmen hören), Wahn, Desorganisation und Ich-Störungen.
· Mesokortikaler Pfad (Mangel): Im Gegensatz dazu besteht in diesem Pfad, der von der VTA zum präfrontalen Kortex führt, eine verminderte Dopaminaktivität. Dieser Mangel wird mit den Negativsymptomen (Antriebslosigkeit, sozialer Rückzug, Apathie) und den kognitiven Defiziten (Probleme mit Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Exekutivfunktionen) assoziiert.
Klinische Relevanz: Klassische Antipsychotika (Neuroleptika) wirken als Dopamin-D2-Rezeptor-Antagonisten. Sie lindern die Positivsymptome, haben aber kaum Einfluss auf die Negativsymptome und Kognition, die durch den Dopaminmangel im präfrontalen Kortex sogar verstärkt werden können.
2. Glutamat (Die erweiterte Hypothese)
In den letzten Jahrzehnten hat die Glutamat-Hypothese stark an Bedeutung gewonnen. Glutamat ist der wichtigste erregende Neurotransmitter im Gehirn.
· Hypofunktion des NMDA-Rezeptors: Man geht heute davon aus, dass eine verminderte Funktion des NMDA-Rezeptors (einer Andockstelle für Glutamat) ein ursächlicher Kernmechanismus sein könnte.
· Diese Unterfunktion führt zu einer sekundären Dysregulation des Dopaminsystems. Indirekt kommt es so zu dem oben beschriebenen dopaminergen Ungleichgewicht.
· Folgen: Während Dopamin-Ungleichgewichte eher die "Symptome" erzeugen, wird die Glutamat-Störung oft als tieferliegende "Ursache" oder Modulator angesehen. Sie erklärt besser die kognitiven Defizite und Negativsymptome, die durch reine Dopamin-Blockade oft nicht behoben werden.
Klinische Relevanz: Substanzen wie PCP oder Ketamin, die NMDA-Rezeptoren blockieren, können bei gesunden Menschen einen Zustand erzeugen, der einer Psychose (inklusive Positiv- und Negativsymptomen) nahekommt.
3. GABA (Die hemmende Gegenspielerin)
GABA ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter. Bei Schizophrenie besteht häufig eine Störung der GABAergen Interneurone, insbesondere jener, die das Protein Parvalbumin enthalten.
· Enthemmung: Wenn die hemmenden GABA-Zellen nicht richtig funktionieren, führt das zu einer unkontrollierten, synchronen Ausschüttung von Glutamat im präfrontalen Kortex und im Hippocampus.
· Konsequenz: Dieses Ungleichgewicht wird mit einer gestörten Informationsverarbeitung ("kognitives Rauschen") in Verbindung gebracht. Das Gehirn kann irrelevante Reize nicht mehr
ausreichend ausfiltern, was zu einer Reizüberflutung und den typischen psychotischen Symptomen beiträgt.
4. Serotonin und Noradrenalin (Die Modulatoren)
Diese Systeme sind primär modulierend und tragen zur Heterogenität der Erkrankung bei:
· Serotonin (5-HT): Ein Ungleichgewicht im serotonergen System kann sowohl kognitive Störungen als auch affektive Symptome (Angst, Depression) verstärken. Moderne Antipsychotika (Atypika) wirken nicht nur auf Dopamin, sondern auch auf Serotonin-Rezeptoren (insbesondere 5-HT2A), um die Negativsymptome zu verbessern und die extrapyramidalen Nebenwirkungen (Bewegungsstörungen) zu reduzieren.
· Noradrenalin: Eine erhöhte noradrenerge Aktivität wird häufig mit Stressreaktivität, Angst und der Intensität von Positivsymptomen in akuten Phasen assoziiert.
Zusammenfassung
Die Ungleichheit bei Schizophrenie lässt sich nicht auf einen einzelnen Botenstoff reduzieren. Das aktuelle Modell beschreibt eine Trias aus Dysregulation:
1. Glutamat (Hypofunktion des NMDA-Rezeptors) gilt als ursächlicher Faktor, der zu einer Instabilität der neuronalen Netzwerke führt.
2. GABA (Hypofunktion der Interneurone) verliert die Fähigkeit, die Erregung zu kontrollieren.
3. Dopamin reagiert darauf mit einem regional unterschiedlichen Ungleichgewicht (Überschuss subkortikal, Mangel kortikal), der schließlich die akute Psychose (Positivsymptomatik) auslöst.
Diese komplexe Interaktion erklärt, warum die Erkrankung so unterschiedlich verlaufen kann und warum eine Behandlung oft eine Kombination aus einer Stabilisierung des dopaminergen Systems (z. B. durch Antipsychotika) und psychosozialen Interventionen erfordert.



BioXcel Therapeutics, Inc. ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das künstliche Intelligenz nutzt, um transformative Medikamente im Bereich der Neurowissenschaften zu entwickeln. Das Unternehmen hat eine klinische Tochtergesellschaft namens OnkosXcel Therapeutics, die sich auf die Entwicklung von Medikamenten in der Immunonkologie konzentriert².
Aktuell hat BioXcel Therapeutics einige bedeutende Entwicklungen und Ankündigungen gemacht. Zum Beispiel haben sie kürzlich positive Ergebnisse aus einer Post-Marketing-Studie zu ihrem Medikament IGALMI (Dexmedetomidin) Sublingualfilm veröffentlicht, das zur Behandlung von Agitation bei bipolaren Störungen oder Schizophrenie eingesetzt wird³.
Quelle:
(1) BioXcel Therapeutics, Inc.. https://www.bioxceltherapeutics.com/.
(2) BioXcel Therapeutics Aktie (BTAI) | Aktienkurs » US09075P1057 .... https://www.wallstreet-online.de/aktien/bioxcel-therapeutics-aktie.
(3) . https://bing.com/search?q=bioexcel+therapeutics.
Die Therapie bei Schizophrenie ist in der Regel multimodal und individuell auf den Patienten abgestimmt. Hier sind die Hauptkomponenten:
### 1. **Medikamentöse Therapie**
- **Antipsychotika**: Diese Medikamente, auch Neuroleptika genannt, sind die Hauptstütze der Behandlung. Sie helfen, Symptome wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen zu lindern¹.
- **Antidepressiva und Beruhigungsmittel**: Diese können zusätzlich verschrieben werden, um depressive Symptome und Angstzustände zu behandeln¹.
### 2. **Psychotherapie**
- **Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)**: Diese Therapieform hilft Patienten, ihre Gedanken und Verhaltensweisen zu verstehen und zu ändern².
- **Psychoedukation**: Patienten und ihre Familien werden über die Krankheit und deren Behandlung informiert, um besser mit der Erkrankung umgehen zu können².
### 3. **Soziotherapie**
- **Soziale Unterstützung**: Maßnahmen wie Arbeits- und Beschäftigungstherapien, Strukturierung des Tagesablaufs und Unterstützung bei der…