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Rausch - das "trunkene Lied"

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • vor 6 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

... copyright by martin wilhelm döhring ...
... copyright by martin wilhelm döhring ...

Das „Trunkene Lied“ (auch „Das Nachtwandler-Lied“) bildet einen der Höhepunkte von Also sprach Zarathustra. Es erscheint im vierten Teil und verdichtet zentrale Gedanken Nietzsches: Lebensbejahung, Ewige Wiederkunft, Lust, Leid und die Sehnsucht nach Ewigkeit.

Die berühmtesten Verse lauten:

O Mensch! Gib Acht! Was spricht die tiefe Mitternacht?
„Ich schlief, ich schlief –,Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –Die Welt ist tief, Und tiefer als der Tag gedacht. Tief ist ihr Weh –,Lust – tiefer noch als Herzeleid: Weh spricht: Vergeh! Doch alle Lust will Ewigkeit –,Will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

1 Philosophische Bedeutung

Für Nietzsche ist dies kein gewöhnliches Trinklied. Die „Trunkenheit“ ist eine dionysische Ekstase: ein Zustand, in dem der Mensch das Leben nicht mehr moralisch beurteilt, sondern es unmittelbar bejaht.

Der entscheidende Satz lautet:

„Doch alle Lust will Ewigkeit.“

Damit meint Nietzsche:

  • Wahre Freude will nicht nur einen Augenblick dauern.

  • Wer das Leben wirklich bejaht, möchte den erfüllten Augenblick unendlich oft wieder erleben.

  • Darin kündigt sich die Lehre der Ewigen Wiederkunft an: die Bereitschaft, das eigene Leben mit allem Leid und aller Freude immer wieder zu bejahen.

2 Die Verbindung von Lust und Leid

Bemerkenswert ist, dass Nietzsche nicht sagt, die Lust beseitige das Leid.

Vielmehr:

  • „Die Welt ist tief.“

  • „Tief ist ihr Weh.“

  • Aber: „Lust – tiefer noch als Herzeleid.“

Die höchste Lebensbejahung entsteht nicht durch die Flucht vor dem Schmerz, sondern dadurch, dass selbst das Leid in einen größeren Zusammenhang des bejahten Lebens aufgenommen wird.

3 In Bezug auf meine Deutung

Wenn ich von einem „Burn-out der Kultur“ spreche, dann ist Zarathustras Antwort ungefähr:

  • Nicht mehr Moral.

  • Nicht mehr Pflicht.

  • Nicht mehr bloße Leistung.

  • Sondern die Wiedergewinnung einer bejahenden Kraft des Begehrens.

Das „Trunkene Lied“ ist die dichterische Form dieser Botschaft. Es endet nicht mit einem Gebot, sondern mit einem Rausch der Zustimmung zum Leben selbst:

„Doch alle Lust will Ewigkeit –will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

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