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Quantum Computing - Ionenfalle

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 22. Aug. 2020
  • 4 Min. Lesezeit

... copyright by martin wilhelm döhring ... all rights reserved ...
... copyright by martin wilhelm döhring ... all rights reserved ...

Die Abbildung zeigt eine mikrofabrizierte lineare Paul-Ionenfalle (Surface Electrode Ion Trap), wie sie in vielen modernen Quantencomputern mit gefangenen Ionen verwendet wird. Sie vereint Hochfrequenztechnik, Mikrochipfertigung, Ultrahochvakuum und Laserspektroskopie. Ich erläutere sie von außen nach innen.

1. Das Grundprinzip

Statt Qubits in einem Halbleiterchip einzusperren, werden hier einzelne elektrisch geladene Atome (Ionen) in einem elektromagnetischen Potential gefangen.

In Ihrer Zeichnung handelt es sich um

Ca⁴⁰⁺-Ionen (einfach ionisierte Calciumatome).

Ein Calciumatom besitzt normalerweise 20 Elektronen.

Hier wurde

  • ein Elektron entfernt

dadurch entsteht

Ca⁺.

Dieses Ion besitzt eine positive Ladung und lässt sich daher mit elektrischen Feldern festhalten.

2. Die eigentliche Ionenfalle

Die lange Struktur in der Mitte ist der Chip.

Die roten Punkte stellen die Ionen dar.

Sie schweben

etwa 150 µm über der Chipoberfläche.

Das ist ungefähr

ein bis zwei Haarbreiten.

Die Ionen berühren niemals den Chip.

Sie schweben vollständig frei.

3. Warum fallen die Ionen nicht herunter?

Hier kommt die Paul-Falle ins Spiel.

Man benutzt

  • Hochfrequenzspannung (RF)

  • statische Gleichspannungen (DC)

gemeinsam.

Die blauen Leiter

RF rails

führen

25 MHz Wechselspannung.

Die Spannung wechselt also

25 Millionen Mal pro Sekunde.

Dadurch entsteht

kein statisches,

sondern ein zeitlich gemitteltes Potential.

Dieses nennt man

Pseudopotential.

Es wirkt wie eine unsichtbare Mulde.

Die Ionen rollen immer wieder zur Mitte zurück.

4. RF-Schienen

Die beiden langen blauen Leiter bilden die eigentliche Falle.

Zwischen ihnen entsteht

eine Potentialmulde.

Die Kraft wirkt

in Y-Richtung

und

Z-Richtung.

Damit kann das Ion seitlich nicht entkommen.

5. Segmentierte Elektroden

Die goldenen Elektroden besitzen jeweils eine eigene Spannung.

Sie heißen

Segmented DC Electrodes.

Ihre Aufgabe:

Sie formen das Potential

entlang der X-Achse.

Dadurch kann man

  • Ionen verschieben

  • trennen

  • zusammenführen

  • neu anordnen

ohne sie zu berühren.

Im Grunde entstehen viele kleine elektrische Hügel und Täler.

6. Endkappen

Links und rechts befinden sich

Static DC Endcap Electrodes.

Sie schließen die Falle.

Ohne diese könnten die Ionen vorne oder hinten herauslaufen.

7. Warum stehen die Ionen in einer Reihe?

Die Ionen stoßen sich gegenseitig ab.

Gleichzeitig drückt das elektrische Potential sie zusammen.

Es entsteht ein Gleichgewicht.

Die Folge:

Eine wunderschöne lineare Ionenkette.

Man nennt sie

Ion Crystal.

Diese Kristalle bestehen oft aus

10

100

1000

Ionen.

8. Warum Ultrahochvakuum?

Auf der Zeichnung steht

10⁻¹¹ Torr.

Das ist nahezu perfektes Vakuum.

Warum?

Bereits ein Luftmolekül könnte

gegen ein Ion stoßen.

Dann wäre

die gesamte Quanteninformation verloren.

Deshalb arbeitet man im nahezu vollständigen Vakuum.

9. Warum zusätzlich 4 Kelvin?

Unten rechts steht

Cryogenic Interface

unter 4 Kelvin.

Das entspricht

−269 °C.

Dadurch

  • sinkt das thermische Rauschen

  • weniger elektrische Feldschwankungen

  • längere Kohärenzzeit

Die Ionen bleiben dadurch wesentlich stabiler.

10. Lasereingänge

Mehrere Laser treffen auf die Ionen.

Jeder besitzt eine spezielle Aufgabe.

a) Ionisierung

Zunächst wird aus einem neutralen Calciumatom

Ca⁺ erzeugt.

b) Laserkühlung

397 nm

kühlt das Ion.

Das klingt zunächst paradox.

Ein Laser kann aber Bewegungsenergie entziehen.

Das Ion verliert

Schwingungsenergie

und wird extrem kalt.

Nahe dem quantenmechanischen Grundzustand.

c) Repump-Laser

729 nm

und weitere Wellenlängen verhindern,

dass das Ion in langlebigen Zuständen "stecken bleibt".

d) Qubit-Manipulation

Mit hochpräzisen Laserpulsen werden

Quantengatter

realisiert.

11. Energieniveaus

Oben rechts sieht man

das Energieniveauschema.

Für Calcium verwendet man

S₁/₂

P₁/₂

D₅/₂.

Diese Zustände bilden das eigentliche Qubit.

Zum Beispiel

|0⟩

=

S₁/₂

und

|1⟩

=

D₅/₂.

Der Laser erzeugt Übergänge

zwischen beiden.

12. Wie entstehen Qubits?

Das Ion befindet sich nicht nur

in Zustand 0

oder


Sondern

[|\psi\rangle=\alpha|0\rangle+\beta|1\rangle]

also in einer Superposition.

Jedes einzelne Ion ist somit

ein Qubit.

13. Wie koppeln sich die Qubits?

Jetzt kommt das eigentlich Geniale.

Alle Ionen schweben gemeinsam

in derselben Potentialmulde.

Dadurch schwingen sie

wie eine gespannte Gitarrensaite.

Diese gemeinsame Schwingung nennt man

Phononenmodus.

Der Laser koppelt

den inneren Zustand

eines Ions

an diese gemeinsame Schwingung.

So kann

Ion A

Information

auf

Ion B

übertragen.

Dadurch entstehen

Zwei-Qubit-Gatter

wie das Mølmer-Sørensen-Gatter, eine zentrale Operation in Ionenfallen-Quantencomputern.

14. Detektion

Oben befindet sich

Detection.

Zum Schluss wird das Ion

mit einem Laser beleuchtet.

Jetzt passiert etwas sehr Elegantes.

Ist das Ion

im Zustand

|0⟩,

leuchtet es hell.

Ist es

im Zustand

|1⟩,

bleibt es dunkel.

Eine empfindliche Kamera registriert

hell

oder

dunkel.

So erfolgt die Messung des Qubits.

15. Warum so viele Elektroden?

Rechts sieht man

20 DC Channels.

Jede Elektrode besitzt

eine eigene Spannung.

Dadurch kann man

  • Potentiale verformen

  • Ionen transportieren

  • Ketten teilen

  • Ketten wieder vereinen

  • Fehler korrigieren

  • verschiedene Rechenzonen bilden

Der Chip ist somit programmierbar.

16. Warum gilt diese Architektur als besonders leistungsfähig?

Ionenfallen gehören zu den physikalisch ausgereiftesten Plattformen für Quantencomputer, weil sie mehrere Vorteile kombinieren:

  • Identische Qubits: Jedes Calcium-Ion ist von Natur aus gleich, anders als viele künstlich gefertigte Halbleiter-Qubits.

  • Sehr lange Kohärenzzeiten: Unter Ultrahochvakuum und bei tiefen Temperaturen können Quantenzustände über lange Zeit erhalten bleiben.

  • Hohe Gattertreue: Laser lassen sich äußerst präzise steuern, wodurch Fehlerquoten sehr gering sein können.

  • Beliebige Kopplungen innerhalb einer Ionenkette: Über die gemeinsamen Schwingungsmoden können auch weiter voneinander entfernte Ionen miteinander wechselwirken.

Der Hauptnachteil ist die Skalierbarkeit: Je länger eine Ionenkette wird, desto komplexer werden ihre kollektiven Schwingungsmoden und desto schwieriger wird die präzise Kontrolle. Deshalb arbeiten aktuelle Entwicklungen häufig mit modularen Architekturen, bei denen mehrere kleinere Ionenfallen über photonische Verbindungen oder den Transport von Ionen gekoppelt werden.

Die dargestellte Konstruktion ist somit weit mehr als ein gewöhnlicher Mikrochip: Sie ist ein hochpräzises elektromagnetisches Instrument, das einzelne Atome im Vakuum schwebend hält, sie mit Lasern bis nahe an ihren quantenmechanischen Grundzustand kühlt und ihre inneren Quantenzustände gezielt manipuliert, um Quantenlogik auf atomarer Ebene auszuführen.

19 Kommentare


Martin Döhring
Martin Döhring
17. Aug. 2024

Ein Halbleiter-IC, der Qubits als Nano-Ströme auf engstem Raum erzeugt, basiert auf der Nutzung von **Silizium-Quantenbits** (Qubits). Hier ist eine Beschreibung, wie ein solcher IC funktionieren könnte:


### Aufbau und Funktionsweise


1. **Silizium-Quantenpunkte**: Die Qubits werden in winzigen Silizium-Quantenpunkten gespeichert. Diese Quantenpunkte sind so klein, dass sie die Quantenzustände von Elektronen kontrollieren können. Der **Elektronenspin** in diesen Quantenpunkten dient als Qubit¹.


2. **Superposition und Verschränkung**: Die Qubits können sich in einem Zustand der Superposition befinden, was bedeutet, dass sie gleichzeitig die Zustände 0 und 1 annehmen können. Durch spezielle Schaltungen können diese Qubits auch miteinander verschränkt werden, was für die Quantenberechnung entscheidend ist¹.


3. **Kontrolle durch elektrische Felder**: Die Quantenzustände der Elektronen werden durch präzise angelegte elektrische Felder kontrolliert. Diese…


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Martin Döhring
Martin Döhring
15. Juli 2024


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Martin Döhring
Martin Döhring
14. Apr. 2024

Mittlerweile hat das Thema eine Eigendynamik entwickelt…

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Martin Döhring
Martin Döhring
08. März 2024

Die Berechnung der Interferenz von Qubits ist ein komplexes Thema, das tiefgehende Kenntnisse in Quantenmechanik und Quantencomputing erfordert. Hier ist ein einfaches Python-Skript, das die Interferenz von zwei Qubits unter Verwendung der Qiskit-Bibliothek simuliert. Dieses Skript setzt voraus, dass Sie Qiskit installiert haben, eine Open-Source-Quantencomputing-Softwareentwicklungsbibliothek:

```python

from qiskit import QuantumCircuit, execute, Aer

# Erstellen eines Quantenschaltkreises mit 2 Qubits

qc = QuantumCircuit(2)

# Anwenden der Hadamard-Gatter auf beide Qubits, um Superposition zu erzeugen

qc.h(0)

qc.h(1)

# Anwenden eines CNOT-Gatters, um die Qubits zu verschränken

qc.cx(0, 1)

# Durchführen einer Messung

qc.measure_all()

# Ausführen des Schaltkreises auf dem Qasm-Simulator

simulator = Aer.get_backend('qasm_simulator')

result = execute(qc, simulator, shots=1000).result()

# Ausgabe der Ergebnisse

counts = result.get_counts(qc)

print(counts)

```

Dieses Skript führt einen einfachen…

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Martin Döhring
Martin Döhring
29. Feb. 2024

Quantum Computing bietet neue Ansätze, um einige der größten Rätsel der Physik zu erforschen, einschließlich der Natur der Dunklen Energie. Hier sind einige aktuelle Forschungsergebnisse:

- Quantum-enhanced screened dark energy detection: Eine Studie schlägt ein Experiment vor, das auf einem Bose-Einstein-Kondensat-Interferometer basiert, um die Modelle der fünften Kraft stark einzuschränken. Zusätzliche Skalarfelder aus modifizierten Gravitationstheorien oder höherdimensionalen Theorien könnten für die Dunkle Energie und die beschleunigte Expansion des Universums verantwortlich sein. Diese Theorien haben zu vorgeschlagenen Abschirmmechanismen geführt, die innerhalb der engen experimentellen Grenzen für die Suche nach einer fünften Kraft liegen. Das vorgeschlagene Experiment könnte die bestehenden Einschränkungen für diese Abschirmmodelle um viele Größenordnungen verbessern¹.

- Quantum Computing für inflationäre, Dunkle Energie und Dunkle Materie Kosmologie: Quantum Computing könnte…


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