Psychoanalyse, Parapsychologie und Übertragungsphänome
- Martin Döhring

- 20. Juli
- 2 Min. Lesezeit

Freud hat sich tatsächlich mit parapsychologischen Phänomenen beschäftigt, und es gibt Verbindungen zu Konzepten wie Übertragung (Transference). Auch bei Günther Bittner (siehe auch im Kommentar Wilhelm Bittner) gibt es relevante Überlegungen. Hier eine Übersicht:
Sigmund Freud und die Parapsychologie
Freud war gegenüber okkulten oder parapsychologischen Phänomenen ambivalenter, als viele denken. Er lehnte spiritistische Sitzungen und vieles davon als Schwindel ab, interessierte sich aber privat und wissenschaftlich für Telepathie (Gedankenübertragung).
In seinem Aufsatz „Traum und Telepathie“ (1922) und dem Vortrag „Psychoanalyse und Telepathie“ (1921, später veröffentlicht) untersucht er, ob telepathische Botschaften in Träume einfließen können. Er sieht Telepathie nicht als übernatürlich im spirituellen Sinn, sondern als mögliches unbewusstes Phänomen, das mit der psychoanalytischen Theorie des Unbewussten vereinbar sein könnte.
Freud hielt es für möglich, dass es eine Form von Gedankenübertragung gibt, die besonders in engen emotionalen Beziehungen (z. B. zwischen Analytiker und Patient) auftreten könnte. Er warnte jedoch davor, die Psychoanalyse dadurch zu „okkultisieren“ und wollte sie wissenschaftlich sauber halten.
Im Kontext der Übertragung: Freud beschreibt Übertragung als ein rätselhaftes, fast „magisches“ Phänomen, bei dem unbewusste Inhalte des Patienten auf den Analytiker „übertragen“ werden. Manche Interpreten sehen hier eine Nähe zu telepathie-ähnlichen Prozessen – eine intensive, unbewusste Kommunikation jenseits des Verbalen. Freud selbst hat das nicht direkt als „übersinnlich“ bezeichnet, aber er fand es erklärungsbedürftig.
Günther Bittner und Gegenübertragung
Günther Bittner (deutscher Psychoanalytiker, Pädagoge und Professor) hat das Thema in modernerer Form aufgegriffen, besonders in seinem Buch „Der Gegenübertragungstraum in der psychoanalytischen Theorie und Praxis“.
Er beschreibt Gegenübertragungsträume (Träume des Analytikers über den Patienten) als eine Art „Ping-Pong-Spiel der beiderseitigen Unbewussten“. Der Analytiker wird dabei fast zum „Medium“, und die Gegenübertragung kann telepathie-ähnliche Züge annehmen.
Bittner sieht in der intensiven analytischen Beziehung eine Verschmelzung von Leidenshorizonten zwischen Analytiker und Patient. Das Unbewusste beider Seiten interagiert so stark, dass es zu Phänomenen kommt, die rational schwer erklärbar sind – ohne dass er unbedingt an „Übersinnliches“ im esoterischen Sinn glaubt, sondern eher an tiefe unbewusste Kommunikation.




Wilhelm Bitter (oft als Dr. med. Wilhelm Bitter, 1893–1974), deutscher Nervenarzt, Psychoanalytiker und Begründer der „synoptischen Psychotherapie“.
Zu Wilhelm Bitter und „Die Angstneurose“
Bitter hat das Buch „Die Angstneurose. Entstehung und Heilung. Mit zwei Analysen nach Freud und Jung“ (erste Auflage 1948, spätere Auflagen z. B. 1971) geschrieben. Es verbindet:
Freudsche Konzepte (z. B. zur Angstneurose als Aktualneurose durch gestaute Libido).
Jungsche Ansätze (Archetypen, kollektives Unbewusstes).
Bitter plädiert für eine synoptische (zusammenschauende) Psychotherapie, die verschiedene Schulen (Freud, Jung, Adler u. a.) integriert und auch religiöse/spirituelle Dimensionen einbezieht. Er war in Kreisen aktiv, die Tiefenpsychologie mit Grenzgebieten der Psychologie (einschließlich parapsychologischer oder „übersinnlicher“ Phänomene) verbanden.
Telepathie in seinem Werk
Bitter thematisiert Telepathie explizit im Kontext der therapeutischen Beziehung, besonders bei Übertragung und Gegenübertragung. Er sieht…