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Platon

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • vor 24 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Ich erkläre dir Platon und seine Ideenlehre so, dass sie philosophisch präzise, historisch korrekt und zugleich psychologisch tief ist

Wer war Platon?

Platon (427–347 v. Chr.) war:

  • Schüler von Sokrates,

  • Lehrer von Aristoteles,

  • Gründer der Akademie in Athen,

  • der einflussreichste Philosoph der gesamten europäischen Geistesgeschichte.

Er ist der erste Denker, der eine geschlossene metaphysische Weltordnung entwirft: eine Theorie darüber, was wirklich ist, was wir nur sehen, und wie wir zu Erkenntnis gelangen.

Seine Schriften sind Dialoge, keine Traktate – lebendige philosophische Dramen.

Die Ideenlehre – das Herzstück von Platons Philosophie

Platon unterscheidet radikal zwischen:

  • der sinnlichen Welt (Welt der Erscheinungen)

  • der geistigen Welt (Welt der Ideen)

1. Die sinnliche Welt – das Unvollkommene

Alles, was wir sehen:

  • Menschen

  • Tiere

  • Pflanzen

  • Gegenstände

  • politische Systeme

  • moralische Handlungen

ist vergänglich, veränderlich, unvollkommen.

Diese Welt ist für Platon nicht die wahre Welt, sondern nur ein Abbild, ein Schatten, ein Gleichnis.

2. Die Ideenwelt – das Unvergängliche

Die Ideen (griechisch eidê) sind:

  • unveränderlich

  • vollkommen

  • ewig

  • nicht sinnlich wahrnehmbar

  • nur durch Denken erfassbar

Beispiele:

  • Idee des Guten

  • Idee der Gerechtigkeit

  • Idee des Schönen

  • Idee des Menschen

  • Idee des Kreises

  • Idee des Staates

Die sinnlichen Dinge sind nur Teilhabungen oder Abbilder dieser Ideen.

Ein schöner Mensch ist schön, weil er an der Idee des Schönen teilhat.

3. Die berühmte Metapher: Höhlengleichnis

Platon erklärt die Ideenlehre im Politeia durch das Höhlengleichnis:

  • Menschen sitzen in einer Höhle.

  • Sie sehen nur Schatten an der Wand.

  • Diese Schatten halten sie für die Wirklichkeit.

  • Einer löst sich, steigt ans Licht und erkennt die wahre Welt.

  • Er sieht die Sonne – die Idee des Guten.

  • Er kehrt zurück, um die anderen zu befreien.

Die Höhle = unsere Welt Die Schatten = sinnliche Dinge Die Sonne = das Gute Der Aufstieg = Philosophie

4. Die Idee des Guten – das Zentrum

Für Platon ist die höchste Idee:

Die Idee des Guten

Sie ist:

  • Ursprung aller anderen Ideen

  • Maßstab aller Erkenntnis

  • Quelle aller Wahrheit

  • metaphysische Sonne

Wer das Gute erkennt, erkennt:

  • das Wahre,

  • das Gerechte,

  • das Schöne,

  • das Richtige Handeln.

5. Erkenntnis als Wiedererinnerung (Anamnesis)

Platon glaubt:

Die Seele hat die Ideen vor der Geburt gesehen.

Erkenntnis ist daher Wiedererinnerung.

Der Mensch erkennt das Wahre nicht durch Sinneswahrnehmung, sondern durch:

  • Denken

  • Dialektik

  • philosophische Läuterung

  • innere Einsicht

 Psychologische Tiefenstruktur (Freud & Nietzsche)

Nietzsche über Platon

Nietzsche sieht Platon als:

  • den ersten großen Moralmetaphysiker,

  • den „Verführer“ Europas,

  • denjenigen, der die Sinnlichkeit entwertet und die Welt der Ideen überhöht.

Für Nietzsche ist Platon der Beginn der:

  • Askese,

  • Vergeistigung,

  • Entwertung des Lebens,

  • Geburt des christlichen Denkens.

Platon ist für ihn der Anti-Dionysos.

Freud über Platon

Freud sieht in Platon:

  • einen frühen Psychologen,

  • der die Struktur des Unbewussten ahnt,

  • der die Idee der Erinnerung (Anamnesis) als Vorform der Verdrängung erkennt.

Die Ideenwelt ist für Freud:

  • ein Ideal-Ich,

  • ein psychischer Raum der Normen,

  • eine Projektion des Über-Ichs.

Platon ist für Freud ein Philosoph der inneren Ordnung.

 Synthese: Was bedeutet Platons Ideenlehre wirklich?

Platon sagt:

Die sichtbare Welt ist nicht die wahre Welt. Die wahre Welt ist geistig. Erkenntnis ist Befreiung. Das Gute ist das höchste Prinzip. Philosophie ist der Weg aus der Höhle.

Nietzsche sagt:

Die Ideenwelt ist eine Flucht vor dem Leben.

Freud sagt:

Die Ideenwelt ist die Struktur des Über-Ichs.

Beide sehen in Platon den Ursprung der europäischen Innerlichkeit, der Moral, der Selbstüberwachung, aber auch der geistigen Größe.



 
 
 

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