top of page
  • Google+ Social Icon
  • Twitter Social Icon
  • LinkedIn Social Icon
  • Facebook Social Icon

Stimmung und Gemüt nach Freud - zwischen Euphorie, Manie und Depression (Schwermut oder Melancholie)

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 8. Feb. 2023
  • 3 Min. Lesezeit

... copyright by martin wilhelm döhring ...
... copyright by martin wilhelm döhring ...

Freuds Theorie der Manie ist eng mit seiner Schrift Trauer und Melancholie verbunden. Dort entwickelt Sigmund Freud die Idee, dass Manie und Melancholie zwei gegensätzliche Antworten auf denselben inneren Konflikt darstellen. Die Manie erscheint dabei nicht als „gesundes Glück“, sondern als psychischer Umschlagpunkt: ein Triumph des Ichs über eine zuvor erlittene seelische Niederlage.

Die manische Euphorie als psychischer Sieg

Freud beobachtete, dass manische Menschen oft:

  • grenzenlose Energie,

  • Größenfantasien,

  • Rededrang,

  • Enthemmung,

  • sexuelle und soziale Expansion,

  • sowie ein Gefühl völliger Befreiung zeigen.

Psychoanalytisch deutete er dies nicht als Ursprung, sondern als Ergebnis eines vorhergehenden inneren Kampfes. Die Manie sei gewissermaßen das Gegenteil der Melancholie:

  • In der Melancholie ist das Ich niedergedrückt, schuldhaft, gehemmt.

  • In der Manie scheint dieselbe psychische Instanz plötzlich „befreit“.

Das berühmte freudsche Motiv lautet:

In der Manie feiert das Ich einen Sieg, ohne genau zu wissen, worüber.

Damit meinte Freud: Der eigentliche Konflikt bleibt unbewusst. Sichtbar wird nur die überschießende Befreiungsreaktion.

Verlust als verborgener Kern

Im Zentrum steht bei Freud der Begriff des Objektverlustes.

Das „Objekt“ ist psychoanalytisch:

  • die Mutter,

  • der Vater,

  • ein Liebesobjekt,

  • Anerkennung,

  • Geborgenheit,

  • oder eine narzisstische Selbstvorstellung.

Wenn das Kind erlebt, dass Liebe unsicher, wechselhaft oder enttäuschend ist, entsteht ein tiefer Konflikt:

  • Sehnsucht nach Bindung,

  • Wut auf die Abhängigkeit,

  • Angst vor Verlassenwerden,

  • Schuld wegen aggressiver Impulse.

Die Melancholie entsteht, wenn der Verlust gegen das eigene Ich gewendet wird:

„Ich bin wertlos.“

Die Manie dagegen kehrt das Verhältnis um:

„Ich brauche niemanden mehr.“

Dadurch erklärt sich die typische manische Allmachtsstimmung.

Die narzisstische Dimension

Freud verstand Manie auch als narzisstische Reparatur.

Ein Kind, das:

  • beschämt,

  • entwertet,

  • übersehen,

  • oder emotional inkonsistent behandelt wird,

entwickelt häufig ein fragiles Selbstgefühl. Hinter vielen manischen Größenfantasien vermutete Freud deshalb einen frühen narzisstischen Hunger.

Die manische Selbstüberhöhung dient dann der psychischen Stabilisierung:

  • Grandiosität ersetzt Minderwertigkeit.

  • Omnipotenz ersetzt Hilflosigkeit.

  • Triumph ersetzt Kränkung.

Deshalb wirken manische Zustände oft gleichzeitig:

  • faszinierend,

  • kreativ,

  • charismatisch, aber auch:

  • hektisch,

  • aggressiv,

  • realitätsfern,

  • und innerlich instabil.

Die Rolle der Ambivalenz

Ein zentrales freudsches Motiv ist Ambivalenz: Das Kind liebt und hasst dieselbe Person.

Besonders in frühen Elternbeziehungen entsteht häufig:

  • Liebe zur Mutter,

  • aber zugleich Wut über Frustration,

  • Abhängigkeit,

  • Zurückweisung,

  • oder Rivalität.

Freud nahm an, dass diese gegensätzlichen Gefühle oft nicht integriert werden können. Die Manie erscheint dann wie eine psychische Flucht vor innerer Zerrissenheit.

Darum haben manische Zustände häufig etwas:

  • rauschhaftes,

  • beschleunigtes,

  • ideenflüchtiges,

  • fast anti-tragisches.

Die Psyche erlaubt keine Ruhe mehr, weil Stille die verdrängte Trauer zurückbringen könnte.

Das Über-Ich schweigt

Besonders interessant ist Freuds Gedanke zum Über-Ich.

In der Depression herrscht das Über-Ich tyrannisch:

  • Schuld,

  • Selbstvorwürfe,

  • Minderwertigkeit,

  • moralische Selbstangriffe.

In der Manie scheint dieses innere Gericht plötzlich suspendiert.

Der Mensch erlebt:

  • keine Grenzen,

  • keine Schuld,

  • keine Hemmung.

Deshalb beschreiben manche Psychoanalytiker Manie als:

„Ferien vom Über-Ich.“

Doch genau darin liegt auch die Gefahr: Die Realität verliert ihre korrigierende Funktion.

Die Tragödie hinter der Euphorie

Freud sah in der Manie letztlich keine echte Befreiung, sondern eine dramatische psychische Gegenbewegung gegen:

  • Verlust,

  • Depression,

  • Schuld,

  • Ohnmacht,

  • und Abhängigkeit.

Die Euphorie verdeckt den Schmerz, hebt ihn aber nicht auf.

Darin liegt die tragische Struktur: Je höher der manische Triumph steigt, desto stärker kann später der depressive Zusammenbruch werden. Die Psyche pendelt zwischen:

  • Selbstvernichtung in der Melancholie und

  • Selbstvergöttlichung in der Manie.

Gerade deshalb besitzt Freuds Theorie eine beinahe tragödienhafte Dimension, ähnlich den Konflikten in den Werken von Sophokles: Der Mensch versucht, einem inneren Schicksal zu entkommen — und wird gerade dadurch von ihm verfolgt.


2 Kommentare


Martin Döhring
Martin Döhring
26. Mai

Freud sah die Wurzeln manischer Zustände in frühen Beziehungserfahrungen, besonders in Situationen, in denen ein Kind extreme Ambivalenz, Verlustangst und narzisstische Kränkungen erlebt – und diese später durch manische Abwehrmechanismen „überdeckt“.

 Freuds Sicht: Welche Kindheitsbedingungen begünstigen manische Entwicklungen?

1. Frühe Verlusterfahrungen oder Trennungen

Freud ging davon aus, dass Manie eine Reaktion auf einen unbewältigten Verlust ist. In der Kindheit können das sein:

  • Verlust einer wichtigen Bezugsperson (real oder emotional)

  • emotionale Abwesenheit der Mutter

  • häufige Trennungen oder instabile Bindungen

Das Kind erlebt Trauer, kann sie aber nicht verarbeiten – später wird diese Trauer in der Manie überschwänglich verleugnet.

2. Übermäßige Abhängigkeit von der Mutter / primären Bezugsperson

Wenn ein Kind sehr abhängig ist, aber gleichzeitig Frustration erlebt, entsteht ein Konflikt zwischen Liebe…

Gefällt mir

Martin Döhring
Martin Döhring
09. März 2023

Es war herrlich!

Gefällt mir
SIGN UP AND STAY UPDATED!
  • Grey Google+ Icon
  • Grey Twitter Icon
  • Grey LinkedIn Icon
  • Grey Facebook Icon

© 2023 by Talking Business.  Proudly created with Wix.com Martin Döhring Engelstrasse 37 in D-55124 Mainz

bottom of page