Ovarialkarzinom - Eierstockkrebs
- Martin Döhring

- 3. Jan. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 29. Apr.
I

ch geh das mit dir wie einen klinischen Pfad durch – von der ersten Ahnung bis zur hochmodernen Systemtherapie. Wichtig vorweg: Das ersetzt keine ärztliche Beratung; bei konkreten Beschwerden oder Befunden ist immer eine Gynäkologin / ein Onkologe die richtige Adresse.
1. Erster Verdacht: Symptome, Ultraschall, Tumormarker
1.1 Klinische Situation
Unspezifische Beschwerden: Blähbauch, Völlegefühl, Bauchumfang, Müdigkeit, Zyklusveränderungen.
Oft Zufallsbefund.
1.2 Vaginaler Ultraschall
Beurteilung der Eierstöcke:
solide Anteile, Septen, Papillen
freie Flüssigkeit (Aszites)
bilaterale Befunde
Erste Einschätzung: eher gutartig vs. suspekt.
1.3 Tumormarker im Labor
Typisch: CA‑125, ggf. HE4, ROMA‑Score.
Wichtig:
Erhöht = Hinweis, aber nicht Beweis.
Normale Werte schließen Krebs nicht sicher aus.
Dienen später auch zur Verlaufskontrolle.
2. Bildgebung zur Ausbreitungsdiagnostik
2.1 CT (Thorax/Abdomen/Becken)
Beurteilung von:
Peritonealkarzinose
Lymphknoten
Leber, Milz, Zwerchfell, Lunge
Ziel: Staging (FIGO‑Stadium), OP‑Planung.
2.2 ggf. MRT / PET‑CT
Bei unklaren Befunden oder Studienprotokollen.
3. Sicherung der Diagnose: Operation oder Biopsie
Beim Ovarialkarzinom ist die Operation oft gleichzeitig Diagnostik und Therapie.
3.1 Primäroperation (wenn operabel)
Laparotomie (Bauchschnitt).
Entnahme von Aszites / Spülflüssigkeit zur Zytologie.
Entfernung von:
Uterus
Ovarien
Omentum (großes Netz)
sichtbaren Tumorherden
Ziel: makroskopische Tumorfreiheit.
3.2 Biopsie bei inoperabler Situation
Wenn Tumorlast zu hoch oder Patientin zu schwach:
Peritoneal‑ oder Ovarbiopsie (laparoskopisch oder CT‑gezielt).
Danach zunächst neoadjuvante Chemotherapie, OP später.
3.3 Histologie
Bestimmung von:
Tumortyp (high‑grade serös, endometrioid, klarzellig etc.)
Grading
Immunhistochemie
ggf. molekulare Marker.
4. Operation als zentraler Therapieschritt
4.1 Ziel
Möglichst kein sichtbarer Tumor im Bauchraum (R0‑ähnliche Situation).
Je weniger Resttumor, desto besser die Prognose.
4.2 Umfang
Hysterektomie + bilaterale Adnexektomie.
Omentektomie.
Peritoneale Biopsien, ggf. Resektion befallener Darmanteile, Zwerchfell, Milzkuppe etc.
Lymphknotenentnahme je nach Stadium und Leitlinie.
4.3 Alternative: Intervall‑Debulking
Erst 3–4 Zyklen Chemo, dann OP, dann weitere Chemo – wenn Primäroperation nicht sinnvoll möglich war.
5. Adjuvante (bzw. perioperative) Chemotherapie
Fast alle Patientinnen mit Ovarialkarzinom erhalten eine platinbasierte Chemotherapie.
5.1 Standardregime
Carboplatin + Paclitaxel, meist alle 3 Wochen, ca. 6 Zyklen.
5.2 Ziele
Abtöten von Mikrometastasen und nicht sichtbarer Resttumorherde.
Verbesserung von progressionsfreiem und Gesamtüberleben.
5.3 Ergänzungen
Bei fortgeschrittenen Stadien: Bevacizumab (Angiogenesehemmer) zusätzlich, oft schon während der Chemo begonnen und danach als Erhaltung fortgeführt.
6. Molekulare Diagnostik und personalisierte Erhaltungstherapie
6.1 Molekulare Testung
BRCA1/2‑Mutation (Keimbahn und somatisch).
HRD‑Status (Homologe Rekombinationsdefizienz).
Weitere Marker je nach Zentrum/Studie.
6.2 Erhaltungstherapie Ziel: Rückfall verhindern, Mikrometastasen langfristig kontrollieren.
PARP‑Inhibitoren (z. B. Olaparib, Niraparib):
Besonders bei BRCA‑Mutation oder HRD‑positiv.
Bevacizumab:
Fortführung nach Chemo bei entsprechender Indikation.
Kombination PARP‑Inhibitor + Bevacizumab bei bestimmten Profilen.
Hier beginnt im Grunde schon die gezielte Therapie gegen Mikrometastasen – pharmakologisch, nicht als klassische Vakzine.
7. Vakzinierung gegen Mikrometastasen (immunologische Perspektive)
Klassische Leitlinien sprechen noch nicht von „Standard‑Impfung“ gegen Ovarialkarzinom, aber das Konzept, das du ansprichst, geht in diese Richtung:
7.1 Immunologische Strategien in Entwicklung
Tumorvakzine (Peptid‑, Zell‑ oder mRNA‑basiert) gegen tumorassoziierte Antigene.
Ziel:
T‑Zellen gegen minimale Resterkrankung aktivieren.
Mikrometastasen immunologisch kontrollieren oder eliminieren.
7.2 Funktionell verwandt mit Erhaltungstherapie
PARP‑Inhibitoren + Immuntherapie (Checkpoint‑Blockade) + evtl. Vakzine →
Systemische Langzeitkontrolle von Mikrometastasen.
Das ist aktuell eher klinische Forschung / frühe Anwendung als flächendeckender Standard – aber genau dort bewegt sich die Zukunft.
8. Der Weg in einer klaren Linie
Ultraschall → Verdacht auf Ovarialtumor
Tumormarker (CA‑125 etc.) → Hinweis, Verlauf
CT (± MRT/PET‑CT) → Staging, OP‑Planung
OP oder Biopsie → histologische Sicherung
Radikale Tumoroperation → Debulking, Ziel: makroskopische Tumorfreiheit
Adjuvante / perioperative Chemotherapie → systemische Reinigung
Molekulare Diagnostik → BRCA/HRD etc.
Erhaltungstherapie (PARP‑Inhibitoren ± Bevacizumab) → Angriff auf Mikrometastasen
Immunologische Strategien / Vakzinierung (in Studien) → langfristige Tumorkontrolle




molekulare PARP‑Inhibitionsszene
PARP‑Inhibition in einer BRCA‑mutierten Ovarialkarzinom‑Mikrometastase mit Fokus auf:
DNA‑Doppelstrang
kollabierende Replikationsgabel
blockiertes PARP1
γ‑H2AX‑Foci
Chromatin‑Auflösung
apoptotische Fragmentierung
DNA‑Doppelstrang
kollabierende Replikationsgabel
blockiertes PARP1
γ‑H2AX‑Foci
Chromatin‑Auflösung
apoptotische Fragmentierung .... copyright by martin döhring ...
Hier noch ein paar weitere Schnittbilder unter dem Mikroskop