Oberarmbruch chirurgisch versorgt
- Martin Döhring

- 16. Juni 2020
- 2 Min. Lesezeit
Chirurgische OP Korrektur einer Fraktur (Bruch): Osteosynthese am Humerus (Oberarmknochen)
Unter dem Begriff Osteosynthese werden häufig chirurgische Verfahren bezeichnet, bei denen Metallteile wie Schrauben und Platten und ähnliches eine Knochen -Kontinuität wiederherstellen oder erhalten.
Osteosynthese am proximalen (rumpfnahen) Humerus
Typisches Auftreten der Fraktur am proximalen Humerus
ist beim älteren Menschen
Sturz auf Schulter oder Oberarm
oft kombiniert mit Abriß des Tuberculum majus oder minus (3- oder 4-Segment-Frakturen)
pathologische Frakturen bei Tumormetastasen oder primären Knochentumoren
Indikation:
Luxationsfraktur
dislozierter Tuberculumabriß
Operation
OP-Dauer: 20 (bei gedeckter Bohrdrahtosteosynthese)-120 Minuten
Verfahren
Frakturen des Tuberculum majus: Reposition und Fixierung mit Spongiosaschrauben
und Zuggurtung
instabile subkapitale Humerusfrakturen: gedeckte oder offene Bohrdrahtosteosynthese, Osteosynthese mit T-Platte
intraartikuläre Frakturen: offene Schrauben- oder Bohrdrahtosteosynthese, gegebenenfalls mit Spongiosplastik
intraartikuläre Frakturen mit Luxation: Implantation einer Humeruskopfprothese
operativer Zugang:
oberer Zugang: Tuberculum majus-Fraktur (auch bei Rotatorenmanschettennaht, Akromioplastik)
- Hautschnitt von der Mitte des AC-Gelenks bogenförmig nach ventrolateral ca. 8 cm
- stumpfes Spalten des M.deltoideus
- Spalten der Fascia subdeltoidea (cave: N.axillaris)
- vorderer seitlicher Zugang: Frakturen am Humeruskopf einschließlich Prothesenimplantation
- Hautschnitt vom lateralen Rand des Korakoids ca. 8cm nach distal
- Eingehen in den Sulcus deltoideopectoralis, V. Cephalica nach lateral halten
- gegebenenfalls sparsame Desinsertion des M.deltoideus
Häufigste Verfahren:
Schraubenosteosynthese einer Tuberculum-majus-Fraktur
- oberer Zugang
- Reposition des Tuberculum majus
- Fixierung mit zwei parallel eingebrachten Kleinfragment-Spongiosaschrauben ohne
Unterlegscheibe
- gegebenenfalls Zuggurtung
- Bildwandlerkontrolle
- Redondrainage in den Sulcus deltoideopectoralis, Subkutannähte, Hautnähte oder Klammern
gedeckte Bohrdrahtosteosynthese
- Zugang perkutan über kleine Stichinzisionen von lateral(seitlich)
- Aufsetzen des Kirschnerdrahtes in rechtem Winkel zum Schaft unterhalb der Fraktur
- beim Durchbohren der Kortikalis Senken der Bohrmaschine, so dass der Draht durch die Fraktur in den Humeruskopf vordringt
insgesamt Einbringen von 2-3 Kirchsnerdrähten , deren Spitzen subchondral liegen sollten
Bildwandlerkontrolle
Drähte auf Subkutanniveau kürzen und Enden umbiegen
Verschluss der Stichinzisionen mit Einzelkopfnähten
offene Bohrdrahtosteosynthese mit Drahtcerclage
- vorderer seitlicher Zugang
- Kirschnerdrähte wie bei der gedeckten Bohrdrahtosteosynthese einbringen
- Zusätzlich Cerclagedraht, kranial durch die Sehne des M.supraspinatus, distal transossär durch den Humerus unterhalb der Fraktur
- Bildwandlerkontrolle
- Redondrainage in den Sulcus deltoideuspectoralis, Subkutannähte, Hautnähte, oder - klammern
OP-Nachbehandlung
postoperative Lagerung mit Arm in Abduktion auf einem Kissen oder im Gilchrist-Verband
Entfernen der Redondrainage nach 24-48h Stunden
Beginn mit passiven Bewegungsübungen nach Entfernen der Redondrainage, aktiv nach 4-6 Tagen
funktionsstabile Osteosynthesen (Schrauben, Zuggurtung, Plattte) sofortige Beginn mit passiven und aktiven Bewegungsübungen
Entfernung des Nahtmaterials ab dem 10. bis 12. postoperativen Tag
Röntgenkontrollen: OP-Tag nach 3-4 Wochen vor Vollbelastung
Rehabilitation
- volle Belastung der Schulter nach 6-8 Wochen
- Metallentfernung fakultativ
- bei Entzündungsreaktionen und Bewegungsstörungen
- perkutan eingebrachte Bohrdrähte nach 8-12 Wochen auch ambulant in L.A. Ziehen
eventuelle Komplikationen und deren Therapie
Wanderung eines Kirschnerdrahtes: Entfernung des Kirschnerdrahtes in L.A. Und vorübergehende Ruhigstellung im Desault- oder Gilchrist-Verband
Humeruskopfnekrose: Implantation einer Humeruskopfnekrose
Achsenfehlstellung: Korrekturosteotomie mit Keilresektion im subkapitalen Bereich mit Stabilisierung mit Plattenosteosynthese beim jüngeren Patienten
Besonderheiten:
konservative Behandlung: vor allem beim älteren Menschen mit stabiler proximaler Humerusfraktur und subkapitaler Humerusfraktur kurzfristige Ruhigstellung (ca. 6-8 Tage) im Desault oder GilchristVerband und anschließend aktive Bewegungsübungen
- Implantation einer Humeruskopfprothese : meist bei 4-Fragment-Frakturen mit Luxation wegen Entwicklung einer Kopfnekrose in bis zu 50% der Fälle
Osteosynthese am Humerusschaft
Häufigste Verfahren:
Plattenosteosynthese von Humerusfrakturen im mittleren und unteren Drittel
gewählt wird ein dorsaler Zugang
Darstellen der Fraktur und weichteilschonende Reposition (Einrichten)
gegebenenfalls intrafragmentäre Zugschraube einbringen
leichtes Vorbiegen einer DC-Platte (mindestens 7-Loch-Platte)
einschieben der Platte, gegebenenfalls zwischen Knochen und N.radialis (cave: Metallentfernung ), Fossa olecrani muss frei bleiben
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