Nexus - die 10 auf dem Altar als Opferlamm abschlachten?
- Martin Döhring

- vor 4 Tagen
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## Von Antigone, Jung, Nietzsche und den amerikanischen Grabsteinen
Es begann nicht mit der Psychoanalyse.
Es begann mit Friedhöfen. Oder mit dem Leichenschänder.
Mit der Imperial Crypt in Wien. Mit Soldatenfriedhöfen. Mit amerikanischen Grabsteinen in Key West oder San Francisco. Den Fahnen auf dem Campus der Pepperdine University in Malibu für die Opfer des 9/11. Ein großes Doppelhaus (die Türme des World Trade Centers) wurde mit mehreren Attentatsschlägen völlig zum Einsturz gebracht. Kollektive Terrorhandlung einer Form des Islam.
Mit der eigenen Familiengruft. Mit der irritierenden Faszination für Totenkulte, Ahnenrituale und jene seltsame Ruhe, die von Orten ausgeht, an denen die Lebenden versuchen, mit den Toten weiterzusprechen.
Die erste und vielleicht unangenehmste Frage lautet deshalb:
Ist das eine nekrophile Obsession?
Die Antwort ist komplizierter.
Denn wer sich für Gräber interessiert, interessiert sich nicht zwangsläufig für den Tod, sondern oft für Bindung. Für Erinnerung. Für Loyalität. Für das Problem, wie Menschen mit Vergangenheit umgehen. Genau an dieser Stelle reicht Sigmund Freud allein möglicherweise nicht mehr aus.
Freud erklärte die Triebe.
Aber was ist mit den Ahnen?
Hier beginnt Carl Gustav Jung.
Freud analysierte die Familie als Konfliktfeld aus Libido, Verbot und Verdrängung. Seine großen Modelle waren der Ödipuskomplex und später die Elektra-Konstellation. Doch eine Figur behandelte er nie wirklich systematisch: Antigone.
Und genau dort beginnt vielleicht die eigentliche Schwierigkeit.
Antigone liebt nicht erotisch im klassischen Sinne. Ihre Bindung ist tiefer, starrer und beinahe absolut. Sie bleibt den Toten verpflichtet, selbst gegen Staat, Vernunft und Selbsterhaltung. Psychoanalytisch könnte man dies als inzestuös-libidinöse Objektbindung beschreiben. Aber diese Erklärung allein genügt nicht. Antigone handelt nicht bloß aus verdrängtem Trieb. Sie handelt aus mythischer Loyalität.
Damit berühren wir den Punkt, an dem Jung gegen Freud einen Treffer landet.
Denn Jung ergänzt die Psychoanalyse um Archetypen, kollektive Bilder und Ahnenstrukturen. Der Mensch ist für Jung nicht nur ein sexuelles oder neurotisches Wesen, sondern auch Träger kultureller Muster. Herrscher, Opfer, Tyrannen, Helden, Priester oder Verräter werden internalisiert und strukturieren das Verhalten. Manche Menschen leben nicht nur ihr eigenes Leben, sondern unbewusst auch das ihrer Vorfahren.
Vielleicht deshalb die Habsburger.
Die Rituale des Hauses House of Habsburg wirken auf moderne Menschen oft grotesk: Kapuzinergruft, Totenzermonien, Schädel, Imperien aus Staub. Doch psychologisch betrachtet handelt es sich um hochkomplexe Strategien der Erinnerungspolitik. Der Tote bleibt präsent. Macht überlebt biologischen Tod durch Symbolik.
Wer die Kaisergruft besucht, begegnet nicht bloß Leichen.
Er begegnet verdichteter Geschichte.
Deshalb faszinieren manche Menschen amerikanische Grabsteine, Soldatenfriedhöfe oder Familiengrüfte. Nicht weil sie den Tod lieben, sondern weil sie versuchen zu verstehen, wie Bindung über den Tod hinaus organisiert wird.
Hier berührt die Frage auch Friedrich Nietzsche.
Nietzsche war vielleicht zwangsläufig ein weltlicher Pfarrer ohne Gott. Er verließ das Christentum, behielt aber dessen existentielle Schwere. Seine Philosophie versucht eine Erlösung ohne Transzendenz. Gerade deshalb blieb ihm oft nur Askese: geistige Radikalität, Einsamkeit und Sublimation.
Man könnte spekulativ sagen, Nietzsche litt weniger an bloßer Krankheit als an einer Form tertiären Narzissmus – einer zivilisatorischen Ich-Implosion. Nicht bloß verletzte Eitelkeit, sondern die Überforderung eines Bewusstseins, das keine stabile symbolische Ordnung mehr akzeptieren konnte.
Er machte vieles richtig.
Vielleicht zu viel.
Doch ihm fehlte möglicherweise operative psychische Vermittlung: eine Fähigkeit, mit Archetypen, Ahnenbildern und inneren Gegensätzen produktiv umzugehen. Ohne religiöse Einbettung und ohne tragfähige emotionale Bindung blieb nur die permanente Selbstüberwindung. Das erzeugt Größe – aber auch Erschöpfung.
Deshalb endet Nietzsche in Turin nicht einfach als „verrückter Philosoph“, sondern beinahe als Opfer seiner eigenen Radikalität.
Und hier wird plötzlich auch der psychoanalytische Witz verständlich:
> War Odysseus am Ende nur noch Hausmeister?
Denn jede Heldenreise endet irgendwann profan.
Der Mythos kollidiert mit Alltag, Alter und Verwaltungsrealität. Der Held kehrt heim – und muss plötzlich Rechnungen bezahlen, Türen öffnen und beschädigte Räume instand halten.
Das ist die Tragik moderner Existenz.
Auch die „10“ gehört in diesen Zusammenhang. Der Mythos der vollkommenen modernen und libertären und aufgeklärten Frau – ikonisiert etwa durch den Film "10 - die Traumfrau" mit Bo Derek – ist weniger Erotik als Projektionsfläche. Die „10“ kompensiert Ängste vor Alter, Potenzverlust und Mittelmäßigkeit. Sie wird nicht als reale Person betrachtet, sondern als psychische Funktion. Die 10 spielt Mann (Playgirl) aber ist immer noch Frau. Sie suggeriert ein Angebot ohne Bindungsverpflichtung.
Genau deshalb entsteht Aggression.
Denn die idealisierte Frau bedroht zugleich männliche Tarnungen und fragile Selbstbilder. Sie zwingt zur Konfrontation mit Konkurrenz, Versagen und Maskerade. In neurotischen Gruppenphantasien wird sie deshalb entweder vergöttlicht oder vernichtet.
Hier muss allerdings eine klare Grenze gezogen werden:
Die Vorstellung, eine Frau „substitutionell“ töten oder vernichten zu müssen – selbst metaphorisch – verweist nicht auf legitime Psychoanalyse, sondern auf destruktive Gewaltphantasien. Psychoanalyse erklärt solche Impulse; sie legitimiert sie nicht.
Freud bleibt deshalb wichtig, weil er gezeigt hat, dass der Mensch nicht Herr im eigenen Haus ist. Jung bleibt wichtig, weil er ergänzte, dass dieses Haus voller Geister steht.
Und vielleicht verbindet genau das all diese Bilder:
Antigone,
Friedrich Nietzsche,
die Imperial Crypt,
amerikanische Grabsteine,
Ernest Hemingway,
Truman Capote,
die tausende Flaggen als Totem der 9/11
und die Frage nach Odysseus.
Nicht der Tod steht im Zentrum.
Sondern die Bindung.
Die eigentliche Frage lautet daher vielleicht nicht:
„Warum interessieren mich Gräber?“
Sondern:
> Wie lebt ein Mensch weiter, ohne Gefangener seiner Toten zu werden?
Kann eine Gruppe von Menschen auf die Idee kommen, eine 10 exemplarisch, als pars pro toto auf dem Altar als Opferlamm in realiter abzuschlachten? Und zwar um einen Nexus ein für alle Mal zu beenden? Oder ein Verhaltensmuster? Die 10 bietet eine Erlösung für bestimmte Männer oder Muster. Sie ahmt deren Verhalten 1:1 nach ("Playgirl" oder die amerikanische Schuhverkäuferin). Das ist ihr Reiz. Und worin kann der Sinn bestehen , diesen Nexus endgültig zu beenden? Und diese Frau zu töten, mit einem Gimpel, der überlistet wird, als Täterwerkzeug zu fungieren? Ein Tabubruch, der gar nicht wahrgenommen wird?
Diese Geschichte ist nicht beendet.
Ich stelle ersatzweise und vorbehaltlich sowie hinterhältig die Frage, aus Gründen, ob denn das "Sandmännchen" wieder da ist...
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Eine sehr besondere Schrift von Sigmund Freud heißt „Totem und Tabu“.
Totem ist einfach als Beispiel : Die Flaggen in den Landesfarben der Opfer des 9/11 auf dem Campus der Pepperdine University.
Die Erklärung eines real existierenden Tabu ohne dessen gesetzliche Einforderung ist viel schwieriger.
Ich gehe jetzt wieder den mühsamen Weg, den Mythos (Aberglaube oder Verklärung) zu lesen und in Logos (Wissenschaft ohne Metaphysik) zu übersetzen. Eine Metamorphose.... Eine Verwandlung aber nicht der miese Zauber der Christen.
Ein normales und bekanntes Tabu heißt Inzest. Und hier kommen wir zur Antigone des Sophokles.
Nietzsche hat sich quasi selbst in einen asketischen tertiär-narzistischen Weltlichen Priester verwandelt, übrigend ungewollt. Dies ist die notwendige Konsequenz aus einem Tabu, welches er selbst geschaffen hat.