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Morbus Parkinson

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 20. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

Die Parkinson-Krankheit (Morbus Parkins on) ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen. Sie betrifft vor allem ältere Menschen und führt zu charakteristischen Bewegungsstörungen, aber auch zu psychischen und vegetativen Symptomen. Ich erkläre dir die Entstehung (Pathogenese) und die Behandlung vollständig und strukturiert:

 1. Pathogenese – Wie Parkinson entsteht

a) Degeneration dopaminerger Neuronen

  • Der Kernprozess ist der Untergang von Nervenzellen in der Substantia nigra pars compacta, einem Teil des Mittelhirns.

  • Diese Zellen produzieren Dopamin, einen Neurotransmitter, der Bewegungen fein reguliert.

  • Durch ihren Verlust entsteht ein Dopaminmangel im Striatum (Putamen + Nucleus caudatus).

b) Neurochemisches Ungleichgewicht

  • Dopamin hemmt normalerweise überaktive cholinerg-glutamaterge Netzwerke.

  • Wenn Dopamin fehlt, überwiegt die hemmende Aktivität → Bewegungen werden verlangsamt und starr.

  • Das Gleichgewicht zwischen Dopamin, Acetylcholin, Glutamat und GABA ist gestört.

c) α-Synuclein und Lewy-Körper

  • In den betroffenen Nervenzellen lagert sich das Protein α-Synuclein fehlgefaltet ab.

  • Diese Ablagerungen heißen Lewy-Körper und gelten als pathologisches Kennzeichen.

  • Sie stören Zellfunktionen, führen zu oxidativem Stress und Zelltod.

d) Genetische und Umweltfaktoren

  • Meist sporadisch, aber ca. 10 % genetisch bedingt (Mutationen in LRRK2, PARK2, SNCA u. a.).

  • Umweltfaktoren: Pestizide, Lösungsmittel, Kopftraumata, Mitochondrien-Toxine.

  • Schutzfaktoren: körperliche Aktivität, Koffein, Nikotin (paradoxerweise).

e) Fortschreitende Neurodegeneration

  • Beginn im Mittelhirn → Ausbreitung auf andere Hirnregionen (nach Braak-Stadien).

  • Später auch limbisches System und Kortex betroffen → kognitive und psychische Symptome.

⚙️ 2. Klinische Hauptsymptome

Kategorie

Symptom

Beschreibung

Motorisch

Bradykinese

Verlangsamte Bewegungen

Motorisch

Rigor

Muskelsteifigkeit

Motorisch

Ruhetremor

Zittern in Ruhe, typischerweise „Münzenrollen“

Motorisch

Posturale Instabilität

Gleichgewichtsstörung, Sturzneigung

Nicht-motorisch

Depression, Schlafstörung, autonome Dysfunktion, Demenz

Folge der Ausbreitung über dopaminerge Systeme hinaus

 3. Behandlung – multimodal

a) Medikamentöse Therapie

1. Dopaminersatz

  • L-Dopa (Levodopa) + Decarboxylasehemmer (Carbidopa oder Benserazid) → Goldstandard, ersetzt fehlendes Dopamin. → Wirksam gegen Bradykinese und Rigor. → Langzeitproblem: Wirkungsschwankungen und Dyskinesien.

2. Dopaminagonisten

  • Pramipexol, Ropinirol, Rotigotin, Apomorphin. → Stimulieren Dopaminrezeptoren direkt. → Weniger Dyskinesien, aber mehr psychische Nebenwirkungen (Halluzinationen, Impulskontrollstörungen).

3. MAO-B-Hemmer

  • Selegilin, Rasagilin, Safinamid. → Hemmen Dopaminabbau, verlängern Wirkung.

4. COMT-Hemmer

  • Entacapon, Opicapon. → Verlängern L Dopa Wirkung.

5. Anticholinergika

  • Bei starkem Tremor, vor allem bei jüngeren Patienten. → Vorsicht bei älteren wegen kognitiver Nebenwirkungen.

6. Amantadin

  • Glutamat-Antagonist, wirkt gegen Dyskinesien und leicht antiparkinsonisch.

b) Nicht-medikamentöse Therapie

  • Physiotherapie: Beweglichkeit, Gleichgewicht, Gangtraining.

  • Ergotherapie: Alltagshandlungen, Feinmotorik.

  • Logopädie: Sprache, Schlucken.

  • Psychotherapie: Depression, Anpassung an chronische Krankheit.

c) Chirurgische Therapie

Wenn Medikamente nicht mehr ausreichen:

Tiefe Hirnstimulation (THS)

  • Elektroden im Nucleus subthalamicus oder Globus pallidus internus.

  • Elektrische Impulse modulieren gestörte Netzwerke.

  • Reduziert Tremor und Dyskinesien, verbessert Beweglichkeit.

d) Experimentelle Ansätze

  • Gentherapie (LRRK2-Inhibition, GDNF-Stimulation).

  • Stammzelltransplantation zur Regeneration dopaminerger Neuronen.

  • Neuroprotektive Substanzen (Antioxidantien, mitochondriale Schutzmechanismen).

  • Digitale Therapien: Wearables zur Bewegungsanalyse, KI-basierte Dosierungssteuerung.

 4. Verlauf und Prognose

  • Langsam fortschreitend über Jahre bis Jahrzehnte.

  • Frühe Therapie verbessert Lebensqualität deutlich.

  • Spätstadien: Gangunsicherheit, Demenz, Schluckstörungen.

  • Lebenserwartung meist nur leicht reduziert bei guter Behandlung.

 5. Zusammenfassung

Entstehung: Degeneration dopaminerger Neuronen → Dopaminmangel → gestörte Bewegungssteuerung. Ursachen: genetisch, toxisch, altersbedingt, α-Synuclein-Ablagerung.

Behandlung:

  • Medikamentös (L-Dopa, Agonisten, Hemmer).

  • Nicht-medikamentös (Physio, Ergo, Psycho).

  • Chirurgisch (Tiefe Hirnstimulation).

  • Experimentell (Zell- und Gentherapie).



 
 
 

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