ZNS Tumore nach WHO Klassifikation
- Martin Döhring

- 9. Jan. 2021
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. Apr.

aktuelle WHO-Klassifikation (ZNS-Tumore, WHO 2021/2024-Updates) sowie nach moderner molekularer Onkologie.
🧠 Neurogene Tumoren – präzisierte Systematik
🧠 1. Zentrale neurogene Tumoren (ZNS)
🔬 A. Reine neuronale und embryonale Tumoren
Hier ist eine wichtige Differenzierung notwendig:
👉 Neuroblastom & Ganglioneuroblastom
Streng genommen periphere neuroblastische Tumoren, nicht primär ZNS
Ursprung: Neuralleistenderivate (sympathisches Nervensystem)
👉 Medulloblastom
Gehört zur Gruppe der embryonalen ZNS-Tumoren
Subgruppen (entscheidend für Prognose!):
WNT (beste Prognose)
SHH
Group 3 (MYC-getrieben, aggressiv)
Group 4
👉 Esthesioneuroblastom
Grenzfall zwischen ZNS und peripherem System
Ursprung: olfaktorisches Neuroepithel (Neuralleiste/Plakode)
👉 Ganglioneurom
Vollständig differenziert → biologisch benign
Endpunkt der Neuroblastom-Differenzierungsreihe
⚖️ B. Glioneuronale Tumoren (WHO-definiert)
Diese Kategorie ist heute klar molekular definiert:
Gangliogliom
Häufig BRAF V600E
Niedriggradig (WHO Grad 1–2)
Klassisch epileptogen
DNET (Dysembryoplastischer neuroepithelialer Tumor)
Entwicklungsstörung mit neoplastischem Charakter
Typisch: „floating neurons“ in mucinöser Matrix
👉 Ergänzung:
Diffuse glioneuronale Tumoren (neuere WHO-Kategorie)
Papillärer glioneuronaler Tumor
⚡ 2. Periphere neurogene Tumoren
🧬 A. Nervenscheidentumoren
Schwannom
S100-positiv, gut abgegrenzt
NF2-assoziiert (Merlin-Verlust)
Neurofibrom
Mischpopulation (Schwann-Zellen, Fibroblasten, Mastzellen)
plexiforme Form = Präkanzerose
MPNST
Hochmaligne
Häufig Transformation eines plexiformen Neurofibroms bei NF1
⚡ B. Paraganglionäre Tumoren
Phäochromozytom
Nebennierenmark
Katecholamin-produzierend
Paragangliom
Extraadrenal (z. B. Glomus jugulare)
👉 Molekular wichtig:
SDHx-Mutationen (Succinat-Dehydrogenase)
Pseudohypoxie-Signalweg
🧬 3. Zellbiologischer Ursprung (entscheidender Punkt)
Dein zentraler Gedanke ist korrekt, aber man kann ihn präziser formulieren:
👉 Die meisten „neurogenen Tumoren“ stammen nicht von reifen Neuronen, sondern von:
Neuralleistenzellen
neuronalen Vorläuferzellen
glialen Progenitoren
➡️ Reife Neuronen sind postmitotisch → praktisch keine Tumorquelle
🧬 4. Molekulare Onkologie – State of the Art
Tumor | Schlüsselalteration | Bedeutung |
Neuroblastom | MYCN, ALK | Prognose + Target |
Medulloblastom | WNT / SHH | Therapie-Stratifizierung |
Gangliogliom | BRAF V600E | Targetable |
MPNST | NF1, SUZ12, TP53 | Epigenetische Dysregulation |
Paragangliom | SDHB | Metastasierungsrisiko |
👉 Trend: Integration von Genomik + Methylom-Profiling (WHO-Klassifikation basiert zunehmend darauf)
💥 5. Therapeutische Frontlinien (2026)
🎯 Targeted Therapy
ALK-Inhibitoren (z. B. Crizotinib, Lorlatinib)
BRAF/MEK-Inhibition
SHH-Inhibitoren
👉 Problem: Tumorheterogenität + Resistenzentwicklung
🧠 Immunonkologie
Anti-GD2 (Standard beim Hochrisiko-Neuroblastom)
CAR-T:
Targets: GD2, B7-H3, L1CAM
Checkpoint-Inhibitoren: begrenzt wirksam im ZNS
🔁 Differenzierungstherapie
Retinsäure = klinischer Standard
Konzept: „Tumor → Reifung statt Zelltod“
🧬 Epigenetische Therapie
EZH2-Inhibitoren (v. a. bei MPNST)
HDAC-Inhibitoren
DNA-Methylierungs-Targeting
🚧 Zukunft (experimentell)
CRISPR (noch nicht klinisch etabliert!)
mRNA-Tumorvakzine
Einzelzell-Omics-gesteuerte Therapieplanung
🧩 Zentrale Aussage
Die wichtigste fachliche Präzisierung lautet:
👉 „Tumoren von Nervenzellen“ ist biologisch nur eingeschränkt korrekt.
Exakter:
Die meisten neurogenen Tumoren entstehen aus undifferenzierten neuralen Vorläuferzellen oder Neuralleistenderivaten, nicht aus reifen Neuronen.




Therapie Ansatz:
Strategie kann man plausibel und onkologisch konsistent konstruieren – aber sie muss sich an realen Limitierungen orientieren: Blut-Hirn-Schranke, Antigen-Heterogenität, Immunsuppression im ZNS. Wenn man diese drei Probleme sauber adressiert, wird das Konzept glaubwürdig.
🧠 Ausgangsszenario (Modell)
Wir nehmen einen zentralen glioneuronalen Tumor mit:
BRAF-Mutation (für Targeting geeignet)
Expression von GD2 / B7-H3 (immunologisch adressierbar)
Immunologisch „kaltes“ Mikromilieu
⚔️ 1. Immuntherapie-Strategie
„Synaptic Precision Immuno-Activation“ (SPIA)
🧬 Konzept
Eine mehrstufige, lokal aktivierte Immunantwort, die gezielt im ZNS „hochgefahren“ wird, ohne systemische Toxizität.
🔹 1. Dual-target CAR-T-Zellen
Targets:
GD2
B7-H3
Logik:
AND/OR-Gating → reduziert Off-Target-Effekte im Gehirn
🔹 2. Intrathekale Applikation
Umgehung der Blut-Hirn-Schranke
Direkte Applikation in:
Liquorraum oder Tumorhöhle
🔹 3. „Switchable CAR“ (Kontrollmechanismus)
CAR-T-Zellen werden nur aktiv, wenn ein löslicher Adapter-Antikörper vorhanden ist
→…
Nach meinem Kenntnisstand läuft eine Studie Phase 2 mit Patienten. Der Adenovirus p53 wird in dieser Studie kombiniert mit Checkpoint-Inhibitor anti-pd1 oder anti-pdl1 bei Kopf/Hals-Tumoren.
Gendicine - der erste zugelassene rekombinante humane Virus ist seit 12 Jahren in klinischem Gebrauch
Mit dem Versuch wurde eine deutliche Reduktion der Tumorgrösse erzielt, aber kein vollständiges Verschwinden.