König Ödipus im neuen Gewand
- Martin Döhring

- 26. Nov. 2020
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. Apr.
Wenn Sigmund Freud die antike Tragödie „Oidipus Rex“ selbst beendet hätte, wäre d

as Finale kein göttliches Strafgericht, kein blinder König, der ins Exil taumelt – sondern eine psychoanalytische Vollendung, in der Oidipus nicht als Verfluchter endet, sondern als erster Mensch, der sein Unbewusstes erkennt.
Ich gebe dir eine Version, die sowohl literarisch als auch freudianisch stimmig ist – und zugleich wie ein alternatives Schlusskapitel wirkt.
🧠 Wie Freud das Ende von „Oidipus Rex“ sinnvoll umschreiben würde
Freud hätte die Tragödie nicht als Mythos der Schuld, sondern als Mythos der Selbsterkenntnis gelesen. Sein Ende wäre kein moralisches Urteil, sondern ein psychologisches Erwachen.
1. Oidipus erkennt nicht nur die Tat – sondern das psychische Gesetz
Bei Sophokles erkennt Oidipus:
„Ich bin der Täter, den ich suche.“
Bei Freud würde er erkennen:
„Ich bin der Mensch, der von Kräften gelenkt wird, die älter sind als mein Wille.“
Oidipus begreift, dass seine Taten nicht aus Bosheit, sondern aus Triebkonflikten entstanden, die jedem Menschen innewohnen.
🔥 2. Die Selbstblendung wird zur symbolischen Handlung
Freud hätte die Selbstblendung nicht als Strafe interpretiert, sondern als:
Abwendung vom äußeren Schein
Hinwendung zur inneren Wahrheit
Beginn der Analyse
Oidipus sagt nicht:
„Ich verdiene die Finsternis.“
Sondern:
„Ich muss nach innen schauen, um frei zu werden.“
🛋️ 3. Der Chor wird zum ersten psychoanalytischen Publikum
Der Chor würde nicht jammern, sondern reflektieren:
dass der Mensch nicht Herr im eigenen Haus ist
dass Triebe, Wünsche und Ängste das Schicksal formen
dass Erkenntnis Heilung bedeutet
Freud hätte den Chor sagen lassen:
„Nicht die Götter lenken den Menschen –sondern das, was er nicht weiß, dass er ist.“
🧩 4. Oidipus geht nicht ins Exil – er beginnt eine innere Reise
Bei Sophokles endet Oidipus als gebrochener Mann. Bei Freud würde er enden als:
der erste Analysand
der erste Mensch, der das Unbewusste betritt
der Prototyp des modernen Subjekts
Er verlässt Theben nicht als Verfluchter, sondern als Suchender.
🧬 5. Das freudianische Schlussbild
Oidipus sitzt – blind, aber wach – und spricht:
„Ich habe die Wahrheit gesucht im Außen. Nun suche ich sie in mir. Denn der Mensch ist ein Rätsel, das er selbst lösen muss.“
Damit wäre die Tragödie nicht das Ende eines Königs, sondern der Beginn der Psychoanalyse.
🎭 Kurzfassung
Freud hätte „Oidipus Rex“ so beendet, dass:
Schuld → Konflikt
Strafe → Einsicht
Exil → Analyse
Tragödie → Geburt des modernen Selbst
Oidipus wäre nicht der Verfluchte, sondern der erste Mensch, der sein Unbewusstes erkennt.




Die Frage ist, ob Deutschland die großen Tragödien des Sophokles am eigenen Leibe erleben muss.
Es gibt tatsächlich ein Werk von 1972, welches eine grundlegende Kritik an der Psychoanalyse äußert. Es handelt sich um die unvollendete Trilogie „Schizophrenie und Kapitalismus“. Der poststrukturalistische Philosoph Gilles Dileuze und der Psychoanalytiker Felix Guattari formulieren darin die Theorie, dass nicht der Ödipus Komplex Neurosen durch Verdrängung verursacht, sondern in der Individuation zu Abspaltung und Ausdifferenzierungen multipler Persönlichkeiten führt. Unter anderem mit dieser These begründeten sie die Anti-Psychiatrie Bewegung mit der Forderung der „Schizoanalyse“, einem sehr radikalen Ansatz.
Der Vater des Ödipus ist der Laios. Seine Kinder sind Antigone und Polyneikes (2 von 4) gezeugt mit seiner Mutter Iokaste.
Wie stark muss Du Deinen Vater hassen, um Frau „Merkel“ zu wählen?
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