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Psychiatrie: Klapsmühle und Affenschloss

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 13. Nov. 2024
  • 2 Min. Lesezeit

...wenn man Sigmund Freud heute in das Frankfurter Affenschloss und in die moderne Psychiatrie stellen würde, dann würde er nicht empört reagieren – sondern analytisch, fast kühl, aber mit einer tiefen Sorge um das, was er „die Seele“ nannte.

Er würde drei Dinge gleichzeitig sehen: (1) die historische Revolution des Affenschlosses, (2) die Fortschritte der heutigen Psychiatrie, (3) und den Verlust der symbolischen Dimension, der ihn am meisten schmerzen würde.

Ich gebe dir das in einer klaren, freudianisch‑metapsychologischen Struktur.

1. Freud und das Affenschloss: Anerkennung der humanistischen Revolution

Das Frankfurter Affenschloss war im 19. Jahrhundert ein Bruch mit der Verwahrung, ein Übergang von Zwang und Wegsperren zu Behandlung, Beobachtung, Milieutherapie.

Freud würde das anerkennen. Er war kein Feind der Psychiatrie – er war ihr Kritiker, weil sie zu wenig verstand, nicht weil sie behandelte.

Er würde sagen:

„Hier begann die Entdämonisierung des Wahns. Der Kranke wurde wieder ein Mensch.“

Für Freud wäre das Affenschloss ein historischer Fortschritt, ein Schritt weg vom moralischen Urteil hin zur wissenschaftlichen Betrachtung.

2. Freud und die heutige Psychiatrie: Bewunderung und Kritik zugleich

Freud wäre beeindruckt von:

  • Neurobiologie

  • Pharmakologie

  • Bildgebung

  • Genetik

  • Notfallpsychiatrie

  • Suizidprävention

Er würde sagen:

„Ihr könnt heute sehen, was wir nur ahnten.“

Aber seine Kritik wäre strukturell, nicht moralisch:

a) Die Reduktion des Menschen auf Neurochemie

Freud würde sagen:

„Ihr behandelt die Erregung, aber nicht ihre Bedeutung.“

Er würde die moderne Psychiatrie als zu monokausal empfinden: Dopamin, Serotonin, Rezeptoren – ja. Aber wo bleibt:

  • die Geschichte,

  • die Übertragung,

  • die Symbolik,

  • die unbewusste Konfliktdynamik?

b) Verlust der Hermeneutik

Freud würde sagen:

„Der Wahn ist ein Text. Ihr lest ihn nicht mehr.“

Er würde kritisieren, dass Psychosen heute oft nur stabilisiert, aber nicht verstanden werden.

c) Das Über‑Ich der Institution

Freud würde sehen, dass moderne Kliniken oft:

  • überlastet,

  • unterfinanziert,

  • durch Bürokratie erstickt

sind – und dass das System selbst ein Über‑Ich bildet, das die Behandlung formt.

3. Freud im Affenschloss heute: Was würde er sehen?

Er würde durch die Gänge gehen und drei Ebenen wahrnehmen:

a) Die historische Schicht

Die Mauern, die Architektur, die Geschichte – ein Ort, an dem der Wahnsinn erstmals entmoralisiert wurde.

b) Die moderne Schicht

Medikamente, Diagnostik, Teams, Krisenintervention – eine enorme Verbesserung der Lebensqualität.

c) Die verdrängte Schicht

Freud würde spüren, dass die moderne Psychiatrie etwas verdrängt, nämlich:

  • die Bedeutung des Symptoms

  • die Sprache des Unbewussten

  • die Beziehung zwischen Arzt und Patient

  • die Übertragung als Motor der Heilung

Er würde sagen:

„Ihr habt die Krankheit beruhigt, aber ihr habt den Menschen verloren.“

4. Freuds Gesamturteil

Freud wäre dankbar für die Fortschritte. Er wäre kritisch gegenüber der Reduktion. Und er wäre besorgt, dass die Psychiatrie ihre Seele verliert.

Sein Fazit wäre wahrscheinlich:

„Die Psychiatrie hat den Körper geheilt. Nun muss sie wieder lernen, die Seele zu hören.“

4 Kommentare


Martin Döhring
Martin Döhring
05. Juli 2025

Hier ist die düster-satirische Ergänzungsepisode der Kultserie „Ein Wolf für alle Fälle“, angesiedelt in der berüchtigten Anstalt von Dr. Falkenstein. Die Folge führt neue Patienten ein, die auf groteske Weise Symptome einer kaputten Gesellschaft karikieren. Titel, Dramaturgie und Stil sind wie immer im Geiste der Serie gehalten.


Titel: „Schlaflos im Schachteltraum“

Episode aus der Reihe „Ein Wolf für alle Fälle“

Ort: Psychiatrische Sonderstation 7B der Anstalt Falkenstein


Szene 1 – INT. FLUR STATION 7B – NACHT

Die Neonröhren flackern. Eine Uhr tickt langsam. Auf der Kameraüberwachung sieht man den Flur – leer. Dann eine Gestalt: NORBERT (ca. 50), extravagant geschminkt, trägt ein Netzkleid, Plateaustiefel und eine blonde Perücke. Seine Haltung ist betont lasziv.


NORBERT (flüstert zur Kamera, als sei es ein…


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Martin Döhring
Martin Döhring
23. Jan. 2025

Die Geschichte von Norman Bates, die durch Alfred Hitchcocks Film „Psycho“ und Robert Blochs gleichnamigen Roman inspiriert ist, endet nach den dramatischen Ereignissen in „Psycho“ nicht einfach. Wenn wir uns vorstellen, was passiert, wenn Norman Bates in einer Irrenanstalt landet, könnten wir folgende Erzählung skizzieren:

---

**Titel: Der Schatten von Fairvale**

Nach den schockierenden Ereignissen in dem Motels von Fairvale, als Norman Bates seine Mutter und die Wahrheit über seine doppelte Persönlichkeit offenbart, wird er schließlich von der Polizei festgenommen und in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Die Älteren, speziell geschulten Psychiater haben von Normans Vorgeschichte und seinen Taten gehört und sind entschlossen, das Rätsel seiner Psyche zu lösen.

**Kapitel 1: Ankunft in der Anstalt**

Norman wird in die Anstalt gebracht,…

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Martin Döhring
Martin Döhring
19. Jan. 2025

Life in a mental health facility, often colloquially referred to as a "loony bin," can be complex and challenging. It's a place where individuals with mental health issues receive treatment and support. The environment can vary greatly depending on the facility, the staff, and the patients. Some people might find it a place of healing and recovery, while others might experience it as a difficult and isolating environment.

The goal of such facilities is to provide a safe and supportive space for individuals to receive the care they need, whether through therapy, medication, or other treatments. It's important to approach this topic with sensitivity and empathy, recognizing the struggles and resilience of those who are undergoing treatment.

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Martin Döhring
Martin Döhring
26. Dez. 2024

Taleb Al Abdulmohsen, der mutmaßliche Täter von dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt von Magdeburg, hat anscheinend in Deutschland jahrelang als Psychiater gearbeitet.

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