Joseph Beuys - Genie oder Scharlatan?
- Martin Döhring

- vor 7 Stunden
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Joseph Beuys (1921–1986) war ein einflussreicher deutscher Künstler, Kunsttheoretiker und Pädagoge, der als einer der wichtigsten Wegbereiter der Konzept- und Aktionskunst sowie der Sozialen Plastik gilt.
Sein Werk und seine Person sind untrennbar mit seiner Biografie, seinem erweiterten Kunstbegriff und seiner politisch-gesellschaftlichen Vision verbunden.
Wichtige Aspekte seines Lebens und Schaffens:
1. Biografischer Mythos: Beuys prägte seine eigene Legende durch die Erzählung eines Flugzeugabsturzes auf der Krim 1944, bei dem er von Krimtataren mit Filz und Fett gerettet worden sei. Diese Materialien wurden später zentrale Symbole in seiner Kunst.
2. Erweiterter Kunstbegriff: Sein berühmter Satz „Jeder Mensch ist ein Künstler“ meinte nicht, dass alle malen oder bildhauen sollen, sondern dass jeder Mensch durch kreatives, gestaltendes Handeln an der „Sozialen Plastik“ – der Umgestaltung der Gesellschaft – mitwirken kann und soll. Kunst war für ihn ein umfassender, gesellschaftsverändernder Prozess.
3. Charakteristische Materialien: Er verwendete symbolträchtige, oft organische oder alltägliche Materialien mit starken assoziativen Kräften:
· Fett: Stand für Wärme, Energie, Transformation und Leben.
· Filz: Symbolisierte Isolation, Schutz, aber auch Wärme.
· Kupfer: Galt als Leiter von Energie.
· Honig: Stand für die soziale Gemeinschaft (Bienenstock) und Süße.
· Schlitten: Symbol für Rettung und Überleben.
4. Bekannte Werke und Aktionen:
· „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ (1965): Eine berühmte Performance, bei der er mit Goldblatt bedeckt einem toten Hasen stumm seine Bilder erklärte – eine rituelle Handlung über Kommunikation, Tod und Verstehen.
· „I like America and America likes Me“ (1974): In einer New Yorker Galerie lebte er drei Tage lang mit einem Kojoten zusammen – eine Aktion über die Heilung der Wunden zwischen Mensch, Natur und Kultur.
· „7000 Eichen“ (1982–1987): Sein vielleicht größtes ökologisch-soziales Projekt für die documenta 7 in Kassel. Er ließ 7.000 Basaltsteine auf einen Platz schütten und pflanzte im Tausch gegen eine Spende für jeden Stein eine Eiche in der Stadt. Das Projekt wurde nach seinem Tod vollendet und ist ein bleibendes Beispiel der „Sozialen Plastik“.
5. Politik und Aktivismus: Beuys war Mitbegründer der „Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“ (1970) und der „Freien Internationalen Universität“ (FIU). Er engagierte sich bei den Grünen und sah sein politisches Handeln als konsequente Fortsetzung seiner Kunst.
6. Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie: Als charismatischer Lehrer prägte er eine ganze Generation von Künstler:innen. 1972 wurde er wegen der Besetzung des Akademiesekretariats mit abgewiesenen Studierenden entlassen, was zu einem großen Skandal führte.
Zusammenfassung:
Joseph Beuys war mehr als ein bildender Künstler; er war ein Sozialphilosoph, Aktivist und Visionär. Er löste die Grenzen zwischen Kunst, Leben und Politik auf und forderte jeden Menschen auf, kreativ und verantwortungsbewusst an der Gestaltung der Gesellschaft mitzuwirken. Sein Einfluss auf die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist immens und bis heute spürbar.








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