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Goethe und Schiller

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Es ist eine der faszinierendsten Pointen der Literaturgeschichte: Der arrivierte, fast schon kühle Geheimrat aus Frankfurt und der rebellische, stets am Existenzminimum kratzende Feuerkopf aus Württemberg. Dass aus Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller – die charakterlich und sozial kaum unterschiedlicher hätten sein können – das wichtigste „Dream-Team“ der deutschen Geistesgeschichte wurde, war alles andere als absehbar.

Hier ist ein Essay über diese außergewöhnliche Verbindung:

Die ungleichen Titanen: Eine Freundschaft gegen alle Widerstände

Gegensätzliche Fundamente

Die Ausgangspunkte ihrer Karrieren lesen sich wie Entwürfe für zwei völlig verschiedene Lebensentwürfe. Goethe, der Sohn aus gutem Hause, war studierter Jurist und bereits in jungen Jahren durch den „Werther“ ein europäischer Superstar. Er genoss die Sicherheit des Weimarer Hofes und blickte mit einer Mischung aus Skepsis und aristokratischer Distanz auf die Welt.

Schiller hingegen war ein Kind der Disziplin und der Not. In der Karlsschule zum Militärarzt ausgebildet, floh er vor der Enge des herzoglichen Regiments. Sein Erstling Die Räuber war kein höfisches Geplänkel, sondern ein brachiales Gebrüll gegen die Tyrannei. Während Goethe die Harmonie in der Natur suchte, suchte Schiller die Freiheit im Geist.

Von der Ablehnung zur Allianz

Lange Zeit mieden sie einander. Goethe sah in Schiller den „unreifen“ Stürmer und Dränger, der ihm seine mühsam erkämpfte klassische Ruhe störte. Schiller wiederum empfand Goethe als kalten „Egoisten“, der schon alles erreicht hatte.

Der Wendepunkt kam 1794 in Jena. Nach einer Sitzung der Naturforschenden Gesellschaft kamen sie über die „Metamorphose der Pflanzen“ ins Gespräch. Schiller, der Philosoph, sagte zu Goethes naturwissenschaftlichen Beobachtungen trocken: „Das ist keine Erfahrung, das ist eine Idee.“ Dieser Moment der Reibung zündete den Funken. Sie erkannten, dass sie zwei Hälften eines Ganzen waren: Goethe als der schauende Realist, Schiller als der denkende Idealist.

Faust und die Räuber: Das Erbe einer Symbiose

Ihre Freundschaft war eine Arbeitsgemeinschaft auf höchstem Niveau. Ohne Schiller hätte Goethe den „Faust“ vielleicht nie vollendet. Es war Schiller, der ihn unermüdlich antrieb, das „Fragment“ wieder aufzunehmen und zum Welten-Epos auszubauen. Umgekehrt profitierte Schiller von Goethes ästhetischer Ruhe und Direktion am Weimarer Theater.

In ihren elf gemeinsamen Jahren, der Epoche der Weimarer Klassik, schufen sie ein Werk, das die deutsche Sprache und Identität bis heute prägt:

  • Die Xenien: Gemeinsame Spottverse gegen die literarische Mittelmäßigkeit ihrer Zeit.

  • Das Balladenjahr (1797): Ein produktiver Wettstreit, aus dem Werke wie Der Zauberlehrling oder Die Bürgschaft hervorgingen.

  • Gegenseitige Kritik: Sie lasen ihre Manuskripte, korrigierten einander und spornten sich zu intellektuellen Höchstleistungen an.

Fazit

Die Verbindung zwischen dem Juristen Goethe und dem Militärarzt Schiller zeigt, dass wahre Geistesverwandtschaft keine Ähnlichkeit der Herkunft braucht, sondern die Ergänzung im Denken. Als Schiller 1805 starb, gestand Goethe, er habe „die Hälfte seines Daseins“ verloren. Was bleibt, ist das Bild zweier Männer, die ihre Differenzen überwanden, um die Literatur in eine neue Ära zu führen.


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