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Forensik

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 13. März 2023
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen


 Es gibt keine einfache „Ursache“ für Autismus-Spektrum-Störung (ASS) oder Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) – beide sind polygenetisch und heterogen. Auf Ebene der Neurotransmitter unterscheiden sie sich jedoch in den primär betroffenen Systemen und der Art der Netzwerk-Dysregulation. Hier sind die wesentlichen Unterschiede sowie die Gemeinsamkeiten (die die hohe Komorbiditätsrate erklären).

1. Das Katecholamin-System (Dopamin & Noradrenalin)

ADHS gilt hier als die primäre Störung der Frontalhirn-Dopamin- und Noradrenalin-Funktion.· Dopamin (DA): Bei ADHS liegt der Kernbefund in einer Hypofunktion (geringerer Tonus) des mesokortikalen Pfades. In den präfrontalen Kortex (PFC) gelangt zu wenig Dopamin. Das führt zu einer verminderten Belohnungsantizipation, mangelnder Arbeitsgedächtnisfunktion und dem typischen "Bottom-Up"-Antrieb (das Gehirn sucht ständig starke externe Stimulation, um den niedrigen Tonus zu kompensieren). Im Striatum (Basalganglien) kommt es durch die Dopamin-Transporter-Dichte ebenfalls zu einer Dysregulation der Belohnungsverarbeitung.

· Noradrenalin (NA): Im Locus caeruleus kommt es bei ADHS zu einer dysregulierten Noradrenalin-Freisetzung. Das führt zu Problemen in der Aufmerksamkeitssteuerung (mal zu fokussiert, mal zu diffus) und der exekutiven Kontrolle.Autismus (ASS): Hier sind die Befunde heterogener und weniger eindeutig auf ein globales Dopamin-Defizit zurückzuführen.· Zwar gibt es auch bei Autismus Hinweise auf Dopamin-Dysregulation (insb. in den Striatum-Schaltkreisen, was repetitive Verhaltensweisen erklären könnte), aber nicht primär das hypodopaminerge Zustandsbild des PFC wie bei ADHS.· Bei ASS spielen regionale Ungleichgewichte eine größere Rolle: In manchen Arealen (z. B. in für Stereotypien verantwortlichen Schaltkreisen) kann Dopamin hyperaktiv sein, in anderen hypofunktional.

---2. Das Glutamat/GABA-System (Exzitation/Inhibition) Hier liegt der größte Unterschied in der Richtung des Ungleichgewichts und der Lokalisation.· Autismus (ASS): Die wohl am besten replizierte Neurotransmitter-Anomalie bei Autismus ist ein Ungleichgewicht von Glutamat (erregend) und GABA (hemmend) in Richtung Hyper-Exzitabilität. 

· Es gibt Hinweise auf eine reduzierte GABAerge Signalübertragung (Entweder weniger GABA-Rezeptoren oder eine gestörte Synthese in bestimmten Interneuronen).  · Gleichzeitig ist oft das Glutamat-System überaktiv. 

· Folge: Die neuronale Signal-Rausch-Verhältnis ist gestört. Dies führt zu sensorischer Überflutung (Reizfilterschwäche), einer erhöhten neuronalen „Rauschens“ und der Unfähigkeit, synaptische Verbindungen während der Entwicklung normal zu "beschneiden" (Pruning). Man spricht hier vom E/I-Ungleichgewicht (Excitation/Inhibition) .

· ADHS: Auch bei ADHS gibt es ein E/I-Ungleichgewicht, aber es betrifft primär spezifische Frontal-Striatale-Schaltkreise. Während bei ASS das Ungleichgewicht oft global (im gesamten Kortex) oder besonders im somatosensorischen Kortex liegt, ist es bei ADHS stärker auf die exekutiven Netzwerke (Frontalhirn) und die Default-Mode-Netzwerk (DMN)-Interaktion fokussiert. Es ist weniger ein Problem der sensorischen Filterung im engeren Sinne (wie bei ASS), sondern der Aufmerksamkeitsstabilität.

---3. Das Serotonin-System (5-HT)· Autismus (ASS): Hier gibt es die konsistentesten Befunde. Bereits in den 1960ern wurde eine Hyperserotonämie (erhöhte Serotonin-Werte im Blut) bei einem großen Teil der Autist:innen festgestellt. Auf zentraler Ebene (im Gehirn) zeigt sich eine komplexe Dysregulation:  · In der frühen Entwicklung scheint der Serotoninspiegel gestört zu sein, was die Ausbildung der kortikalen Architektur (die Reifung der Schaltkreise) beeinflusst.  · Serotonin spielt eine entscheidende Rolle für soziale Kognition, Angst und repetitives Verhalten. Medikamente, die auf Serotonin wirken (SSRI), werden zwar häufig bei Begleitsymptomen eingesetzt, greifen jedoch nicht die Kernpathologie der sozialen Interaktion bei allen Betroffenen auf.· ADHS: Serotonin spielt bei ADHS eine modulierende, nicht primäre Rolle. Während Dopamin und Noradrenalin die Kernpathologie darstellen, wirkt Serotonin als "Bremser" für impulsive Handlungen. Eine Dysregulation des Serotonins (insb. über den 5-HT2A-Rezeptor) ist hauptsächlich mit der Impulsivität und der affektiven Dysregulation (Stimmungsschwankungen) assoziiert, nicht primär mit der Aufmerksamkeitsspanne oder Hyperaktivität.

---4. Gemeinsamkeiten und die "Transmitter-Mischlage"Klinisch ist die Abgrenzung schwer, weil 50–70 % der Autist:innen auch die Kriterien für ADHS erfüllen (und umgekehrt). Auf Transmitter-Ebene überschneiden sich die Störungen in der Dysfunktion des Default-Mode-Netzwerks (DMN) .· Bei ADHS gelingt es nicht, das Tagträumer-Netzwerk (DMN) abzuschalten, wenn eine Aufgabe erledigt werden muss. Grund: Noradrenerge und dopaminerge Insuffizienz im PFC.· Bei Autismus ist das DMN oft unterkonnektiert (während der Ruhe zu wenig Synchronisation), aber während Aufgaben überaktiv. Dies erklärt die oft gegensätzliche phänotypische Erscheinung: Der ADHSler schweift ab, weil das DMN stört; der Autist kann sich oft hyperfokussieren, hat aber Probleme mit der kognitiven Flexibilität.Zusammenfassung der UnterschiedeSystem ADHS Autismus (ASS)Dopamin Hypofunktion im präfrontalen Kortex (PFC). Verminderter Belohnungsantrieb. Regional unterschiedlich; oft Hyperfunktion in striatalen Schaltkreisen (Stereotypien), weniger das klassische PFC-Defizit.Noradrenalin Dysreguliert; instabile Aufmerksamkeitsnetzwerke. Eher sekundär betroffen; mehr über die Stressachse und Hyperarousal als über exekutive Grundsteuerung.Glutamat/GABA Lokales E/I-Ungleichgewicht in fronto-striatalen Schleifen und im DMN. Globales E/I-Ungleichgewicht mit Tendenz zur Hyperexzitabilität und verminderter Inhibition (führt zu sensorischen Besonderheiten).Serotonin Moduliert Impulsivität und Affekt; nicht primär ursächlich für Kernaufmerksamkeitsstörung. Zentraler Faktor in der frühen Gehirnentwicklung; stark assoziiert mit sozialen Auffälligkeiten und Rigidität.

Fazit: Auf Neurotransmitter-Ebene unterscheidet sich ADHS primär durch eine katecholaminerge (Dopamin/Noradrenalin) Unterfunktion in den exekutiven Frontallappen-Netzwerken, während Autismus primär durch ein globales Ungleichgewicht zwischen Erregung und Hemmung (E/I) sowie eine serotonerge Dysregulation gekennzeichnet ist, die tief in die sensorische Verarbeitung und soziale Kognition eingreift. Wichtig: Dies ist ein Modell auf Gruppenebene. Auf individueller Ebene können die neurochemischen Profile stark variieren, insbesondere bei Menschen mit beiden Diagnosen (ASS + ADHS), wo die Transmitterlage als eine Kombination aus dopaminerger Hypofunktion (ADHS-Teil) und glutamaterger Hyperexzitabilität (ASS-Teil) betrachtet werden muss.





22 Kommentare


Martin Döhring
Martin Döhring
05. Juli 2025

Ein Wolf für alle Fälle – Episode: "Happy Planet"Eine dystopisch-satirische Enthüllungsfolge der Kultserie

📺 Vorspann

Eine düstere Synth-Variante des bekannten Intros. Drohnenflug über eine abgelegene psychiatrische Anstalt im Nebel. Stimme aus dem Off:MARTIN (Voice-over):„Sie wollten einen besseren Planeten. Heraus kam das größte Verbrechen der Menschheit.“

🧠 Szene 1 – INT. SCHLOSSSTUDIERZIMMER – NACHT

MARTIN DER WOLF blättert in einem alten, ledergebundenen Buch. Es trägt den Titel „Codes Vitae – Das Buch des lebendigen Bauplans“. Die Seiten sind in lateinischem Mischtext mit hebräischen Zahlenformeln verfasst. Eine Seite ist rot eingerahmt: „Evocatio Spiritus Sancti“.

MARTIN(flüstert)„Der Heilige Geist – als biologisches Reproduktionssignal... das ist nicht göttlich. Das ist synthetische Eugenik.“

Er klappt das Buch zu. In seinem Blick liegt Entschlossenheit.

🏥 Szene 2…

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Martin Döhring
Martin Döhring
05. Juli 2025

Hier ist die düster-satirische Ergänzungsepisode der Kultserie „Ein Wolf für alle Fälle“, angesiedelt in der berüchtigten Anstalt von Dr. Falkenstein. Die Folge führt neue Patienten ein, die auf groteske Weise Symptome einer kaputten Gesellschaft karikieren. Titel, Dramaturgie und Stil sind wie immer im Geiste der Serie gehalten.

Titel: „Schlaflos im Schachteltraum“

Episode aus der Reihe „Ein Wolf für alle Fälle“

Ort: Psychiatrische Sonderstation 7B der Anstalt Falkenstein

Szene 1 – INT. FLUR STATION 7B – NACHT

Die Neonröhren flackern. Eine Uhr tickt langsam. Auf der Kameraüberwachung sieht man den Flur – leer. Dann eine Gestalt: NORBERT (ca. 50), extravagant geschminkt, trägt ein Netzkleid, Plateaustiefel und eine blonde Perücke. Seine Haltung ist betont lasziv.

NORBERT(flüstert zur Kamera, als sei es ein Liebhaber…

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Martin Döhring
Martin Döhring
01. Juli 2025

The term paraphilie seems to be a misspelling of paraphilia, which refers to a condition characterized by intense sexual arousal to atypical objects, situations, fantasies, behaviors, or individuals. Here’s a concise explanation:

Paraphilia involves persistent and intense sexual interests that deviate from societal norms, such as arousal from non-human objects (e.g., fetishism), specific activities (e.g., voyeurism, exhibitionism), or non-consenting individuals (e.g., pedophilia). These interests may cause distress, harm, or legal issues if acted upon.

  • Common examples: Fetishism, sadomasochism, voyeurism, exhibitionism.

  • Diagnosis: Typically requires distress or harm to self/others, per DSM-5 criteria.

  • Treatment: Therapy (e.g., CBT), medication, or support groups, if needed.

If you meant something else by “paraphilie” or want specific details (e.g., types, causes, treatment), please clarify!

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Martin Döhring
Martin Döhring
25. Apr. 2023

Körperverletzung als Straftat können sich viele vorstellen , meistens als körperliche Beeinträchtigung - aber was ist mit seelischen Qualen , absichtlich verursacht ?

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Martin Döhring
Martin Döhring
19. Apr. 2023

Faktencheck: wurde die katholische Kirche wirklich nur zwecks Kindersex gegründet?

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