die Ostpatientin
- Martin Döhring

- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
**Drehbuch: „Der unlösbare Fall“**
**Kurze Episode – Schwarze Komödie / Satire**
**Länge: ca. 8–9 Minuten**
**FADE IN:**
**INT. PRIVATKLINIK „SEEblick“ – FÜRSTENSUITE – TAG**
Eine 100 qm große Luxussuite. Marmorboden, Panoramafenster zum See, Designermöbel, frische Orchideen, eine kleine Bar mit Kristallgläsern. Im Hintergrund leise klassische Musik.
**DR. LUKAS WEISS** (32), frischgebackener Assistenzarzt, noch im Probemonat, betritt nervös mit Tablet in der Hand das Zimmer. Er trägt einen weißen Kittel, darunter ein etwas zu großes Hemd. Schweißperlen auf der Stirn.
Am Fenster steht **NATALIA PETROVA** (45), elegant, teure Kleidung, aber mit dunklen Ringen unter den Augen. Sie wirkt melancholisch, fast apathisch. „Traurig verstimmt“ trifft es genau.
**NATALIA**
(ohne sich umzudrehen, leiser osteuropäischer Akzent)
Dr. Weiss. Sie sind neu hier, oder? Drei Tage? Vier?
**LUKAS**
(zögerlich)
Vierter Tag, Frau Petrova. Wie geht es Ihnen heute?
**NATALIA**
(dreht sich langsam um, mustert ihn kalt)
Schlecht. Sehr schlecht. Aber das wissen Sie ja schon.
(sie geht zwei Schritte auf ihn zu)
Ich habe mich über Sie erkundigt. Kleine Tochter, frisch geschieden, Ex-Frau will das Sorgerecht… und dann noch diese Geschichte mit den verschriebenen Rezepten in Ihrer alten Klinik. Nicht schön.
Lukas erstarrt. Seine Hände umklammern das Tablet fester.
**NATALIA**
(ganz ruhig, fast freundlich)
Wenn Sie wollen, dass Ihr Probemonat gut läuft und Ihre Tochter nächstes Wochenende bei Ihnen schlafen darf… dann machen wir das hier auf meine Art.
Sie stellen keine unangenehmen Fragen. Sie schreiben in die Akte, was ich Ihnen sage. Und Sie bestätigen, dass ich schwer depressiv bin. Sehr schwer. Unheilbar traurig. Verstanden?
**LUKAS**
(schluckt)
Frau Petrova… ich kann nicht einfach…
**NATALIA**
(lächelt dünn)
Doch. Sie können. Weil Sie noch in der Probe sind. Und weil ich sehr gute Freunde beim BND habe. Und beim Aufsichtsrat dieser „Klinik“.
(sie hält kurz inne)
Oder wollen Sie lieber, dass morgen früh Ihre Approbation überprüft wird?
Lukas atmet tief ein. Er nickt langsam, geschlagen.
**LUKAS**
(leise)
Was soll ich schreiben?
**NATALIA**
(sieht wieder aus dem Fenster)
Schwere anhaltende depressive Störung. Therapieresistent. Hoher Leidensdruck. Keine organische Ursache.
Und vor allem: **unlösbar**.
**CUT TO:**
**ZWEI TAGE SPÄTER – SELBE SUITE**
Lukas sitzt ihr gegenüber. Er hat bereits drei Seiten „Befund“ geschrieben. Natalia wirkt äußerlich unverändert traurig, aber ihre Augen sind wach und berechnend.
**LUKAS**
(versucht professionell zu klingen)
Frau Petrova, ich finde wirklich… jenseits des Leidensdrucks… keine klare Diagnose. Keine Trauma-Hinweise, keine biochemischen Auffälligkeiten, keine…
**NATALIA**
(unterbricht ihn scharf)
Dann schreiben Sie genau das: „Jenseits des Leidensdrucks keine fassbare Diagnose.“
Das klingt schön wissenschaftlich und gleichzeitig hilflos. Perfekt.
Plötzlich klopft es laut. Die Tür wird ohne Aufforderung geöffnet.
Herein kommt **IGOR PETROV** (48), Natalias Ehemann. Untersetzt, billiger Anzug, Goldkette, schlecht sitzende Perücke. Typ „Ostmann, der es geschafft hat, aber den Geschmack nicht mitgenommen hat“.
**IGOR**
(laut, breiter Akzent)
Natasha! Pack deine Sachen! Wir fahren! Diese West-Klinik ist Schrott!
Er stapft direkt auf Lukas zu, der erschrocken aufsteht.
**IGOR**
(zeigt mit dickem Finger auf Lukas’ Brust)
Sie! Assistenzarzt! Vier Tage und nichts! Nur teure Zimmer und teure Worte!
Das ist der Westen! Alles nur Show! Alles nur Geld! Meine Frau ist krank und ihr könnt nichts! Gar nichts!
Lukas versucht zu deeskalieren.
**LUKAS**
Herr Petrov, bitte beruhigen Sie sich. Ihre Frau leidet unter einer schweren, therapieresistenten Depression. Wir haben wirklich alles…
**IGOR**
(unterbricht ihn, wird noch lauter, fast triumphierend)
Depression! Pah! Im Osten hätten wir das in zwei Tagen geklärt! Mit Wodka und Arbeit!
Aber hier? „Westen!“ Alles kaputt! Alles weich! Alles „sensibel“!
(lacht gehässig)
Das ist der Westen! Genau so!
Igor packt Natalias teuren Mantel und wirft ihn ihr über die Schultern.
**IGOR**
Komm, Natasha. Wir gehen. Diese Clowns hier können nicht mal eine traurige Frau heilen.
Natalia lässt sich widerstandslos von ihm hinausführen. Im Vorbeigehen wirft sie Lukas einen letzten, fast amüsierten Blick zu.
**NATALIA**
(leise, nur für ihn)
Danke, Doktor. Sie waren… kooperativ.
Die Tür fällt ins Schloss.
Lukas bleibt allein in der Fürstensuite zurück. Er starrt auf sein Tablet, auf dem steht:
„Diagnose: Schwere depressive Störung, jenseits des Leidensdrucks keine organische oder psychische Ursache fassbar. Therapieresistent. Unlösbar.“
Er murmelt vor sich hin:
**LUKAS**
(leise, sarkastisch)
…vorgetäuschte Abwehrhandlung des Ehemanns. Klassisch.
Er lässt sich in den Designer-Sessel fallen, starrt an die Decke.
**LUKAS**
(mit bitterem Lächeln)
Willkommen im Dienst, Dr. Weiss.
**FADE OUT.**
**ENDE**
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**Tonale Hinweise für die Regie:**
- Die Erpressungsszene sehr leise, elegant, eiskalt.
- Igors Auftritt laut, übertrieben, fast karikaturistisch – aber mit einem Unterton von echtem Triumph.
- Lukas ist die ganze Zeit überfordert, aber nicht dumm. Er merkt, dass etwas faul ist, kann aber nichts beweisen.





Die klinische Differenzierung von Patientinnen mit hypersexuellem oder auffälligem Sozialverhalten erfordert in der Psychodynamik einen genauen Blick auf die unbewussten Konflikte, die Objektbeziehungen und die Struktur des Ichs.
Es ist wichtig, oberflächlich ähnliche Verhaltensweisen (häufiger Partnerwechsel) von den tiefenpsychologischen Ursachen zu trennen. Hier ist eine Einteilung nach den von Ihnen genannten Phänomenen:
1. Die "Nymphomanie" (Hypersexualität)
In der modernen Psychodynamik wird dieser Begriff oft durch den der sexuellen Sucht oder Impulskontrollstörung ersetzt.
Psychodynamik: Oft liegt ein strukturelles Defizit vor. Die Sexualität dient nicht dem Genuss, sondern der Affektregulierung.
Kernkonflikt: Das Gefühl innerer Leere oder Depersonalisation wird durch den intensiven Reiz des Aktes kurzfristig betäubt.
Objektbeziehung: Der Partner wird nicht als Individuum wahrgenommen, sondern als "Übergangsobjekt", um die Angst vor dem Alleinsein oder dem psychischen…