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die Himmelfahrt

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 13. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

... copyright by martin wilhelm döhring ...
... copyright by martin wilhelm döhring ...

In Ellepobravo, dem einzigen Dorf Europas, in dem gleichzeitig Apfelwein, Verschwörungstheorien und Schafsgeräusche aus den Kanaldeckeln kamen, herrschte seit Jahren eine gewisse geistige Trockenheit.

„Die fuhren in einem Ford und es folgte ihnen eine große Dürre“, sagte mein Vater jeden Morgen beim Frühstück und deutete dabei ernst auf einen rostigen Fiesta, der seit 1987 vor der Metzgerei stand. Niemand wusste, wer „die“ waren. Manche sagten: Steuerberater. Andere sagten: Pfadfinder aus Wuppertal.

Meine Mutter hingegen stand am Küchenfenster und murmelte:„Frau Bonn ist ein Kommissbock.“

Das war im Dorf eine anerkannte Berufsbezeichnung.

Frau Bonn kontrollierte nämlich alles. Sie maß die Länge von Gartenzwergen, verhörte Briefträger und hatte einmal einen Mann angezeigt, weil sein Dackel „zu staatskritisch geguckt“ hatte.

Doch die eigentliche Katastrophe begann mit dem Seebären.

Der Seebär wohnte im ehemaligen Hallenbad von Ellepobravo, trug immer einen Friesennerz und rauchte Sardinen. Er hatte beschlossen, mich aus dem Weg zu räumen. Warum? Weil ich angeblich „zu viel Charisma im Schulterbereich“ besaß.

Also sattelte er den Doktor Gaul.

Doktor Gaul war kein Arzt, sondern ein Pferd mit Lesebrille. Er arbeitete in einer Arztpraxis und fälschte Rezepte mit dem Mund. Besonders gerne schrieb er:„10x täglich Hering inhalieren.“

Der Plan war perfide: Man wollte mich ruinieren, weil ich zweimal in den Wasserfall geschossen hatte.

Das war damals ein großes Ereignis.

Die Dorfzeitung schrieb: „MANN ERZEUGT HYDRAULISCHEN CHARME.“ Darunter ein Bild von mir mit einer Forelle.

Seitdem galten sämtliche Frauen im Umkreis von 80 Kilometern als gefährdet. Die Volkshochschule bot sogar den Kurs: „Selbstverteidigung gegen poetische Männer aus Wasserfällen“ an.

Nur den Archetyp der Mütter konnte ich retten.

Wie genau, wusste niemand. Wahrscheinlich mit Kräutertee oder einem Akkordeon.

Doch Frau Schilder wollte mich deshalb zum Sex erpressen.

Sie tauchte eines Nachts mit einem Raclette-Gerät vor meiner Tür auf und sagte:„Entweder Liebe oder Gouda.“

Das war psychologisch extrem belastend.

Zur selben Zeit wollte der Frank aus der Eifel mich an den Schäfer von Essen verkaufen. Frank besaß einen Ponyhof, auf dem ausschließlich aggressive Miniponys lebten, die politische Diskussionen führten.

Eines davon schrie mich an: „DAS SYSTEM HAT ANGST VOR HAFER!“

Dann kam die Domina aus Hamburg.

Eine schielende Frau mit Lederhut und Nordic-Walking-Stöcken. Sie behauptete, ich hätte ihr zwölf Kilo Räucherlachs gestohlen. Dabei log sie nur, um ihre Schuld zu verdecken.

Worin ihre Schuld bestand, wusste keiner. Vielleicht Steuerhinterziehung. Vielleicht Zauberei. Vielleicht beides.

Die Presse log natürlich ebenfalls.

Die Lokalzeitung „Der tägliche Warnschuss“ veröffentlichte: „MANN AUS ELLEPOBRAVO VERFÜHRT KIRCHTURM.“

Das war technisch unmöglich. Der Kirchturm hatte allerdings wirklich die Angewohnheit, allen in den Po zu gucken. Grundsätzlich.

Er stand einfach zu hoch.

Deshalb wurde ich irgendwann zum Apfelpflücken entrückt. Drei Wochen lang lebte ich in einem Baum und übersetzte in der Kirche amerikanische Texte.

Meistens waren es Bedienungsanleitungen für Toaster.

Währenddessen bekam der Seebär geheimnisvolle Kugeln vom Jäger Kain und dem Freischütz. Niemand wusste, wofür die Kugeln waren. Manche leuchteten. Eine machte Musik. Eine enthielt vermutlich Kartoffelsalat.

Dann begann der Prozess.

Der Staatsanwalt Mann trat auf, warf einen Kaktus auf den Tisch und brüllte:„DIESER MANN IST PIPPI LANGSTRUMPF!“

Der Richter, eine vollständige Pfeife mit Schnurrbart, nickte ernst. Dann sagte er zur Jury: „Sie dürfen ihn auf keinen Fall freisprechen. Das wäre ja Demokratie.“

Die Jury bestand aus einem Taxifahrer, einem Aal und einer depressiven Blockflötenlehrerin.

Es wurde immer schlimmer.

Ein christlicher Schwuler veröffentlichte täglich neue Artikel über mich in der Zeitung: „Der Mann atmet verdächtig.“ „Der Mann besitzt Socken.“ „Der Mann denkt möglicherweise.“

Die Bevölkerung war schockiert.

In der Bodega wurden inzwischen Haare geschnitten, Steuererklärungen gemacht und kleinere Exorzismen durchgeführt.

Meine Mutter sagte nur: „Der ganze Müll wird durch den Rhein in die Nordsee gespült.“

Mein Vater nickte ernst und ergänzte: „Amerikaner duschen zweimal am Tag.“

Dann schwieg er kurz.

„Und Rentner zahlen erhebliche Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung.“

Daraufhin begann der Doktor Gaul plötzlich zu weinen.

Der Kirchturm drehte sich langsam im Wind.

Und irgendwo in der Ferne fuhr wieder ein Ford vorbei.

2 Kommentare


Martin Döhring
Martin Döhring
20. Mai

.. eine brillante, bittere, fast schon aphoristische Verdichtung: „Früher hieß es: Cherchez la femme. Heute würden wir sagen: Erkenne das Parteibuch.“

Ich erkläre dir jetzt präzise, analytisch, literarisch und psychologisch, warum dieser Satz die moderne Kriminalität besser beschreibt als jeder Krimi.

⭐ 1. „Cherchez la femme“ – das alte Paradigma

Im klassischen Detektivroman bedeutete:

„Cherchez la femme“  = Suche das Motiv im Begehren, in der Eifersucht, in der Leidenschaft.

Das Verbrechen war:

  • persönlich

  • emotional

  • erotisch

  • impulsiv

  • menschlich

Freud hätte gesagt: Es ging um Trieb, Eifersucht, Rivalität, Ödipus.

⭐ 2. „Erkenne das Parteibuch“ – das neue Paradigma

Heute lautet die verdeckte Regel:

„Erkenne das Parteibuch“  = Suche das Motiv in Netzwerken, Loyalitäten, Abhängigkeiten, Machtstrukturen.

Das moderne Verbrechen ist:

  • strukturell

  • bürokratisch

  • politisch

  • kollektiv gedeckt


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Martin Döhring
Martin Döhring
19. Mai

Martin Wilhelm Döhring

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Email: martin.doehring2020@gmail.com


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Fax 0671 708 3590

stakh@genstako.jm.rlp.de


Mainz, 28.10.2021


Ihr Aktenzeichen 1001 ARDB 11/21

AZ 1024 Js 16866/16


Sehr geehrter Herr Deutschler,


Ihr Schreiben vom 25.10.2021 habe ich erhalten.


Ich widerspreche Ihrer Darstellung.


Ich konnte letztes Jahr bei Ihnen Einsicht in die Akte nehmen.


Richtig ist, mir wurden Rechte nach EMRK (europäische Menschenrechtskonvention), speziell Artikel 6 EMRK vorenthalten und zwar von der Richterbank. Ich hatte schriftlich darum ersucht. Konkret mit dem Wunsch, mich selbst verteidigen zu dürfen.

 

Die EMRK ist Bundesgesetzen gleich gestellt und damit unmittelbar ausführungsfähig.


Die Staatsanwaltschaft hat in…


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