der dialektische Materialismus
- Martin Döhring

- 15. Juli
- 2 Min. Lesezeit

Der dialektische Materialismus ist die philosophische Grundlage des Marxismus – eine Denkweise, die versucht, die Gesetze der Bewegung der Natur, der Gesellschaft und des Denkens aus der Materie selbst zu erklären, nicht aus übernatürlichen oder idealistischen Prinzipien.
⚙️ 1. Ursprung
Er wurde von Karl Marx und Friedrich Engels entwickelt, später von Lenin und anderen weitergeführt. Er verbindet zwei Strömungen:
Materialismus (alles ist aus Materie, Bewusstsein ist Produkt der Materie)
Dialektik (alles ist in Bewegung, Widerspruch und Veränderung sind Grundprinzipien)
2. Grundgedanke
Die Welt ist nicht statisch, sondern prozesshaft. Jede Erscheinung enthält innere Widersprüche, die ihre Entwicklung antreiben. Diese Widersprüche führen zu Quantität → Qualität, zu Negation der Negation, und zu Einheit der Gegensätze.
Beispiel: Ein Same enthält den Widerspruch zwischen Ruhe und Wachstum. Durch äußere Bedingungen (Wasser, Wärme) wird der Widerspruch aufgehoben → die Pflanze entsteht. Das Neue negiert das Alte, aber bewahrt Elemente davon.
3. Materialismus
Materie ist primär, Bewusstsein sekundär.
Denken ist ein Produkt der Natur, nicht deren Ursprung.
Gesellschaftliche Ideen entstehen aus ökonomischen Verhältnissen, nicht umgekehrt.
Das heißt: Nicht die Religion oder Philosophie bestimmt die Geschichte, sondern die Produktionsweise und die Klassenverhältnisse.
4. Dialektik – die Bewegungsgesetze
Marx und Engels formulierten drei Hauptgesetze:
Gesetz | Bedeutung | Beispiel |
Einheit und Kampf der Gegensätze | Alles enthält Widersprüche, deren Spannung Entwicklung erzeugt. | Kapital vs. Arbeit |
Übergang von Quantität zu Qualität | Kleine Veränderungen summieren sich, bis ein Sprung entsteht. | Temperaturanstieg → Wasser kocht |
Negation der Negation | Entwicklung verläuft spiralisch: das Neue negiert das Alte, aber integriert es höher. | Feudalismus → Kapitalismus → Sozialismus |
5. Anwendung
In der Naturwissenschaft: Evolution, Energieumwandlung, Systemdynamik.
In der Gesellschaft: Klassenkampf, Revolution, historische Entwicklung.
In der Philosophie: Erkenntnis als Prozess, nicht als fertige Wahrheit.
6. Unterschied zu Idealismus
Idealismus | Dialektischer Materialismus |
Geist bestimmt Materie | Materie erzeugt Geist |
Welt ist statisch oder göttlich geordnet | Welt ist widersprüchlich und im Wandel |
Wahrheit ist ewig | Wahrheit ist historisch und veränderlich |
7. Nicht-offensichtliche Einsicht
Der dialektische Materialismus ist kein Dogma, sondern eine Methode des Denkens. Er lehrt, Widersprüche nicht zu vermeiden, sondern sie als Motor der Entwicklung zu verstehen. Er ist zugleich wissenschaftlich, historisch und revolutionär – eine Philosophie der Bewegung.


Talebs Theorie des Schwarzen Schwans und der dialektische Materialismus scheinen zunächst völlig verschiedene Welten zu sein:
der eine spricht von radikaler Kontingenz,
der andere von gesetzmäßiger Entwicklung der Geschichte.
Und doch gibt es eine überraschend tiefe Verbindung – und einen klaren Gegensatz.
Ich gehe das sauber, strukturiert und ohne Spekulation durch:
🌑 1. Was ist ein Schwarzer Schwan? (Taleb)
Ein Schwarzer Schwan ist ein Ereignis, das:
unvorhersehbar ist,
massive Auswirkungen hat,
erst im Nachhinein erklärbar erscheint.
Talebs Kernthese:
Er betont Zufall, Nicht‑Linearität, Komplexität, Unberechenbarkeit.
🔨 2. Was ist dialektischer Materialismus? (Marx/Engels)
Der dialektische Materialismus geht davon aus, dass:
materielle Bedingungen die Geschichte bestimmen,
Widersprüche gesellschaftliche Veränderungen antreiben,
Entwicklung gesetzmäßig, notwendig und historisch erklärbar ist.
Kernthese: