der Fall Gustl Mollath
- Martin Döhring

- 17. Mai 2023
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 21 Stunden

Der Fall Gustl Mollath gilt als einer der bekanntesten Justizskandale in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Er steht symbolisch für mögliche Fehlgutachten in der Forensik, Machtmissbrauch im Zusammenspiel von Justiz und Psychiatrie sowie die Gefahr, unbequeme Personen durch eine psychiatrische Unterbringung „wegzusperren“.
### Kurze Zusammenfassung des Falls
Gustl Ferdinand Mollath (* 7. November 1956 in Nürnberg) ist ein gelernter Kfz-Mechaniker und Ingenieur, der Oldtimer restaurierte.
- Hintergrund: Mollath war mit einer Bankangestellten der HypoVereinsbank (heute UniCredit) verheiratet. Er warf ihr und Kollegen vor, in großem Stil Schwarzgeld (u. a. für Kunden aus der Schweiz und Liechtenstein) über die Grenze zu verschieben – teilweise in Millionenhöhe. Er erstattete Anzeigen und sprach öffentlich darüber.
- Ehekonflikt: Die Ehe scheiterte 2004/2005. Seine Ex-Frau zeigte ihn wegen angeblicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung an (u. a. soll er sie gewürgt und in ein Zimmer gesperrt haben). Mollath bestritt die Vorwürfe weitgehend oder relativierte sie.
### Der Prozess 2006 und die Unterbringung
Im August 2006 verhandelte das Landgericht Nürnberg-Fürth gegen Mollath.
Das Gericht sah die Tatvorwürfe (Körperverletzung etc.) als weitgehend erwiesen an, sprach ihn aber frei – weil er zum Tatzeitpunkt schuldunfähig (§ 20 StGB) sei.
Grundlage war ein psychiatrisches Gutachten, das Mollath eine wahnhafte Störung (paranoide Schizophrenie oder paranoide Persönlichkeitsstörung) attestierte. Seine Schwarzgeld-Vorwürfe wurden als „fixe Idee“ bzw. „paranoides Gedankensystem“ abgetan.
Gleichzeitig ordnete das Gericht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus (§ 63 StGB) an – weil Mollath als „gemeingefährlich“ galt.
Mollath saß daraufhin über 7 Jahre (von 2006 bis August 2013) in verschiedenen bayerischen forensischen Kliniken (u. a. Bayreuth, Straubing), teilweise unter sehr restriktiven Bedingungen. Er weigerte sich meist, an Gutachten mitzuwirken oder Medikamente zu nehmen.
### Die Wende ab 2011/2012
- Investigativjournalisten (v. a. Olaf Przybilla von der Süddeutschen Zeitung) und Medien (Report Mainz, BR, SZ) deckten massive Ungereimtheiten auf.
- Ein interner Revisionsbericht der HypoVereinsbank von 2012 bestätigte große Teile der von Mollath behaupteten Unregelmäßigkeiten bei Devisentransfers – genau die „Wahnideen“, die ihm attestiert worden waren.
- Es kamen Zweifel an den Gutachten auf (u. a. weil Mollath nie persönlich ausführlich exploriert wurde).
- Nach massivem öffentlichen Druck (Petitionen, Demonstrationen, Berichterstattung) leitete die Staatsanwaltschaft ein Wiederaufnahmeverfahren ein.
### Das Wiederaufnahmeverfahren 2014 (Landgericht Regensburg)
Am 14. August 2014 wurde Mollath vollständig freigesprochen.
Das Gericht stellte fest, dass die Unterbringung zu Unrecht erfolgt war. Es gab keine ausreichende Gefährlichkeit mehr (und rückblickend auch nicht). Mollath erhielt Anspruch auf Entschädigung für die Zeit in der Psychiatrie.
Mollath selbst war mit dem Urteil unzufrieden – es enthielt Formulierungen, die ihn weiter als gewalttätig darstellten („Freispruch zweiter Klasse“).
### Entschädigung
- Zunächst erhielt er ca. 70.000 € (gesetzliche Entschädigung von ca. 25 € pro Tag).
- Nach jahrelangem Rechtsstreit einigte sich Mollath 2019 gütlich mit dem Freistaat Bayern auf weitere 600.000 € (ohne Anerkennung einer Rechtspflicht). Gesamt also ca. 670.000 €.
### Neurobiologische / Psychiatrische Einordnung (im Kontext unserer vorherigen Gespräche)
Im Fall Mollath spielte die Diagnose eine zentrale Rolle:
- Frühe Gutachten sahen eine wahnhafte Störung oder Schizophrenie.
- Spätere Gutachten (im Wiederaufnahmeverfahren) relativierten das stark: Es wurde eher eine querulatorisch-fanatische Persönlichkeitsstörung oder gar keine schwere psychische Erkrankung mehr angenommen.
- Viele Kritiker (u. a. Anwalt Gerhard Strate) sehen hier ein klassisches Beispiel, wie unbequeme, hartnäckige Personen („Querulanten“) pathologisiert werden können.
- Bezug zu Dissoziation oder anderen Störungen: Mollath selbst berichtete von extremem Leidensdruck in der Psychiatrie, Depersonalisations-ähnlichen Gefühlen und dem Gefühl, „nicht mehr in der Realität zu sein“. Es gibt jedoch keine Hinweise, dass bei ihm primär eine dissoziative Störung oder Genderdysphorie vorlag – der Fall dreht sich um die Frage, ob seine (teilweise zutreffenden) Überzeugungen als Wahn abgetan wurden.
Der Fall wird bis heute in der forensischen Psychiatrie und Justiz als Lehrbeispiel für Fehldiagnosen, unzureichende Gutachtenqualität und die Gefahr langer Unterbringungen ohne ausreichende Überprüfung diskutiert. Er trug mit dazu bei, dass die Regeln für Maßregelvollzug (§ 63 StGB) und forensische Begutachtung kritisch überdacht wurden.
### Weitere Quellen & Medien
- Buch von Gerhard Strate (Verteidiger): Der Fall Mollath – Vom Versagen der Justiz und Psychiatrie
- Dokumentarfilm: Mollath – „und plötzlich bist du verrückt“ (Annika Blendl & Leonie Stade)
- ZDF-Film: Gefangen – Der Fall K. (mit Jan Josef Liefers)
- Viele Reportagen von SZ, BR, Spiegel etc.




Der Psychiater Schulz aus Siegen bescheinigte mir im Jahr 2020 im Rahmen eines Fachgutachtens für die Versicherung mental gesund zu sein. Darüber hinaus sagte er mir, ich sei der zweite Fall "Gustl Mollath" und soll damit zur BILD Zeitung gehen.
Hier sind ähnliche Justizskandale in Deutschland, die dem Fall Gustl Mollath in zentralen Punkten ähneln: Fehldiagnosen in der forensischen Psychiatrie, fragwürdige Gutachten, lange Unterbringung in geschlossenen Kliniken (§ 63 StGB), Pathologisierung unbequemer oder „querulatorischer“ Personen und das Zusammenspiel von Justiz, Psychiatrie und manchmal persönlichen oder institutionellen Interessen.
Ich liste die bekanntesten und am besten dokumentierten Fälle auf, sortiert nach Ähnlichkeitsgrad zu Mollath (Whistleblower-Element + psychiatrische Wegsperrung).
### 1. Der Fall Thomas Müschenborn (der „längste Fall“)
- Dauer: 38 Jahre (!) in der Psychiatrie (von 1975 bis 2013).
- Hintergrund: Als 18-Jähriger nach einer harmlosen Auseinandersetzung eingewiesen. Schnelle Diagnose „Schizophrenie“. Jahrzehntelange Zwangsbehandlung mit Neuroleptika, die ihn zum „Wrack“ machten.
- Wende: Spätere Gutachten zeigten, dass er nie schizophren war – es…
Ist es nicht Zeit für einen neuen Bundeswirtschaftsminister ohne ideologischen Ballast?
Die Tage war Herr Jürgen Trittin von den Grünen im Fernsehen und wetterte heftig gegen das „fossile Geschäftsmodell“. Ich lasse mich nicht vor so einen Karren spannen.
Soll Graichen wirklich 2 Millionen € für seinen Rauswurf bekommen?
Auch nach den überfälligen Rücktritten bei grünem Filz, wie z.B. "Trauzeugen-Affäre" ist der grüne Filz nicht völlig aufgeklärt: Warum bekommt eine Grüne Firma vom grünen Staatssekretär P. €35.000 aus Steuermitteln? Habeck muss weg, Deutschland braucht einen Wirtschafts- und keinen Familienminister.