das Auftreten und die Erscheinung des Rob Stuhlian im Traum der Jungfrau
- Martin Döhring

- 13. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Es war einmal ein Land, das keinen Namen mehr trug, weil die Menschen vergessen hatten, wie man Dinge beim rechten Namen nennt. Die Alten sagten, früher habe dort ein klarer Fluss geflossen, und auf den Hügeln hätten Kinder gespielt. Doch nun stand auf dem höchsten Berg eine Burg aus schwarzem Stein, und ihre Mauern blickten wie blinde Augen über das Tal.
In jener Burg lebte ein Vater, der einst die Mutter des Landes geliebt hatte. Sie war mild gewesen wie der Regen im Frühling und sprach mit den Armen ebenso freundlich wie mit den Herren. Doch eines Winters verstummte ihr Lied. Niemand wusste, ob sie verstoßen, begraben oder nur vergessen worden war.
Eines Tages ließ der Vater die Glocken läuten.
Nicht die Mutter führte er zum Altar, sondern eine andere Frau – eine bleiche Braut mit einem Kleid aus silbernem Stoff, das im Wind raschelte wie dürres Laub. Die Menschen standen schweigend im Burghof und wagten nicht aufzusehen. Nur die Banner flatterten hoch oben auf den Türmen wie zerrissene Vögel.
Vor den Mauern aber brannten die Scheiterhaufen.
Der Rauch stieg langsam empor und kroch über die Felder wie ein zweites Wetter. Die Wächter führten Frauen mit offenen Haaren durch die Straßen. Manche weinten, andere schwiegen. Man sagte, sie seien Hexen, weil sie sich an Träume erinnerten, die das Reich vergessen wollte.
Und während das Feuer knisterte, bemerkten einige Kinder etwas Seltsames auf dem Richtplatz.
Am Galgen hing ein Toter, den niemand mehr abnahm. Der Wind bewegte ihn wie eine alte Fahne. Daneben stand ein Kreuz, doch der Gekreuzigte hing verkehrt herum, mit dem Kopf zur Erde und den Füßen zum Himmel, als habe die Welt ihre Ordnung verloren.
Die Alten murmelten:„Wenn selbst der Himmel sich umkehrt, dann wird auch das Herz der Menschen rückwärts schlagen.“
In jener Zeit zog Rob Stuhlian durchs Dorf.
Niemand wusste genau, wer sein Vater gewesen war. Manche behaupteten, er sei aus einem Kornfeld geboren worden. Andere sagten, die Krähen hätten ihn großgezogen. Er trug zerrissene Kleider aus Stroh und Lumpen, und wenn er ging, raschelte er wie ein dürres Feld im Herbst.
An seinem Gürtel hing eine Steinschleuder.
Rob lief lachend durch die Straßen, während ringsum die Verwirrung wuchs. Die Menschen verriegelten ihre Türen, die Hunde heulten, und aus den Kaminen quoll schwarzer Rauch.
Dann begann er, die Fenster der Häuser einzuwerfen.
Splitter flogen durch die Luft wie gefrorene Tränen. Die Bewohner schrien hinter ihren Vorhängen und nannten ihn verrückt. Doch Rob lachte nur weiter, denn er sagte zu den Krähen auf den Dächern:
„Ich zerbreche keine Fenster. Ich zerbreche die Spiegel, hinter denen sie sich verstecken.“
Aber niemand verstand ihn.
Währenddessen trat der Fürst auf den Burghof.
Er war bleich wie Mondlicht auf einem Grabstein. Sein Mantel bewegte sich nicht im Wind, und seine Augen waren dunkel wie verbrannte Erde. Er hob langsam die Hand, und aus dem Rauch der Scheiterhaufen erhoben sich Gestalten.
Es waren Schatten.
Keine Menschen aus Fleisch und Blut, sondern schwarze Umrisse, still und lautlos. Sie hatten keine Gesichter, nur leere Stellen, wo Erinnerung hätte sein müssen. Sie marschierten durch das Tor der Burg, und ihre Schritte machten kein Geräusch.
Die Leute im Dorf duckten sich in ihre Häuser.
Denn sie wussten: Wer einmal von den Schatten angesehen wurde, begann den eigenen Namen zu vergessen.
Auf dem Markt geschah zur gleichen Zeit etwas Sonderbares.
Die Händler riefen laut ihre Preise aus. Gold wechselte die Hände, Schmuck, Brot, alte Bücher, Kinderspielzeug und sogar Familienbilder wurden verkauft. Schwarze und rote Tücher flatterten über den Ständen wie Fahnen eines sterbenden Reiches.
Ein alter Händler sagte:„Wenn die Welt untergeht, versuchen die Menschen immer noch zu handeln.“
Und tatsächlich schienen manche zu glauben, man könne sich mit Münzen vor dem Ende retten.
Als die Nacht hereinbrach, standen die Flammen noch immer vor der Burg.
Der Vater saß schweigend neben seiner neuen Braut.Der Fürst zählte seine Schatten.Die Händler schlossen ihre leeren Kassen.Und Rob Stuhlian wanderte hinaus aufs Feld.
Dort blieb er stehen und blickte zurück auf das Dorf.
Überall glommen kleine Lichter hinter zerbrochenen Fenstern. Die Burg ragte schwarz gegen den Himmel, und der Rauch der Scheiterhaufen stieg höher und höher, bis er die Sterne bedeckte.
Da hob Rob einen letzten Stein auf.
Er betrachtete ihn lange, als halte er darin eine Erinnerung, die älter war als das Reich selbst.
Dann warf er ihn in die Dunkelheit.
Und irgendwo im Dorf zerbrach noch eine letzte Scheibe.



Martin Wilhelm Döhring
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Mainz, 29.11.2021
Wiederaufnahmeverfahren nach §359 StPO Absatz 2 und 3 sowie 5 und 6
Sehr geehrter Herr Scheffler,
in meinem letzten Schreiben an Sie (email) mit der Bitte um Antragsstellung auf ein Wiederaufnahmeverfahren habe ich die Delikte §164 StGB (falsche Verdächtigung ) und §133 StGB (Verwahrungsbruch) vergessen mitaufzuführen.
Ich bezichtige die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach diese Straftaten zu meinem Nachteil begangen zu haben.
Diese Geschichte mit dem “Arztbrief” ist einfach eine falsche Verdächtigung, die zu einem weitern Straf-Prozess gegen mich in zwei Instanzen führte.
Absicht war die Rechtsbeugung, wegen meiner…