chronic fatigue syndrom im follow-up von Corona
- Martin Döhring

- 10. Juni 2020
- 2 Min. Lesezeit
Chronic Fatigue Syndrom , chronische Müdigkeit
Heute zufällig Radiobericht über das chronische Müdigkeitssyndrom gehört. Eine Betroffene hat ihr Leid geschildert: Müdigkeit, Lustlosigkeit und Antriebsschwäche.
Sie sagt, Sie habe den Eindruck, Betroffene werden gerne als diejenigen abgetan, die sich auf Kosten der Gesellschaft es mal so richtig gut gehen lassen wollen. Ähnlich der Theorie, dass der Selbstmörder seine Umwelt bestrafen will.
Sie sagt, sie habe sich umfassend informiert. Häufig trete dieses Syndrom nach einer Infektion, etwa eine Grippe auf. Man habe das Gefühl, als hätte einem die Krankheit sämtliche Energie und Kräfte aus dem Körper gezogen. Standardtherapie mit Antidepressivum.
Abzugrenzen ist das Syndrom sicher von einer Belastungsstörung. Bei mir haben alle Alarmglocken literarisch gesprochen geklingelt, als ich dies von der Infektion hörte. Dies in Zeiten von Corona….
Könnte ja jetzt sein, dass sich Herrscharen beim Arzt nun damit melden.
Weiterhin erinnerte mich an einen echten klinischen Fall: Patientin, mittelalt, gehobener soziokultureller Standard, ansonsten unauffällig meldet sich mit diesem Syndrom, ansonsten ziemlich leer Anamnese. Wird fachärztlich auch so eingestuft und bekommt Antidepressiva.
Funktioniert aber nicht.
Bin ich zu meinem damaligen Chef, und meinte, nun, wenn das Antidepressivum nicht wirkt, wie wäre es, wenn wir mal ein Neuroleptikum einsetzen? Starrte mich mein Chef völlig entgeistert an, als ob ich völlig bekloppt geworden wäre.
Das hört sich vielleicht paradox an, eine Dämpfungsmittel für die Psyche könnte aktivieren. Es gibt aber auch die bekannte paradoxe Wirkung von Ritalin bei ADHS oder bei Diazepam mit Alkohol.
Chef hat aber schließlich das Antidepressivum abgesetzt und ein Neuroleptikum angesetzt.
Der Erfolg war umwerfend und stellte sich binnen Tagesfrist ein:
Vorher nahezu apathische Patientin entwickelte unter Anderem einen fast extremistischen Bewegungsdrang. Am Folgetag in die weitere ambulante Behandlung entlassen.
In diesem Blog hatte ich ja schon vor Wochen vor den mentalen Auswirkungen der drastischen Lockdown Restriktionen gewarnt.
Viele können in der Isolation tatsächlich ein Reiz-Deprivations-Syndrom entwickeln. Bei einer Symptomkonversion kann dann auch so was wie das chronic fatigue syndrom herauskommen.







Auch von einem Psychiater würde man erwarten, dass er bei seinen Patienten, auch wenn es sich offensichtlich um ein rein psychiatrisches Krankheitsbild handelt, mindestens die Vitalparameter Puls, Blutdruck, Körpergröße, Körpergewicht, Temperatur und Atemfrequenz (ersatzweise Pulsoxygenierung) feststellt, sonst sagt der Richter vor Gericht, er habe die Patienten wohl überhaupt nicht gesehen, geschweige denn untersucht