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Brustkrebs (Mammakarzinom) - eine andere Betrachtung

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 11. Sept. 2019
  • 3 Min. Lesezeit

Jede 20te Frau erkrankt leider an Brustkrebs. Das Mamma-Karzinom (Brustkrebs) gehört immer noch zu den 6 häufigsten Tumorerkrankungen überhaupt. Gestern wurde erneut ein Fall bekannt, einer hochrangigen Politikerin. Vor Jahren sorgte die US-Schauspielerin Angelina Jolie für Furore, als sie sich präventiv zur Brustamputation (Ablatio mammae) entschlossen hatte. Dies weil ein Test eine hohe Auftretenswahrscheinlichkeit für diese Erkrankung bei ihr prognostiziert hatte. Kann man vertreten die Entscheidung, weil das Mammakarzinom zur Mikrometastasierung neigt. Bedeutet, bei Feststellung eines Tumors hat der schon gestreut. Aus ärztlicher Sicht ist dies nur zu vertreten, wenn die Vorhersagequalität des Tests wirklich so gut ist. Eine andere individuelle Entscheidung einer Betroffenen ist aber zu respektieren.

Brustkrebs ist eine Systemerkrankung. Bedeutet, es reicht keinesfalls, einfach nur den Tumor aus der Brust herauszuoperieren. Chemotherapie und gegebenenfalls Radiation (Strahlentherapie) sind obligat, nennt sich Multimodales Behandlungskonzept, welches fachübergreifend von Chirurgen, Internisten und Radiologen betrieben werden muss.

OP in London: Als junger Assistent war ich 1992 erstmalig bei einer Brustamputation in London, im Westminsterhospital zugegen. Die Chirurgie dort hat auch screening betrieben mit Reihenuntersuchung mit Mammografie, Röntgenuntersuchungen reihenweise beim Normalkollektiv. Eine Röntgenuntersuchung kann zum Aufdecken eines Mammakarzinoms benutzt werden, es wird in der Aufnahme gezielt nach Mikrokalzifizierungen gesucht („Krähenfüße“). Dort hieß es ferner, jede 1000te Untersuchung dieser Art wird fündig. Das Strahlenrisiko ist vernachlässigbar. Man sagt aber, die Auswertung der Röntgenbilder soll durch Internisten oder Radiologen erfolgen.

Mittlerweile wird regelmäßig mit dem Ultraschall die weibliche Brust nach verdächtigen Herden untersucht, natürlich ist dabei auch eine Feinnadelbiopsie von verdächtigem Gewebe möglich.

Statistik im Studium: Im Medizinstudium in Deutschland erlebte ich meine Überraschung in der ersten Vorlesung Chirurgie, als dort nur Statistik rund ums Mammakarzinom unterrichtet wurde. Ich war ehrlich gesagt über Tage konsterniert und enttäuscht. Ich wollte mal was über Chirurgie hören und nicht über Statistik. Der Rückschluss vom Kollektiv auf den Einzelfall ist zu dem immer unzulässig!

Tumormarker als Screening Maßnahme zur Aufspürung von Brustkrebs sind nicht okay. Die Tumormarker eignen sich nur als Verlaufskontrolle vorher/nachher.

Die wichtigste Früherkennungsmaßnahme ist und bleibt die eigene Untersuchung durch die Frau (Abtasten der Brüste nach verdächtigen Knoten), diese können häufiger im jeweiligen äußeren unteren Quadranten auftreten.

Chirurgisch kann schon vor der OP überlegt werden, wie radikal die OP ablaufen soll. Präoperatives Staging mit CT (Schädel, Thorax, Abdomen) liefert dafür Entscheidungsgrundlagen. Im Prinzip macht es natürlich Sinn, die Lymphbahnen chirurgisch bis in die Achselhöhlen zu verfolgen, um Biopsieproben von den Lymphknoten zu entnehmen.

Die Frage, ob man mit einem verdächtigen Befund eher zum Hausarzt geht oder zum Facharzt kann nicht eindeutig beantwortet werden.

Der Essener Zwischenfall: Leider gab es auch Berichte, über völlig unzulängliches Verhalten von Ärzten. Vor etwa 25 Jahren wurde bekannt, dass die Gewebeschnitte aus verdächtigem Brustkrebsgewebe (Biopsien) in der Pathologie der Unikliniken Essen mehr als fahrlässig behandelt wurden. Ohne mikroskopische Ansicht der Präparate wurden Befunde erstellt und diktiert.

Natürlich hat man auch versucht, frustran, gemeinsame Oberflächenstrukturen bei Mammakarzinomen (Tumorgewebe) zu finden. Dies auch als möglicher Angriffspunkt für Antikörpertherapie. Vergeblich. Leider ist es aber wohl so, dass Brustkrebs und Nierenkrebs individuelle Tumorerkrankungen sind, d.h. jede betroffene Frau hat ihren eigenen spezifischen Brustkrebs.

Einige Brustkrebssorten sind hormonsensitiv, kann mit einem Marker (Bluttest auf Rezeptor) festgestellt werden. Hier gibt es spezielle Medikamente in Tablettenform, um diese Tumoren zu unterdrücken.

Es gibt keine Altersobergrenze für die chirurgische Behandlung des Mammakarzinoms!

Sorgfältige Medizin bedeutet, TNM Schema (Tumorstadium, Lymphknotenbefall, Metastasierung) respektive Typing, Grading, Staging bei Tumorerkrankungen.

Die moderne Medizin hat dem Brustkrebs den Schrecken geraubt. Schimpft‘s mir nicht so viel über die Ärzte, parteiische Richter sind viel schlimmer.

Martin Döhring – Copyright 2019

 
 
 

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