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Blinddarmentzündung?

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 16. Juni 2020
  • 2 Min. Lesezeit

Insgesamt ein uferloses Thema, welches seit gestern zufällig wieder auftauchte, durch Medienberichte.

Die gute Nachricht ist: Tatsächlich kann der Wurmfortsatz (Appendix des Blinddarms) konservativ behandelt werden.

Leider besteht der Verdacht, dass einige Ärzte unkritisch zu viele Kinder bei „Bauchweh“ direkt in die Chirurgie einweisen.

Insgesamt wird der Chirurg, der den Wurmfortsatz herausschneidet, sich immer behaupten können.

Wenn gleich zum Glück viele Fälle aus der Chirurgie berichtet worden sind, bei denen Chirurgen auf eine Operation nach gründlicher Untersuchung der Patienten verzichtet haben.

Eine „Blinddarmentzündung“ (Appendizitis, Entzündung des Wurmfortsatzes des Blinddarms) kommt wahrscheinlich viel häufiger vor als angenommen. Diesen Schluss legt Resektionsgut bei älteren Patienten nahe, bei denen nach einer Entfernung der Appendix, festgestellt wird, dass dieser mutmaßlich zu vielen frühen Zeiten bereits mehrfach perforiert (durchbrochen) war.

Die Appendix ist klein, nur wenige Zentimeter. Wird sie chirurgisch entfernt, kann der Chirurg meistens makroskopisch sofort feststellen, ob Entzündungszeichen vorliegen. Die gute Frage ist allerdings, ob diese Entzündung durch den Eingriff hervorgerufen wurde, oder ob diese nicht von alleine wieder weggeht.

Und dann gibt es die Angst (häufig von Müttern), die ganze Angelegenheit sei lebensgefährlich. Wenn dies so wäre, wäre die Menschheit längst ausgerottet. In dem Roman „Medicus“ wird die Erfindung der OP bei der „Seitenkrankheit“ als lebensrettend dargestellt. Diese Darstellung ist ein Märchen und zwar kein frommes.

Selbst bei einem Durchbruch (Millimeterwunde des Wurmfortsatzes) würde folgender Mechanismus passieren: Das omentum majus, das große Bauchnetz, greift wie eine Faust um die Appendix und verschließt sie. Dies um eine Infektion des Bauchraums wirkungsvoll zu verhindern. Die Appendix kann die offene Stelle nun selbst heilen, durch schieres Zuwachsen. So gesehen muss die prophylaktische Entfernung des Wurmfortsatzes, etwa vor Reisen in Extremgebiete, als überflüssig gewertet werden.

Die Antibiotikagabe bei einer konservativen Behandlung (Zuwarten und symptomatisch behandeln) ist nach meiner Meinung eher abdeckend. So richtig fehlt der Beweis, die Antibiose würde die Kausalität des Geschehens aufheben. Läßt sich nicht so richtig gut beweisen.

Es ist nachvollziehbar naiv, den Chirurgen zu fragen, ob und wie eine Appendizitis konservativ behandelt wird.

Als schlicht und ergreifend unkollegial und nicht standesgemäß ist das mögliche Verhalten von Chirurgen, den konservativen Kollegen bei der klinischen Untersuchung des Patienten wegzudrängen, diese zu beenden und eine OP einzuleiten. Und nach der OP dem Klinikum zu verkünden, was für ein starker Held (und wie dumm, mutlos und impotent der blöde Internist/Assistenzarzt/Allgemeinmediziner ist, der noch lange herum untersucht) er ist: Denn siehe die Appendix war ja entzündet!

Wie gesagt, diesen Gefallen wird die Appendix dem Chirurgen wohl in der Regel tun.

Viele Chirurgen in den Notaufnahmen untersuchen allerdings sorgfältig und nach allen Regel der Kunst, und auch des Lehrbuchs, und der Leitlinie, auch und gerade in Hinsicht auf andere Ursachen der Symptomatik, z.B. stielverdrehte Ovarialzyste oder anderes.

Nicht vergessen: Bei einer Blinddarmoperation wird der Bauch mit einem Messer aufgeschnitten.

Es wäre mehr als falsch, einen Zustand zu akzeptieren, bei dem jedes Bauchweh bei Kindern einfach mal so wegoperiert wird. Neben einer einer eventuell klassisch im Lehrbuch beschriebenen Symptomatik (Embryonalhaltung, McBurney/Lanz), müssten sich im Blutbild Leukozyten über 12.000 zeigen, dazu im Ultraschallbild eine Kokarde in Projektion auf die Appendizitis. Und auch dann kann konservativ behandelt werden. V.a. Appendizitis ist keine absolute OP-Indikation

 
 
 

2 Kommentare


Martin Döhring
Martin Döhring
18. Aug. 2024


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Martin Döhring
Martin Döhring
17. Juni 2020

Blinddarmentzündungen betrifft eher jüngere Patienten. Klassische ist gekrümmte Haltung bei Einlieferung in die Ambulanz. McBurney und Lanz tatsächlich häufig positiv. Bauchdecke hart.

Rektal-axilläre Temperaturdifferenz größer 0,8 Grad Celsius.

Kokarden-Phänomen im Ultraschall.

Vorgehensweise nach Schema für „akutes Abdomen“.

Röntgen Abdomen zwecks Ausschluss „Spiegelbildung“ beim Ileus (Darmstillstand).

Bauch auch auskultieren (Abhorchen mit Stethoskop).

Klassische Appendizitis mit Leukozytose streng bei 12.000.

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