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Modell der Selbstorganisation eines gesunden Selbst

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 13. Mai 2019
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. Juni


... copyright by martin wilhelm döhring ...
... copyright by martin wilhelm döhring ...

...hier kommt die psychoanalytische Tiefendeutung des Heil-Pantheons als inneres psychisches System, das in jedem Menschen wirkt und das ich in meiner eigenen Arbeit bereits intuitiv erfasst hatte.

Ich lese Apollon, Asklepios, Hygieia und Panakeia als vier komplementäre psychische Kräfte, die zusammen die Dynamik von Krankheit, Heilung, Hoffnung und Selbstorganisation bilden:

1. Apollon – Das ordnende Über-Ich und die symbolisierende Instanz

Apollon ist in der Psychoanalyse der Archetyp des Lichts, der Ordnung, der Formgebung.

Er entspricht:

  • dem Über-Ich, das Orientierung gibt

  • der Funktion der Symbolisierung (Bion, Winnicott)

  • der Fähigkeit, chaotische Affekte in Bedeutung zu verwandeln

Dass Apollon sowohl Pestpfeile sendet als auch Heilung bringt, ist die klassische Ambivalenz des Über-Ichs:

  • strafend, wenn die Ordnung verletzt wird

  • heilend, wenn Orientierung gebraucht wird

Er ist die Stimme, die sagt: „Es gibt eine Ordnung, und du musst dich ihr stellen.“

Apollon ist also die kulturelle Matrix, die das rohe Triebchaos formt.

 2. Asklepios – Das Ich als vermittelnde, heilende Instanz

Asklepios ist der Arzt, der zwischen göttlicher Ordnung und menschlichem Leiden vermittelt.

Psychoanalytisch ist er das Ich, das:

  • erkennt

  • diagnostiziert

  • integriert

  • repariert

  • Grenzen anerkennt

Er ist die Ich-Stärke, die Freud als Voraussetzung jeder Heilung sah.

Seine Hybris (Tote wiederzuerwecken) ist die Allmachtsphantasie des Ichs, die in jeder Therapie lauert:

  • der Wunsch, alles heilen zu können

  • der Wunsch, alles verstehen zu können

  • der Wunsch, den Tod zu besiegen

Der Blitz des Zeus ist die Realitätskorrektur, die das Ich wieder erdet.

Asklepios ist also das reife, aber begrenzte Ich, das zwischen Trieb, Moral und Realität vermittelt.

3. Hygieia – Die präventive Selbstregulation und Ich-Hygiene

Hygieia ist die Selbstfürsorge, die Affektregulation, die präventive Stabilisierung.

Sie verkörpert:

  • die Fähigkeit, sich selbst zu schützen

  • die Fähigkeit, Reize zu modulieren

  • die Fähigkeit, innere Ordnung zu bewahren

Freud sprach von „Ich-Hygiene“: der Fähigkeit, Konflikte zu verarbeiten, bevor sie symptomatisch werden.

Hygieia ist die Stimme, die sagt: „Achte auf dich, bevor du krank wirst.“

Sie ist die stille, unspektakuläre, aber fundamentale Kraft der psychischen Gesundheit.

4. Panakeia – Die narzisstische Hoffnung auf das Allheilmittel

Panakeia ist die magische Hoffnung, die regressive Allmachtsphantasie, die Sehnsucht nach der einen Lösung.

Sie ist:

  • die infantile Wunschinstanz

  • die Phantasie der totalen Heilung

  • die Projektion eines perfekten Objekts

  • die Quelle der Hoffnung, aber auch der Illusion

Ohne Panakeia gäbe es keine Therapie, denn jede Behandlung beginnt mit einem narzisstischen Funken Hoffnung.

Aber Panakeia ist gefährlich, wenn sie das Ich verführt:

  • zur Idealisierung

  • zur Abhängigkeit

  • zur Verleugnung der Realität

Sie ist die Stimme, die sagt: „Es muss doch etwas geben, das alles heilt.“

5. Das Pantheon als psychodynamisches Modell der Heilung

Die vier Figuren bilden ein vollständiges Modell psychischer Gesundheit:

Gottheit

Psychoanalytische Instanz

Funktion

Apollon

Über-Ich / Symbolisierung

Ordnung, Licht, Orientierung

Asklepios

Ich

Diagnose, Integration, Handlung

Hygieia

Ich-Ideal / Selbstregulation

Prävention, Stabilität

Panakeia

Narzisstische Wunschinstanz

Hoffnung, magische Heilphantasie

Heilung entsteht, wenn diese vier Kräfte in Balance sind.

  • Ohne Apollon → keine Orientierung

  • Ohne Asklepios → keine Handlung

  • Ohne Hygieia → keine Stabilität

  • Ohne Panakeia → keine Hoffnung

Das Pantheon ist also ein inneres Team, das Gesundheit ermöglicht.

6. Tiefenpsychologische Gesamtdeutung

Das Pantheon zeigt, dass Heilung dialektisch ist:

  • zwischen Ordnung und Chaos

  • zwischen Realität und Wunsch

  • zwischen Prävention und Intervention

  • zwischen Ich-Stärke und Regression

Freud hätte gesagt: Heilung ist die Integration widersprüchlicher psychischer Kräfte.

Jung hätte gesagt: Das Pantheon ist ein archetypisches Mandala der Ganzheit.

Die moderne Psychoanalyse würde sagen: Es ist ein Modell der Selbstorganisation eines gesunden Selbst.

7. Meine eigene Position in diesem Pantheon

Wenn ich meine bisherigen Arbeiten, Allegorien und Visualisierungen reflektiere, dann verkörpere ich selbst in meiner Denkbewegung:

  • Apollon → dein Bedürfnis nach Klarheit, Struktur, Deutung

  • Asklepios → dein medizinisches, klinisches, analytisches Handeln

  • Hygieia → dein Interesse an Prävention, Ordnung, Rekursion

  • Panakeia → dein kreativer, mythopoetischer Impuls, der Heilung als Ganzheit denkt

Ich bewege mich also innerhalb des Pantheons, nicht außerhalb.


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