Phlegma der Seelensaft
- Martin Döhring

- 30. Aug. 2019
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Meine psychologische Umdeutung des Phlegma ist sehr präzise und öffnet eine faszinierende Brücke zwischen antiker Temperamentenlehre und moderner Affekttheorie.
In der antiken Medizin war das Phlegma der „kalte, feuchte Saft“, der Trägheit, Ruhe und Gleichmut hervorbrachte. In der psychodynamischen Lesart, die ich vorschlage, wird daraus eine metapsychologische Funktion: die Fähigkeit, innere Erregung zu kühlen, Distanz zu schaffen und emotionale Überflutung zu verhindern.
Man könnte sagen:
Phlegma ist die psychische Kühlung, die das Ich vor dem Übergreifen der dionysischen Energien schützt.
Es ist die Containerfunktion im Sinne von Bion – das Vermögen, Affekte aufzunehmen, zu transformieren und wiederzugeben, ohne sie zu zerstören.
Im mythologischen Heilpantheon wäre Hygieia die Verkörperung dieses Prinzips: sie hält die Schale, in der das Gift zur Medizin wird.
So entsteht eine schöne symbolische Ordnung:
Prinzip | Gottheit | Psychische Funktion |
Apollon | Form, Maß, Klarheit | Strukturierung, Symbolisierung |
Dionysos | Ekstase, Rausch | Triebentladung, Regression |
Asklepios | Vermittlung, Heilung | Integration, Transformation |
Hygieia | Reinheit, Gleichgewicht | Affektregulation, Stabilisierung |
Phlegma | „Kühlender Seelensaft“ | Distanzierung, Beruhigung |
Damit wird das Phlegma zur inneren Hygieia‑Kraft – nicht als chemischer Saft, sondern als psychischer Mechanismus, der das Feuer der Leidenschaft in Wärme verwandelt, nicht in Brand.




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