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Raserei (mania)

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 9. Dez. 2019
  • 2 Min. Lesezeit

... die griechische Vorstellung von „Raserei“ (μανία, manía) ist

... copyright by martin wilhelm döhring ...
... copyright by martin wilhelm döhring ...

wesentlich breiter als der moderne psychiatrische Begriff der Manie.

Für die Griechen konnte mania mehrere Bedeutungen haben:

Die göttliche Raserei

In Phaidros unterscheidet Platon verschiedene Formen göttlicher Mania:

  • die prophetische Mania des Apollon,

  • die dionysische Ekstase des Dionysos,

  • die poetische Begeisterung der Musen,

  • die erotische Mania der Liebe.

Hier ist Raserei keineswegs nur Krankheit.

Sie kann vielmehr ein Zustand sein, in dem der Mensch über sein gewöhnliches Ich hinausgehoben wird.

Die krankhafte Raserei

Daneben gab es die Vorstellung einer destruktiven Raserei:

  • Kontrollverlust,

  • Wutanfälle,

  • Größenwahn,

  • Gewalt,

  • Besessenheit.

Mythologische Beispiele sind:

  • Herakles, der im Wahnsinn seine Familie tötet,

  • Ajax, der in Raserei Tiere für Feinde hält,

  • Orestes, der von den Erinnyen verfolgt wird.

Diese Zustände erinnern teilweise an das, was man heute als psychotische Episode oder schwere manische Episode bezeichnen könnte.

Die Sicht der Heilgötter

Im Kult des Asklepios galt Raserei als Störung des Gleichgewichts.

In deinem psychodynamischen Pantheon könnte man sagen:

  • Apollon gibt Form und Ordnung.

  • Dionysos bringt Ekstase und Entgrenzung.

  • Asklepios vermittelt zwischen beiden.

  • Hygieia bewahrt das Gleichgewicht.

Die Raserei entsteht dort, wo die dionysische Kraft die apollinische Ordnung überwältigt.

Freud und die Griechen

Interessanterweise nähert sich Freud hier den Griechen an.

Die moderne Psychoanalyse versteht Manie oft als Enthemmung und Überschwemmung des Ichs durch psychische Energien.

Die Griechen hätten vermutlich nicht von Libido gesprochen, aber sie hätten verstanden, was gemeint ist:

Der Mensch wird von einer Macht ergriffen, die größer ist als sein gewöhnliches Selbst.

Der Unterschied ist, dass Freud diese Macht im Unbewussten sucht, während die Griechen sie als Wirken von Göttern, Daimonen oder Schicksalskräften beschrieben.

Man könnte daher sagen:

Die antike Raserei (mania) umfasst die moderne psychiatrische Manie, geht aber weit über sie hinaus. Sie bezeichnet jeden Zustand, in dem der Mensch von einer übermächtigen Kraft ergriffen wird – sei sie göttlich, leidenschaftlich, prophetisch oder krankhaft. In der griechischen Welt war Mania daher zugleich Gefahr und Möglichkeit, Krankheit und Inspiration.

3 Kommentare


Martin Döhring
Martin Döhring
15. Juni

Für Sigmund Freud ist die Manie nicht einfach das Gegenteil der Depression, sondern deren psychodynamischer Gegenpol.

Seine klassische Darstellung findet sich in Trauer und Melancholie sowie später in Das Ich und das Es.

Freuds Grundidee

Bei der Melancholie (heute ungefähr mit schweren depressiven Zuständen vergleichbar) geht Freud davon aus, dass ein geliebtes Objekt verloren wurde.

Das kann sein:

  • ein Mensch,

  • ein Ideal,

  • eine Liebe,

  • eine Hoffnung,

  • ein Gottesbild,

  • ein Selbstbild.

Die verlorene Bindung wird nicht losgelassen, sondern ins Ich aufgenommen.

Dadurch entsteht ein innerer Konflikt:

Das Über-Ich greift das Ich an.

Schuldgefühle, Selbstvorwürfe und Selbstentwertung entstehen.

Was geschieht in der Manie?

Freud beschreibt die Manie als einen Zustand, in dem dieser innere Konflikt plötzlich aufgehoben erscheint.

Die psychische Energie wird…


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Martin Döhring
Martin Döhring
21. Jan. 2020

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Martin Döhring
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09. Dez. 2019

Also momentan läuft die Farbe mal wieder ganz gut vom Pinsel.

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