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Konflikt

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 21. Jan. 2021
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 8. Apr.

Frühkindliche Entwicklung ist kein linearer Reifungsprozess, sondern ein hochdynamisches Spannungsfeld zwischen Bedürfnissen, Beziehungserfahrungen und innerpsychischen Strukturbildungen. Im klassischen psychodynamischen Modell von Es, Ich und Über-Ich entsteht Persönlichkeit aus der fortlaufenden Vermittlungsleistung des Ichs zwischen Triebimpulsen (Es), internalisierten Normen (Über-Ich) und der äußeren Realität. Entscheidend ist dabei die Qualität der frühen Bezugspersonen – insbesondere deren Fähigkeit zu konsistenter, kongruenter und emotional verstehbarer Kommunikation.

Kommt es hier zu systematischen Inkongruenzen, insbesondere in Form von paradoxer Kommunikation (Double Bind), entsteht eine fundamentale Störung dieser Vermittlungsleistung. Ein Double Bind liegt vor, wenn ein Kind gleichzeitig widersprüchliche Botschaften auf verschiedenen Ebenen erhält, etwa: „Ich liebe dich“ (verbal), während Körpersprache, Tonfall oder Verhalten Ablehnung signalisieren. Das Kind kann diese Widersprüche weder auflösen noch metakommunikativ benennen, da es vollständig von der Bindungsperson abhängig ist. Das Ich gerät dadurch in eine unlösbare Konfliktsituation.

Psychodynamisch bedeutet das:

  • Das Es liefert weiterhin unmittelbare Bedürfnisse nach Nähe, Sicherheit und Affektregulation.

  • Das Über-Ich internalisiert die widersprüchlichen elterlichen Botschaften als rigide, oft strafende Instanz („Deine Wahrnehmung ist falsch“, „Du bist schuld“).

  • Das Ich ist überfordert, da Realität und innere Repräsentanzen nicht mehr kohärent integriert werden können.

Als Folge entstehen strukturelle Abwehrmechanismen, die nicht mehr nur konfliktlösend, sondern realitätsverzerrend wirken:

1. Dissoziation Das Ich spaltet inkompatible Erfahrungen voneinander ab, um psychische Kohärenz zu simulieren. Wahrnehmung, Affekt und Selbstgefühl fragmentieren. Dissoziation ist hier kein akuter Schutzmechanismus mehr, sondern wird zu einer grundlegenden Organisationsform der Psyche.

2. Narzisstische Strukturbildung Da das Kind keine stabile, verlässliche Spiegelung erhält, entsteht ein kompensatorisches Selbstsystem. Ein grandioses Selbstbild stabilisiert das fragile Ich gegen die entwertenden Botschaften des Über-Ichs. Gleichzeitig bleibt eine extreme Abhängigkeit von äußerer Bestätigung bestehen, da die ursprüngliche Selbstwertregulation nie konsistent aufgebaut wurde.

3. Schizoide Struktur

Bei chronischer Unauflösbarkeit der Beziehungskonflikte erfolgt ein Rückzug aus der zwischenmenschlichen Realität. Affekte werden abgeflacht, Beziehungen als potenziell widersprüchlich und gefährlich erlebt. Das Ich schützt sich durch Distanzierung und Autarkiefantasien, während das Bedürfnis nach Nähe im Es weiterhin latent bestehen bleibt.

Der gemeinsame Nenner dieser Entwicklungen ist eine Störung der Symbolisierungs- und Integrationsfähigkeit des Ichs. Paradoxe Kommunikation verhindert die Ausbildung stabiler Bedeutungszusammenhänge: Zeichen verlieren ihre Verlässlichkeit, Affekte ihre Zuordenbarkeit, Beziehungen ihre Vorhersagbarkeit. Das Kind kann keine konsistente innere Welt aufbauen, in der Erfahrungen verarbeitet und integriert werden.

Damit sind Dissoziation, Narzissmus und schizoide Tendenzen keine isolierten „Störungen“, sondern logische Anpassungsleistungen an ein frühkindliches Milieu, in dem Realität selbst widersprüchlich organisiert war. Das Ich überlebt – aber um den Preis struktureller Fragmentierung.

3 Kommentare


Martin Döhring
Martin Döhring
08. Apr.

Der Riss in der Realität: Wie Double-Bind-Kommunikation das kindliche Ich zur Spaltung zwingt

Frühkindliche Entwicklung wird oft fälschlicherweise als ein sanfter, linearer Reifungsweg idealisiert. In Wahrheit gleicht sie vielmehr einem psychischen Hochspannungsfeld, in dem das fragile, entstehende Ich verzweifelt um Kohärenz ringt. Der Schauplatz dieses Ringens ist das dynamische Spannungsfeld zwischen den existenziellen Bedürfnissen des Kindes, seinen konkreten Beziehungserfahrungen und der daraus resultierenden innerpsychischen Strukturbildung. Im klassischen psychodynamischen Modell ist die Persönlichkeit das Resultat einer fortlaufenden, herkulischen Vermittlungsleistung des Ichs: Es muss die Triebimpulse des Es, die internalisierten Normen und Verbote des Über-Ichs und die Anforderungen der äußeren Realität in Einklang bringen.

Dieser Integrationsprozess ist kein Automatismus. Er ist fundamental abhängig von der Qualität der frühen Bezugspersonen – insbesondere von…

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Martin Döhring
Martin Döhring
25. Jan. 2021

Nachdem jetzt 200 Millionen Einheiten von einem Medikament gekauft wurden , und diese in dieser Woche bei uns eintreffen , ist der Lockdown überflüssig und sollte sofort beendet werden.

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Martin Döhring
Martin Döhring
21. Jan. 2021

Man könnte auch allen offenen Impfstoffen eine zeitliche begrenzte Notfallzulassung geben. Damit wäre dann die Ü60 Risikogruppe rasch abgedeckt und weiterer Lockdown überflüssig.

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