...alles Rheuma oder was?
- Martin Döhring

- 16. Juni 2020
- 2 Min. Lesezeit
Alles Mögliche wird als Rheuma bezeichnet, was in Wirklichkeit kein Rheuma ist.
Hinter „Rheuma“ verbirgt sich ein Sammelsurium von mindestens zwanzig unterschiedlichen Erkrankungen.
Der Begriff Rheuma (griech.: fliessen) selbst weist auf den fließenden Verlauf der Erkrankung hin.
Streng genommen liegt echtes Rheuma nur vor, wenn 3 von 5 Kriterien der ARA (american rheuma association) erfüllt sind: Morgensteifigkeit, Rheumafaktorennachweis, Gelenkschwellung, subkutane Rheumaknoten, Druck- oder Bewegungsschmerz.
Schmerzen sind häufig das Leitsymptom, welches die Patienten zum Arzt führt.
Nicht immer ist jede Rheumaerkrankung so leicht zur behandeln, wie der Fall einer jüngeren Patientin, die sich verzweifelt nach etlichen Therapieversuchen (inklusive Goldpräparaten mit mehr wöchigen Kuraufenthalten), an mich gewendet hatte. Sie litt wohl eher an einer psychosomatischen rheumatischen Erkrankung, abzugrenzen von Aggravation, Simulation, Morbus Clinicus oder Hysterie. Grundkondition einer psychosomatischen Erkrankung ist unter Umständen die Unfähigkeit, Gefühle zu äußern (Alexithymie). Nach längerer Gesprächssitzung war die Erkrankung wie weggeflogen.
Die Differenzialdiagnose „Rheuma“ ist umfangreich, zu berücksichtigen sind nicht nur die klassische Rheumatoide Arthritis, sondern auch die juvenile idiopathische Polyarthritis, primär chronische Polyarthritis, Polymyalgie, degenerative Gelenkerkrankungen, Gicht, Morbus Dupuytren, Osteoporose usw. …
Ich erinnere mich an die Zeit, als ich jeden Dienstagmittag eine spezielle Rheumasprechstunde hatte, für Patienten, die eine Antikörpertherapie erhalten sollten. Als Präparat kam ein Antikörper gegen den Tumor-Nekrosefaktor Alpha zum Einsatz. Dieses Medikament wird sonst auch gerne mal bei Morbus Crohn gegeben. Selten kommt auch der Antikörper Rituximab, welcher sonst beim B-Zell Lymphom eingesetzt wird, bei Rheumatoider Arthritis zum Einsatz.
Allerdings muss vor dem Einsatz des Antikörpers gegen Tumor-Nekrose-Faktor-alpha sichergestellt werden, dass der Patient nicht irgendwo ein Tumor sitzen hat oder an einer Krebserkrankung leidet.
Rheumapatienten erinnern sich häufig sehr genau an das Datum und die Situation der Erstmanifestation ihrer Erkrankung. Es gibt auch eine Rheumachirurgie für Gelenkdeformitäten, allerdings ist zum Beispiel beim Morbus Dupuytren (Verkürzung der Palmaraponeurose) ein Therapieversuch mit hochdosiertem Vitamin-E induziert.







Echtes Rheuma, die Rheumatoide Arthritis RA, ist eine entzündliche Erkrankung.