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Größenwahn als Flucht vor sich selbst (Manie)

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 12. Sept. 2019
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 10. Apr.


Die These, dass Vielschreiber wie Johannes Mario Simmel maniforme, narzisstische oder hochstaplerische Züge aufweisen, lässt sich im Sinne von Fritz Riemann durchaus psychodynamisch modellieren — allerdings präzise: nicht als Pathologisierung von Produktivität, sondern als mögliche Strukturvariante der Ich-Organisation unter Spannung.

Ich zerlege dir das entlang der Riemann’schen Grundkonflikte und verknüpfe es mit frühkindlicher Objektbeziehung und Abwehrdynamik.

Ausgangspunkt: „Vielschreiben“ als psychische Regulation

Extrem produktives Schreiben kann psychodynamisch verstanden werden als:

  • Affektregulation durch Dauerproduktion

  • Selbstwertstabilisierung durch Externalisierung („Ich erschaffe, also bin ich“)

  • Kontrolle über innere Konflikte durch narrative Ordnung

Wenn das übersteigert ist, kippt es in:

  • maniforme Beschleunigung

  • narzisstische Grandiosität

  • pseudologische (hochstaplerische) Selbstentwürfe

Riemann-Achsen: Die zugrunde liegenden Ängste

Angst vor Wertlosigkeit (depressiver Pol – Individuation)

Frühkindliche Matrix

  • Zuwendung ist inkonsistent oder leistungsgebunden

  • Kind erlebt: „Ich bin nur wertvoll, wenn ich etwas liefere

Psychodynamische Folge

  • fragiles Selbstwertgefühl

  • Angst vor innerer Leere

Kompensation beim Vielschreiber

  • permanente Produktion = Selbstwert-Infusion

  • Schreiben wird zu einer Art „narzisstischer Ernährung“

Narzissmus hier nicht primär arrogant, sondern:Abwehr gegen depressive Entwertung

Angst vor Begrenzung (hysterischer Pol – Dauer

Frühkindliche Matrix

  • wenig Struktur oder inkonsistente Grenzen

  • Reizüberflutung oder emotional instabile Bezugspersonen

Psychodynamik

  • Dauer = erlebt als:

  • Stillstand

  • Bedeutungslosigkeit

  • „psychisches Sterben“

Kompensation

  • maniforme Aktivität

  • Vielschreiben = Flucht vor innerer Erstarrung

Manie ist hier:Abwehr gegen Angst vor Leere und Zeit

Angst vor Vereinnahmung (schizoider Pol – Hingabe)

Frühkindliche Matrix

  • intrusive, kontrollierende oder widersprüchliche Nähe (Double Bind)

Psychodynamik

  • Beziehung = Bedrohung des Selbst

Kompensation

  • Rückzug in autonome Welt (z. B. Schreiben)

Literatur wird:kontrollierte Beziehung ohne Risiko

  • Figuren gehorchen

  • Nähe ist dosierbar

  • Realität ist manipulierbar

Angst vor Selbstwerdung (depressiver Pol – Individuation)

Paradox:

  • Einerseits Drang zur Größe

  • Andererseits Angst vor realer Selbstdefinition

Kompensation

  • Grandiose Fantasieselbstbilder

  • „Ich bin alles“ statt „Ich bin etwas Konkretes“

Das erklärt Hochstapelei: nicht bewusster Betrug, sondern Identitätsdiffusion mit narzisstischer Überhöhung

Synthese: Die „manisch-narzisstische Schreibstruktur“

Die Kombination ergibt ein sehr typisches Muster:

Kernkonflikt

„Ich darf nicht leer, begrenzt oder abhängig sein.“

Lösung des Ichs

  • Ich produziere ständig gegen Leere

  • Ich erschaffe Größe gegen Minderwertigkeit

  • Ich kontrolliere Welten gegen Ohnmacht

  • Ich bleibe in Bewegung gegen Erstarrung

Warum „Größenwahn“ entstehen kann

Der sogenannte Größenwahn ist funktional:

Psychodynamische Funktion

  • Stabilisierung eines instabilen Selbst

  • Abwehr von:

  • Scham

  • Bedeutungslosigkeit

  • innerer Fragmentierung

Formel

Je fragiler das Ich, desto größer die Fantasie seiner Bedeutung

Hochstapelei (pseudologia phantastica) im Modell

Nicht primär moralisch, sondern strukturell:

  • Identität ist nicht stabil integriert

  • Realität wird „narrativ überformt“

Der Schriftsteller tut das beruflich —aber in der Pathologie verschwimmt Grenze zwischen:

  • Fiktion

  • Selbstbild

  • Realität

Kurzform (Riemann-kompatibel)

Symptom

Grundangst Funktion Vielschreiben

Angst vor Leere

Selbstwertregulation

Manie

Angst vor Dauer

Flucht vor Erstarrung

Narzissmus

Angst vor Wertlosigkeit

Grandiose Selbststabilisierung

HochstapeleiIdentitätsunsicherheit

Konstruktion eines kohärenten Selbst

Präzise Einordnung

Wichtig für deine Argumentation:

  • Nicht jeder Vielschreiber ist narzisstisch oder manisch

  • Aber: die Struktur ist kompatibel mit diesen Abwehrformen

  • Besonders bei extremem Output + Selbstinszenierung wird es plausibel

Essenz in einem Satz

Im Sinne von Riemann wäre der „manische Vielschreiber“:

Ein Ich, das durch permanente kreative Expansion gegen die Angst vor innerer Leere, Begrenzung und Selbstauflösung ankämpft.

6 Kommentare


Martin Döhring
Martin Döhring
26. Mai

Freud sah die Wurzeln manischer Zustände in frühen Beziehungserfahrungen, besonders in Situationen, in denen ein Kind extreme Ambivalenz, Verlustangst und narzisstische Kränkungen erlebt – und diese später durch manische Abwehrmechanismen „überdeckt“.

 Freuds Sicht: Welche Kindheitsbedingungen begünstigen manische Entwicklungen?

1. Frühe Verlusterfahrungen oder Trennungen

Freud ging davon aus, dass Manie eine Reaktion auf einen unbewältigten Verlust ist. In der Kindheit können das sein:

  • Verlust einer wichtigen Bezugsperson (real oder emotional)

  • emotionale Abwesenheit der Mutter

  • häufige Trennungen oder instabile Bindungen

Das Kind erlebt Trauer, kann sie aber nicht verarbeiten – später wird diese Trauer in der Manie überschwänglich verleugnet.

2. Übermäßige Abhängigkeit von der Mutter / primären Bezugsperson

Wenn ein Kind sehr abhängig ist, aber gleichzeitig Frustration erlebt, entsteht ein Konflikt zwischen Liebe…

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Martin Döhring
Martin Döhring
27. Apr.

Martin (der "Wolf") steht für ein Ich, das nicht über Produktion kompensiert, sondern über Integration und Kontrolle. Während der Vielschreiber seine Identität durch permanente symbolische Selbsterschaffung stabilisiert („Ich existiere, weil ich schreibe“), verkörpert Martin das Adult-Ich der Transaktionsanalyse:

  • Er bleibt handlungsfähig unter Druck.

  • Er reguliert Affekte, statt sie in Sprache zu entladen.

  • Er nutzt Denken als Werkzeug, nicht als Flucht.

Das Schreiben ist beim Vielschreiber eine Abwehrhandlung, beim Wolf dagegen eine Reflexionshandlung – ein Mittel zur Selbst- und Weltanalyse, nicht zur Selbstrettung.

Der Wolf als Archetyp der Kontrolle

In der Symbolik meiner Serie ist der Wolf kein Raubtier, sondern ein Grenzbewahrer. Er bewegt sich zwischen Nähe und Distanz, zwischen Instinkt und Vernunft. Das macht ihn zum psychischen Antagonisten des hysterisch-manischen Autors:

  • Der…

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Martin Döhring
Martin Döhring
17. März

Danke für die Rückfrage – du hast völlig Recht, die Aussage war ohne Kontext zu vage. Ich beziehe mich hier auf eine spezifische, hochgradig kontroverse Debatte, die weniger die klassische Psychiatrie (wie die Behandlung von Schizophrenie oder Psychosen) betrifft, sondern vielmehr bestimmte Strömungen innerhalb der affirmativen Therapie, vor allem im Kontext von Gender-Dysphorie und Transidentität bei Kindern und Jugendlichen.


Hier ist der genaue Hintergrund, auf den ich anspielte:


1. Der Vorwurf: "Affirmation statt Exploration"


In den USA gibt es eine starke und wachsende Kritik – sowohl von ehemaligen Insidern (z. B. Therapeuten, die ihre Meinung geändert haben) als auch von konservativen und einigen liberalen Intellektuellen – an einem Teil der sogenannten "gender-affirmativen Behandlung" .


Die Kritiker (darunter bekannte Namen wie…


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Martin Döhring
Martin Döhring
16. Juni 2025

🎬 „Ein Wolf für alle Fälle“

Episode: Die Cäsar-Akte

Länge: 48 Minuten

Genre: Agentenserie mit schwarzem Humor, psychologischen Untertönen und gesellschaftskritischer Finesse

Ort: Fiktive Hochsicherheitspsychiatrie „Klinik Falkenstein“ (Bayern), BND-Zentrale, Martin Döhrings Atelier


🟡 TEASER – VORSPIEL (1:00–3:00)

Schnittfolge:

  • Alte Schwarzweiß-Aufnahme eines brillanten Kernphysikers auf einer UN-Konferenz.

  • Explosion in einer iranischen Forschungsanlage.

  • Irgendwo in Deutschland: Ein Mann im Toga-Kostüm steht auf einem Tisch in einem kahlen Raum.

„Ich, Gaius Julius Cäsar, bin umzingelt von gallischen Wahnsinnigen! Brutus ist unter uns!“

Titelmusik setzt ein:🎵 Jazziger Wolf-Beat, Mix aus Saxophon und Synths


🟢 AKT 1 – Das Bild in der Anstalt (3:00–15:00)

Ort: Martin Döhrings Atelier in einem verwitterten Seitenflügel eines alten Bahnhofs

Martin sitzt vor einer unvollendeten Leinwand. Doch statt Farbe ist ein Lageplan auf der Rückseite skizziert:…


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Martin Döhring
Martin Döhring
12. Aug. 2024


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