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Skriptheilung Minderwertigkeitskomplex nach TA/PAC-Model

  • Autorenbild: Martin Döhring
    Martin Döhring
  • 26. Aug. 2022
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Apr.


  ... scripthealing according to transaction analysis with PAC-model ...
... scripthealing according to transaction analysis with PAC-model ...

Das von mir beschriebene Profil eines „jähzornigen Tyrannen“ lässt sich hervorragend mit den Werkzeugen der Transaktionsanalyse (TA) nach Eric Berne dekonstruieren. Hinter der Fassade der Macht steht oft ein tief verunsichertes Kind-Ich (K), das durch ein strenges, kontrollierendes Eltern-Ich (EL) kommandiert wird.

Hier ist ein klinisches Konzept sowie ein beispielhaftes Skript für die Arbeit mit einem solchen Klienten.

1. Analyse der frühkindlichen Entwicklung

Ein solches Verhaltensmuster entsteht selten aus Verwöhnung, sondern meist aus einer Leistungskonversion von Scham.

  • Das „Bedingte Okay“: Das Kind lernte: „Du bist nur wertvoll, wenn du funktionierst/gewinnst/beherrschst.“ Liebe war an messbare Erfolge geknüpft.

  • Das Ohnmachtstrauma: Der spätere Tyrann erlebte oft selbst Willkür durch eine Bezugsperson. Der Jähzorn ist eine Identifikation mit dem Aggressor. Um nie wieder wehrlose Ohnmacht zu spüren, muss er die Umgebung präventiv terrorisieren.

  • Skript-Entscheidung: „Die Welt ist feindselig. Wenn ich nicht der Hammer bin, bin ich der Amboss.“

  • Ersatzgefühl (Racket): Wut wird als Ersatzgefühl für die eigentlich darunterliegende Scham oder Angst (Minderwertigkeit) genutzt, da Wut sich „stärker“ anfühlt.

2. Das PAC-Modell des Tyrannen (Struktur-Analyse)

Bei diesem Klienten sehen wir oft folgende Dynamik:

  1. Das Kritische Eltern-Ich (kEL): Extrem aufgebläht. Es gibt intern Befehle wie: „Sei perfekt!“, „Streng dich an!“, „Zeig keine Schwäche!“.

  2. Das Angepasste Kind-Ich (aK): Fühlt sich ständig ungenügend (Minderwertigkeitskomplex).

  3. Das Rebellische Kind-Ich (rK): Wenn das Gefühl der Unzulänglichkeit zu groß wird, bricht das rK in Form von Jähzorn aus, um das drohende Gefühl der Wertlosigkeit wegzublasen.

  4. Das Erwachsenen-Ich (ER): Ist in Momenten des Ausrastens trübe. Die Realitätsprüfung („Ist diese Kleinigkeit wirklich eine Katastrophe?“) fällt aus.

3. Therapeutisches Konzept: Behandlungsschwerpunkte

  • Dekontaminierung des Erwachsenen-Ichs: Den Klienten befähigen, die Sekundenbruchteile vor dem Knall zu beobachten.

  • Arbeit mit dem „Inneren Kind“: Dem aK Schutz bieten, damit es die Bestätigung nicht mehr nur über Karrierestufen im Außen suchen muss.

  • Vertrag (Contracting): In der TA arbeiten wir mit klaren Zielen. Beispiel: „Ich werde meine Stimme in Meetings nicht mehr über Zimmerlautstärke erheben.“

  • Strokes-Management: Der Klient muss lernen, sich selbst positive Strokes (Zuwendung) für sein Sein zu geben, statt nur für sein Leisten.

4. Therapie-Skript (Rollenspiel: Therapeut vs. Klient)

Szenario: Der Klient (K) berichtet von einem Vorfall, bei dem ein Assistent einen kleinen Fehler im Bericht gemacht hat und der Klient diesen „völlig fertiggemacht“ hat.

Therapeut (T): „Was genau passierte in Ihnen, als Sie den Fehler sahen, noch bevor Sie laut wurden?“

Klient (K): „Es ist einfach Inkompetenz! Es macht mich wahnsinnig. Es fühlt sich an, als würde er mich sabotieren.“

T: (Läd das ER ein) „Wenn wir das PAC-Modell nutzen: Welcher Teil von Ihnen spricht da? Ist es der Chef, der logisch analysiert, oder ist es ein Teil, der sich bedroht fühlt?“

K: „Ich fühle mich nicht bedroht, ich bin der Boss! Aber... es fühlt sich an, als würde alles instabil werden, wenn nicht alles perfekt ist.“

T: „Gehen wir zu diesem Gefühl der Instabilität. Wie alt ist dieser Teil in Ihnen, der glaubt, dass die Welt untergeht, wenn ein Bericht einen Fehler hat?“

K: (Zögert) „Vielleicht acht. Mein Vater hätte den Bericht zerrissen.“

T: „Da ist der ‚falsche Knopf‘. Wenn der Assistent einen Fehler macht, drückt er unbewusst auf die alte Wunde Ihres Vaters. Ihr Rebellisches Kind-Ich schlägt dann zu, um den kleinen Jungen von damals zu schützen. Aber heute sind Sie der Erwachsene. Können Sie dem achtjährigen Jungen sagen, dass ein Tippfehler heute keine Gefahr mehr für sein Überleben darstellt?“

5. Die „Anti-Tyrannen“-Strategie im Alltag (Optionen)

Um den Minderwertigkeitskomplex zu entmachten, arbeiten wir an der Existentiellen Grundposition:

  • Ziel: Von „Ich bin OK, du bist nicht OK“ (Abwertung anderer zur Selbsterhöhung) hin zu „Ich bin OK, du bist OK“.

Interventions-Techniken:

  1. Stop-Technik: Bei körperlichen Anzeichen von Wut (Puls, Hitze) physisch den Raum verlassen (ER-Aktivierung).

  2. Nachbeelterung (Reparenting): Der Klient lernt, sein eigenes strenges EL durch ein „Nährendes Eltern-Ich“ zu ersetzen, das ihm sagt: „Du darfst Fehler machen und bist trotzdem wertvoll.“

Hinweis: Solche Klienten kommen oft erst in Therapie, wenn ihr System kollabiert (Burnout, Scheidung oder drohende Kündigung trotz hoher Position). Der Leidensdruck ist der Schlüssel zur Veränderung.

1 Kommentar


Martin Döhring
Martin Döhring
26. Jan. 2023

Made in USA . Painting by MD

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